Bis heute ungelöst

DDR-Film „Das singende, klingende Bäumchen“: Rätsel um Zwerg ungelöst!

Der DEFA-Klassiker „Das singende, klingende Bäumchen“ läuft wieder im TV. Doch ein Geheimnis um den Zwerg-Darsteller sorgt bis heute für Rätsel.

Author - Florian Thalmann
Teilen
Christel Bodenstein und Richard Krüger gehörten zu den Stars des DDR-Märchens Das singende, klingende Bäumchen. Doch um Krüger rankt sich ein Geheimnis.
Christel Bodenstein und Richard Krüger gehörten zu den Stars des DDR-Märchens Das singende, klingende Bäumchen. Doch um Krüger rankt sich ein Geheimnis.Mary Evans Picture Library/imago, DEFA

Es gehört zu den schönsten Märchen, die in den heiligen Hallen der DEFA jemals entstanden – und bekommt in diesem Jahr zum Herrentag noch einmal einen großen Auftritt: Am Donnerstag wird der Film „Das singende, klingende Bäumchen“ um 15.20 Uhr im MDR gezeigt. Der wunderschöne Film aus dem Jahr 1957 wird auch dieses Mal viele Menschen zurück in ihre Kindheit versetzen. Aber: Wussten Sie schon, dass sich ein riesiges Geheimnis um den Märchenfilm rankt? Der Grund ist die Identität des Schauspielers, der den bösen Zwerg im DEFA-Film spielte. Darum gibt es bis heute ein großes Rätsel.

Die Story von „Das singende, klingende Bäumchen“

Erinnern Sie sich noch an die Story des DDR-Märchens „Das singende, klingende Bäumchen“? Falls nicht: Es geht um einen schönen Prinzen, der in das Schloss des Königs kommt, um die Prinzessin zur Frau zu nehmen. Doch die verschmäht nicht nur seine Hand, sondern auch die Truhe voller Perlen, die er mitgebracht hat.

Stattdessen verlangt sie von ihm, dass er ihr das singende, klingende Bäumchen aus dem Zauberwald bringt. Der Prinz macht sich auf die Suche – und lernt auf dem Weg den Zwerg kennen, der ihm das singende, klingende Bäumchen überlässt.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Das Bäumchen wird nur singen und klingen, wenn die Prinzessin den Prinzen wirklich liebt. Anderenfalls wird der Prinz in einen Bären verwandelt und muss im Reich des Zwergs leben. Es kommt, wie es kommen musste: Die Prinzessin weist den Prinzen ab, er muss zurück zum Zwerg, wird in einen Bären verwandelt. Die Prinzessin schickt daraufhin noch einmal ihren Vater ins Zauberreich, um das Bäumchen zu holen. Der wiederum trifft auf den Bären – und muss ihm dafür das erste Wesen versprechen, das ihm bei der Heimkehr ins Schloss begegnet.

Christel Bodenstein als Prinzessin zusammen mit Zwerg Richard Krüger im Film „Das singende, klingende Bäumchen“ aus der DDR.
Christel Bodenstein als Prinzessin zusammen mit Zwerg Richard Krüger im Film „Das singende, klingende Bäumchen“ aus der DDR.Mary Evans Picture Library/imago

Es ist seine Tochter, die Prinzessin, doch die will er dem Bären natürlich nicht überlassen. Also beschließt der Prinz, sich das Mädchen zu holen. Er entführt sie und der Zwerg verpasst ihr ein hässliches Gesicht, das ihr Verhalten gegenüber anderen nach außen kehren soll.

Wird es der Prinzessin gelingen, wieder eine schöne Frau zu werden, wird sich der Bär zurück in einen Menschen verwandeln – und gilt auch bei diesem Märchen am Ende der Satz „Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“? Wer das wissen möchte, sollte mal wieder einen Blick auf „Das singende, klingende Bäumchen“ werfen, etwa am Herrentag um 15.20 Uhr im MDR.

„Das singende, klingende Bäumchen“ erschien 1957

Der hervorragende Märchenfilm, der noch heute viele Fans hat, entstand vollständig in den heiligen Hallen der DEFA in Babelsberg. Gedreht wurde er 1957, Regie führte Francesco Stefani. Das Märchen wurde am 13. Dezember 1957 erstmals in den Kinos der DDR gezeigt, ein Weihnachtsgeschenk an die Märchenfans im Osten.

Schon ein knappes Jahr später war „Das singende, klingende Bäumchen“ dann auch in der BRD zu sehen, hier lief der Streifen am 14. September 1958 im Kino an. Insgesamt sechs Millionen Zuschauer sahen den Film in den ersten beiden Jahren. Erst 20 Jahre später, im Juli 1977, lief „Das singende, klingende Bäumchen“ erstmals im DDR-Fernsehen.

