Krimi-Star

Ost-Schauspielerin erinnert sich: In der DDR hatten wir keine Existenzangst!

Lina Wendel erinnert sich an ihre DDR-Jugend ohne Existenzangst und kritisiert den heutigen Konsumdruck. Ein Einblick in ihr Leben und ihren neuen ZDF-Krimi.

Author - Mariella Mandurino
Teilen
Lina Wendel spielt Sophie Schultheis in dem ZDF-Krimi „Ein starkes Team – Mörderische Gier“.
Lina Wendel spielt Sophie Schultheis in dem ZDF-Krimi „Ein starkes Team – Mörderische Gier“.Hardy Spitz/ZDF

Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in der DDR, wuchs in Berlin-Weißensee auf und weiß, wie es sich anfühlt, mit wenig glücklich zu sein. Ost-Schauspielerin Lina Wendel (61) erinnert sich gerne an ihre DDR-Zeit zurück und besonders einen Aspekt vermisst sie: Damals gab es keine Existenzangst.

Lina Wendel kritisiert: Viele DDR-Stars sind heute kaum präsent

Als junge Frau besuchte Lina Wendel vor dem Mauerfall, wie viele große DDR-Stars, die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Trotz fabelhafter Ausbildung an der Schauspielschule kritisiert Wendel, dass viele talentierte DDR-Schauspieler heute nicht mehr präsent sind.

„Die ersten 15 Jahre waren es nicht viele DDR-Schauspieler, die den Sprung auf die große Leinwand geschafft haben. Es waren beispielsweise Katrin Sass, Corinna Haferfouch und Dagmar Manzel. Alles großartige Schauspielerinnen. Wir anderen hatten nicht damit gerechnet, dass sich der Bekenntnis- und Kennenlernen-Prozess doch so lange hinzog“, so Wendel zum Berliner KURIER.

Auf der Hochschule lernte sie den Ost-Berliner und Krimi-Star Florian Martens (67) kennen, mit dem sie jetzt in der Krimi-Reihe „Ein starkes Team“ zu sehen ist (der Film läuft ab dem 9. Mai in der ZDF-Mediathek und am 16. Mai um 20.15 Uhr im TV).

Trotz staatlicher Überwachung, geringen Reisemöglichkeiten und Mangelwirtschaft wünscht sich soziale Gerechtigkeit und Gleichheit zurück. Wendel erzählt dem KURIER: „Das Spannendste in der Rückschau auf die DDR war für mich der Wegfall von Existenzangst. Bezahlbarer Wohnraum, kostenloses Schulessen, Obdachlosigkeit war mir nicht bekannt, Hunger war mir nicht bekannt, unendlich viele gute Vereinsangebote für die Kinder und Jugendlichen und das Kollektiv. Es gab politische, aber kaum emotionale Einsamkeit.“

Lina Wendel spielte schon in vielen Krimi-Serien mit.
Lina Wendel spielte schon in vielen Krimi-Serien mit.Sven Simon/Imago

Genauso kritisiert sie den starken Konsum in der heutigen Gesellschaft. Die Schauspielerin ist sich sicher, dass Minimalismus deutlich „leichter und freier“ macht. Der Drang, zu irgendetwas dazuzugehören, oder die Optik anderer Menschen zu kopieren, macht viel mehr Druck. „Es geht darum, dass man sich selber mag, so wie man ist. Und nicht, ob die anderen einen mögen.“

Lina Wendel fühlt sich in Berlin zu Hause

Weiter sagt sie: „Der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini hat gesagt: Was der Faschismus nicht an Gleichschaltung geschafft hat, schafft der Konsumismus. Ja klar, unser System lebt vom Konsumieren und die damit einhergehende Uniformierung. Zum Beispiel: diese manchmal sehr imposanten Fingernägel. Herrlich, was sich Menschen so ausdenken. Aber dass das dann auch so vielen scheinbar gefällt, ist doch verrückt.“

Dem Osten ist Lina Wendel bis heute treu geblieben. Durch verschiedene Theater-Engagements lebte der Ost-Star in Cottbus, Leipzig, Halle und auch Hamburg. „Aber zu Hause bin ich in Berlin. Berlin ist sehr groß und teilweise auch extrem dreckig, aber ich liebe diese Großstadt, die aus so vielen kleinen Dörfern oder Gemeinschaften zusammengewachsen ist.“

Auch der neue Film „Ein starkes Team – Mörderische Gier“ ist ein Heimspiel für die Ost-Berlinerin. Denn hier wird ein Kriminalfall in der Hauptstadt behandelt. Lina Wendel gibt Einblick in den Film und deutet an: „Der Stoff hat mich sehr interessiert! Diese Art der Machenschaften sind menschenverachtend und sollten aufgedeckt werden.“ Über ihre Rolle sagt sie: „Geheimnisvolle Figuren bieten mehr Reibungsfläche, das macht sie unter Umständen interessanter!“

Wie stehen Sie zu Lina Wendels Aussagen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com