Erinnern Sie sich noch?

DDR-Legende „Sechse kommen durch die Welt“: Das wurde aus den Helden

Ein DDR‑Märchenklassiker kehrt zurück ins TV: Wir zeigen, was aus den sechs Stars von „Sechse kommen durch die Welt“ geworden ist.

Author - Florian Thalmann
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Im Märchen Sechse kommen durch die Welt erleben die sechs Hauptfiguren ein großes Abenteuer. Der Film aus der DDR ist noch heute bei Märchenfans beliebt.
Im Märchen Sechse kommen durch die Welt erleben die sechs Hauptfiguren ein großes Abenteuer. Der Film aus der DDR ist noch heute bei Märchenfans beliebt.DEFA

Jeder kennt Märchenfilme wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder „König Drosselbart“ aus der DDR. Doch es gibt auch Filme, die beinahe ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Zum Glück gibt es Fernsehsender, die sie noch immer regelmäßig aus dem Archiv holen. Am Sonntag zeigt der MDR um 16.55 Uhr beispielsweise einen echten Klassiker: „Sechse kommen durch die Welt“ erzählt die Geschichte von sechs Männern, die durch die Welt ziehen, um das Unrecht zu bekämpfen. Wir erinnern an den herrlichen DDR-Streifen und erzählen, was aus den DDR-Stars wurde.

Darum ging es im DDR-Film „Sechse kommen durch die Welt“

„Sechse kommen durch die Welt“ erblickte bereits im Jahr 1972 das Licht der Film-Welt – und ist an das gleichnamige Märchen der Gebrüder Grimm angelehnt. Die Story: Nach dem Ende des Krieges macht sich der König unbeliebt, weil er sich selbst Orden verleiht, seine Soldaten aber nur mit drei Hellern belohnt. Ein Soldat, der dagegen auf die Barrikaden geht, wird eingesperrt. In Haft lernt er den Starken kennen, der die beiden mit seiner Kraft aus dem Gefängnis befreit – wenn auch unfreiwillig.

Gemeinsam ziehen sie los und treffen dabei noch einen Fiedler, einen Jäger, einen Läufer und Schiefhütchen. Alle haben besondere Fähigkeiten: Der Fiedler zwingt mit seiner Musik die Menschen zum Tanzen, der Läufer schafft es mit seiner Schnelligkeit, anderen Essen zu stehlen. Der Jäger trifft selbst aus riesiger Entfernung einfach alles – und Schiefhütchen kann mit dem eigenen Hut Eis und Kälte erzeugen. Gemeinsam erleben die sechs Figuren in „Sechse kommen durch die Welt“ ein Abenteuer voller spannender Wendungen und dem großen Ziel, dem König Manieren beizubringen.

Der MDR zeigt das Märchen „Sechse kommen durch die Welt“ am Sonntag um 16.55 Uhr. Ein absolutes Muss für alle, die die DEFA-Märchenproduktionen aus der DDR lieben!
Der MDR zeigt das Märchen „Sechse kommen durch die Welt“ am Sonntag um 16.55 Uhr. Ein absolutes Muss für alle, die die DEFA-Märchenproduktionen aus der DDR lieben!DEFA

Die Dreharbeiten für den Film „Sechse kommen durch die Welt“ fanden schon im Jahr 1971 statt – und zwar teilweise ganz in der Nähe von Berlin! Gefilmt wurde im heutigen Landkreis Potsdam-Mittelmark und im Havelland. Auch verschiedene Sehenswürdigkeiten aus dem Osten Deutschlands sind zu sehen, beispielsweise die Borner Bockwindmühle, das Schloss Sanssouci und das Schloss Moritzburg, wo auch Szenen für „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ entstanden. Manche Szenen wurden in den Studios der DEFA in Babelsberg gefilmt.