Christel Bodenstein und Eckart Dux im Film „Das singende, klingende Bäumchen“ aus der DDR. Der Streifen gehört zu den schönsten Märchenfilmen aus dem OSten.
Christel Bodenstein und Eckart Dux im Film „Das singende, klingende Bäumchen“ aus der DDR. Der Streifen gehört zu den schönsten Märchenfilmen aus dem OSten.Allstar/imago

Unsterblich sind vor allem die Schauspieler geworden: Christel Bodenstein schlüpfte in die Rolle der Prinzessin, Eckart Dux war in „Das singende, klingende Bäumchen“ als Prinz zu sehen. Die Rolle des Königs übernahm Charles Hans Vogt – und den bösen Zwerg spielte Richard Krüger. Ein Name, der für großes Rätselraten sorgte. Und für das wohl größte Geheimnis von „Das singende, klingende Bäumchen“, das noch immer nicht vollständig gelüftet ist. Denn bis heute ist unklar, wer der Schauspieler eigentlich war und ob er unter einem anderen Namen in Prenzlau lebte.

Geheimnis um „Das singende, klingende Bäumchen“

Man geht davon aus, dass der kleinwüchsige Schauspieler unter dem Namen Hermann Emmrich geboren wurde. Allerdings war über den Künstler lange Zeit wenig bekannt. Der Grund: Er tauchte nur in drei Filmen auf, spielte laut Berichten in „Zwerg Nase“ aus dem Jahr 1953 mit und stand 1955 in „Schneeweißchen und Rosenrot“ vor der Kamera.

Ob Richard Krüger und Hermann Emmrich aber die gleiche Person waren, ist bis heute nicht vollständig geklärt. In einem Bericht des „Nordkurier“ enthüllten Anwohner von Prenzlau vor Jahren, dass sie sich an Emmrich erinnerten – sie waren sich sicher, dass es sich bei dem Mann um den Schauspieler aus „Das singende, klingende Bäumchen“ handelte.

Richard Krüger in einer alten Aufnahme aus dem Film „Das singende, klingende Bäumchen“. Um den zwerg aus dem Märchen rankt sich bis heute ein ungelöstes Geheimnis.
Richard Krüger in einer alten Aufnahme aus dem Film „Das singende, klingende Bäumchen“. Um den zwerg aus dem Märchen rankt sich bis heute ein ungelöstes Geheimnis.Mary Evans Picture Library/imago

So erzählte ein Mann, wie der kleinwüchsige Mann eines Tages mit seinem Trabi in die Autowerkstatt gefahren kam, weil eine Feder gebrochen war. „Obwohl schon Feierabend war, wurde ihm von uns geholfen. Das muss so um 1970 gewesen sein“, sagte der Mann.

Das Besondere: Er erinnerte sich genau daran, wie Hermann Emmrich aus dem Auto stieg. Er sei erst gar nicht zu sehen gewesen. „Dann beugte er sich vor und stützte seine Hände auf den Knien ab, genau so, wie er es im Film immer getan hat.“ Eine Frau, die die Lebensgefährtin von Emmrich gut kannte, sagte, die Frau habe davon erzählt, dass er in dem Film mitgespielt hatte. Außerdem wurde berichtet, dass er ein Auto mit Berliner Kennzeichen hatte und oft wegfuhr.

Schuhmacher erinnerte sich an den Zwerg aus „Das singende, klingende Bäumchen“

Auch ein örtlicher Schuhmacher berichtete, Hermann Emmrich erlebt zu haben. Die Spezialanfertigungen für ihn seien aus seiner Werkstatt gekommen. Es sei gemunkelt worden, dass der Auftraggeber der Schuhe ein berühmter Schauspieler war. Aber genau wusste man es auch in der Werkstatt nicht. „Direkt darauf angesprochen haben wir ihn nicht, zumal im Abspann des Filmes bei der Zwergenrolle ja ein anderer Name stand“, sagte der Schuhmacher. „Doch die Ähnlichkeit war schon frappierend. Und man hörte das Gerücht in der Stadt immer wieder.“

Warum trat Hermann Emmrich unter einem anderen Namen auf – oder handelte es sich bei dem Mann aus Prenzlau in Wirklichkeit gar nicht um den Schauspieler aus „Das singende, klingende Bäumchen“? Es ist ein Geheimnis, das er mit ins Grab nahm: Emmrich starb bereits am 26. August 1995 in Prenzlau. Der Grabstein war lange auf dem Friedhof zu finden, wurde 2020 aber eingeebnet.

Prinzessin Christel Bodenstein konnte nicht helfen

Übrigens: Auch Christel Bodenstein, die im Film die Prinzessin gespielt hatte, konnte nichts zur Lösung des Rätsels beitragen. Sie erinnerte sich nur, dass der Regisseur Francesco Stefani den Schauspieler für die Rolle des Zwergs schon als Richard Krüger mit zum Filmset brachte. Die Identität des Zwergs aus „Das singende, klingende Bäumchen“: Sie wird ein Geheimnis bleiben.

Erinnern Sie sich an den Märchenfilm – und welche Märchen aus der DDR haben Sie besonders gern geschaut? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!