Na, wer denn nun? Welcher Künstler hat 1989 für die politische Wende in Osteuropa gesorgt? David Hasselhoff behauptet gerne mit einem Augenzwinkern, dass er in Deutschland mit „Looking for Freedom“ die Mauer zum Einsturz gesungen habe.
Neue Dokumentation über die Geschichte von Boney M.
Doch nun gibt es eine neue Theorie: Brachte etwa Boney M. („Rivers of Babylon“) die Mauer zu Fall? In der neuen ARD-Dokumentation „Disco. Macht. Legende.“ über Boney M. behauptet Sängerin Liz Mitchell: „Wir haben den Vorhang geöffnet.“
Was die heute 73-Jährige meint: Die Gruppe des 2024 verstorbenen Produzenten Frank Farian spielte Ende 1978 in der Sowjetunion, als eine der ersten bedeutenden westlichen Popbands überhaupt. Sie gaben acht Konzerte in sieben Tagen im Großen Saal des Hotels Rossija in Moskau.
Alle Hits durfte das Quartett singen – bis auf einen: „Rasputin“. Aus „historischen Erwägungen“, wie es hieß. In dem Song heißt es unter anderem „Russia’s greatest love machine“ und „Lover of the russian queen“.

1979 ging es nach Polen. Unter anderem trat Boney M. im August beim „Internationalen Intervision Song Contest“ auf, der damals als osteuropäische Alternative zum West-Grand Prix in Sopot stattfand.
Nachdem das Publikum lautstark „Rasputin, Rasputin“ forderte, ließ sich die Band erbarmen – und sang den bis dahin in Osteuropa verpönten Hit. Liz Mitchell erinnert sich: „Es war wie eine Wachablösung für sie. Das war der Beginn der Umwälzungen, die danach stattfanden.“ Boney M. trat auch in der DDR auf, im Rahmen der Kult-Show „Ein Kessel Buntes“.
Gerade die Entwicklungen in Polen Anfang der 1980er-Jahre gelten als Signal für ganz Osteuropa auf dem Weg in die Freiheit. So kämpfte die unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc ab 1980 gegen das kommunistische System. Ende des Jahrzehnts bröckelte dann der Eiserne Vorhang. In Polen und Ungarn, schließlich auch in der DDR.
Auch andere Künstler haben ihren Anteil an der Freiheit
Auch dank Boney M.? Andere Künstler werden ebenfalls als Wegbereiter der Freiheit genannt. So trat David Bowie 1987 in West-Berlin nahe der Mauer auf – viele Fans aus der DDR hörten auf der anderen Seite mit. Eine DDR-Band wie Silly („Bataillon d’Amour“ oder „Mont Klamott“) galt als unterschwellig systemkritisch. Auch bei Karat („Über sieben Brücken musst du geh’n“) wurde im Nachhinein so manches hineininterpretiert.





