Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in der DDR, wuchs in Berlin-Weißensee auf und weiß, wie es sich anfühlt, mit wenig glücklich zu sein. Ost-Schauspielerin Lina Wendel (61) erinnert sich gerne an ihre DDR-Zeit zurück und besonders einen Aspekt vermisst sie: Damals gab es keine Existenzangst.
Lina Wendel kritisiert: Viele DDR-Stars sind heute kaum präsent
Als junge Frau besuchte Lina Wendel vor dem Mauerfall, wie viele große DDR-Stars, die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Trotz fabelhafter Ausbildung an der Schauspielschule kritisiert Wendel, dass viele talentierte DDR-Schauspieler heute nicht mehr präsent sind.
„Die ersten 15 Jahre waren es nicht viele DDR-Schauspieler, die den Sprung auf die große Leinwand geschafft haben. Es waren beispielsweise Katrin Sass, Corinna Haferfouch und Dagmar Manzel. Alles großartige Schauspielerinnen. Wir anderen hatten nicht damit gerechnet, dass sich der Bekenntnis- und Kennenlernen-Prozess doch so lange hinzog“, so Wendel zum Berliner KURIER.
Auf der Hochschule lernte sie den Ost-Berliner und Krimi-Star Florian Martens (67) kennen, mit dem sie jetzt in der Krimi-Reihe „Ein starkes Team“ zu sehen ist (der Film läuft ab dem 9. Mai in der ZDF-Mediathek und am 16. Mai um 20.15 Uhr im TV).
Trotz staatlicher Überwachung, geringen Reisemöglichkeiten und Mangelwirtschaft wünscht sich soziale Gerechtigkeit und Gleichheit zurück. Wendel erzählt dem KURIER: „Das Spannendste in der Rückschau auf die DDR war für mich der Wegfall von Existenzangst. Bezahlbarer Wohnraum, kostenloses Schulessen, Obdachlosigkeit war mir nicht bekannt, Hunger war mir nicht bekannt, unendlich viele gute Vereinsangebote für die Kinder und Jugendlichen und das Kollektiv. Es gab politische, aber kaum emotionale Einsamkeit.“

Genauso kritisiert sie den starken Konsum in der heutigen Gesellschaft. Die Schauspielerin ist sich sicher, dass Minimalismus deutlich „leichter und freier“ macht. Der Drang, zu irgendetwas dazuzugehören, oder die Optik anderer Menschen zu kopieren, macht viel mehr Druck. „Es geht darum, dass man sich selber mag, so wie man ist. Und nicht, ob die anderen einen mögen.“
Lina Wendel fühlt sich in Berlin zu Hause
Weiter sagt sie: „Der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini hat gesagt: Was der Faschismus nicht an Gleichschaltung geschafft hat, schafft der Konsumismus. Ja klar, unser System lebt vom Konsumieren und die damit einhergehende Uniformierung. Zum Beispiel: diese manchmal sehr imposanten Fingernägel. Herrlich, was sich Menschen so ausdenken. Aber dass das dann auch so vielen scheinbar gefällt, ist doch verrückt.“