„Sechse kommen durch die Welt“ eroberte die ganze Welt

Am 18. August 1972 feierte „Sechse kommen durch die Welt“ dann seine Premiere in der DDR, trat danach seinen Siegeszug um die ganze Welt an. Der Streifen lief nicht nur in der BRD und in anderen West-Ländern, sondern unter anderem auch in Vietnam und Japan. Ein sensationeller Erfolg für Regisseur Rainer Simons, der hier Regie führte. Es war bereits sein dritter Kinderfilm für die DEFA. Und auch die Hauptdarsteller hauchen dem besonderen Märchen der Gebrüder Grimm Leben ein. Nur: Was wurde aus Ihnen? Wir verraten, wie die Geschichten der DDR-Legenden nach „Sechse kommen durch die Welt“ weitergingen.

Jiri Menzel war der Soldat in „Sechse kommen durch die Welt“

Jiri Menzel übernahm in „Sechse kommen durch die Welt“ die Hauptrolle des Soldaten. Der tschechische Schauspieler wurde in Prag geboren, absolvierte eine Ausbildung an der Filmhochschule und stand danach in etlichen Produktionen als Schauspieler vor und als Regisseur hinter der Kamera. Zu der Zeit, als „Sechse kommen durch die Welt“ entstand, war er in der CSSR mit einem Arbeitsverbot belegt.

Er wandte sich in der Folge auch der Arbeit auf der Theaterbühne zu. Zu den Filmen, an denen er mitwirkte, zählt unter anderem „Liebe nach Fahrplan“, eine Komödie von 1966. Hier führte er Regie, der Film wurde sogar mit einem Oscar ausgezeichnet. Auch nach „Sechse kommen durch die Welt“ kamen noch zahlreiche Produktionen auf ihn zu, zuletzt „Der Dolmetscher“ aus dem Jahr 2018. Erst im Jahr 2020 starb der beliebte Schauspieler, laut Berichten nach langer Krankheit und mit einer Covid-Erkrankung. Er wurde 82 Jahre alt.

„Sechse kommen durch die Welt“: Der tragische Tod von Günter Schubert

Günter Schubert schlüpfte in „Sechse kommen durch die Welt“  in die Rolle des Starken – eine Rolle, die wunderbar zu dem Schauspieler aus Weißwasser passte. Er hatte seine ersten Schritte auf der Bühne am Arbeitertheater in Bad Muskau gemacht, ergriff schließlich den Schauspielberuf. An der Staatlichen Schauspielschule Berlin wurde er ausgebildet, zahlreiche Rollen auf der Bühne und beim Film folgten.

„Treffpunkt Flughafen“, „Bereitschaft Dr. Federau“ und „Zur See“: Günter Schubert stand in etlichen erfolgreichen Produktionen in der DDR vor der Kamera, war ein Superstar des Ostens und nach der Wende auch in ganz Deutschland berühmt. Sein Tod war umso tragischer: Günter Schubert starb im Januar 2008 im Alter von nur 69 Jahren überraschend an Krebs – einer Krankheit, die bei ihm erst kurz zuvor diagnostiziert worden war.

Günter Schubert war ein echter TV- und Filmstar des Ostens, setzte seine Karriere auch nach der Wende in ganz Deutschland fort.  In „Sechse kommen durch die Welt“ war er der Starke.
Günter Schubert war ein echter TV- und Filmstar des Ostens, setzte seine Karriere auch nach der Wende in ganz Deutschland fort. In „Sechse kommen durch die Welt“ war er der Starke.teutopress/imago

Der Läufer in „Sechse kommen durch die Welt“ war Friedo Solter

Friedo Solter war der schnelle Läufer in „Sechse kommen durch die Welt“ – und rannte sich in die Herzen der Zuschauer. Der Filmstar aus Reppen ließ sich an der Staatlichen Schauspielschule Berlin in Schöneweide ausbilden, hospitierte schon während seines Studiums bei Bertolt Brecht am Berliner Ensemble. Sein Lebensweg führte ihn vor allem als Theaterschauspieler über die Bühnen in Ost und West, immer wieder stand Friedo Solter aber auch vor der Kamera.

Zu den Produktionen, an denen er mitwirkte, gehören neben „Sechse kommen durch die Welt“ auch „Leben mit Uwe“, „Till Eulenspiegel“, „Unterwegs nach Atlantis“ und der Mehrteiler „Scharnhorst“. Er starb im Jahr 2023 auf der Insel Usedom im stolzen Alter von 90 Jahren.

Christian Grashof spielte in „Sechse kommen durch die Welt“ den Fiedler

Schauspieler Christian Grashof hauchte dem Fiedler in „Sechse kommen durch die Welt“ Leben ein – mit seiner Fidel sorgte er für die passende Musik bei den Abenteuern der Helden unseres DDR-Märchens. Er stammte aus Gablonz an der Neiße, studierte Schauspiel an Berlin, trat danach am Theater in Karl-Marx-Stadt auf und spielte unter anderem auch am Deutschen Theater und am Schillertheater in Berlin. Auch vor den Fernsehkameras stand er schon früh: Der erste Auftritt erfolgte in „Die erste Reiterarmee“ von 1966.

Es folgten Produktionen wie der Science-Fiction-Film „Besuch bei van Gogh“ der DEFA. Grashof lebt in Berlin, ist Mitglied der Akademie der Künste und laut Berichten Dozent an der Hochschule „Ernst Busch“.

Der Fiedler zwingt mit seiner Musik jeden zum Tanzen. Schauspieler Christian Grashof schlüpfte im Märchen „Sechse kommen durch die Welt“ in die Rolle.
Der Fiedler zwingt mit seiner Musik jeden zum Tanzen. Schauspieler Christian Grashof schlüpfte im Märchen „Sechse kommen durch die Welt“ in die Rolle.DEFA/Youtube

Jürgen Gosch aus „Sechse kommen durch die Welt“ wurde nur 65 Jahre alt

Nummer fünf der Sechse aus „Sechse kommen durch die Welt“ ist Jürgen Gosch: Er spielte den Jäger, der einfach alles trifft. Gosch stammte aus Cottbus, begann mit 18 Jahren in der DDR sein Schauspielstudium an der „Ernst Busch“ und entwickelte sich danach zum gefragten Theaterschauspieler. In Film und Fernsehen war er unter anderem in „Till Eulenspiegel“ von 1975 zu sehen, außerdem in „Zünd an, es kommt die Feuerwehr“ und in „Muhme Rehle“. Im Laufe seiner Karriere führte er auch Regie. 2009 stand er zum letzten Mal vor der Kamera und auf der Bühne, denn sein Leben endete plötzlich und viel zu früh: Gosch starb im Juni 2009 an Krebs. Er verlor den Kampf gegen die furchtbare Krankheit – und wurde nur 65 Jahre alt.

Olga Strub war Schiefhütchen in „Sechse kommen durch die Welt“

Im Schiefhütchen steckte eigentlich eine Frau – denn sie wird erst nicht von den fünf Männern mitgenommen und muss sich deshalb einen Kniff überlegen. Olga Strub war es, die diese Figur zum Leben erweckte. Strub stammt aus Basel, wanderte mit ihrer Familie 1957 in die DDR aus – und lernte hier Schauspiel in Schöneweide.

Es folgten Auftritte auf der Theaterbühne und in Filmproduktionen der DEFA. Die Rolle von Schiefhütchen in „Sechse kommen durch die Welt“ wurde eine ihrer bekanntesten. Auch im Märchen „Die zertanzten Schuhe“ war sie zu sehen. Nach der Wende setzte sie ihre Karriere mit Projekten wie „Der Bestatter“ und „Die zukünftigen Glückseligkeiten“ fort. Auch heute ist sie noch in ihrem Beruf tätig.

Erinnern Sie sich an den Film „Sechse kommen durch die Welt“ – und welche Märchen sind Ihnen noch in Erinnerung geblieben? Schicken Sie uns Ihre Lieblingsfilme per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!