Ticket‑Zweitmarkt

Abzocke im Ticketvertrieb: Künstler und Fans schlagen Alarm!

Teure Konzerttickets und Weiterverkauf mit hohen Aufschlägen: Künstler und Veranstalter fordern strengere Regeln für den Ticket‑Zweitmarkt.

Author - Sebastian Karkos
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Konzerte können ein teures Vergnügen für Musik-Fans sein.
Konzerte können ein teures Vergnügen für Musik-Fans sein.ChatGPT/Mit KI generiert

Ticket-Zweitmärkte sind umstritten. Einerseits ermöglichen sie Fans, auch noch ausverkaufte Veranstaltungen wie Konzerte zu besuchen. Andererseits begünstigen sie Preiswucher, Betrug und Intransparenz, da die Karten oft automatisiert aufgekauft und stark überteuert weiterverkauft werden. Die Künstler-Branche wehrt sich nun gegen dieses Abzock-Geschäftsmodell.

Die Toten Hosen und die Ärzte sind mit dabei

Ein breites Bündnis aus Künstlern, Veranstaltern und Branchenverbänden fordert die Bundesregierung auf, den Ticket-Zweitmarkt in Deutschland deutlich stärker zu regulieren. In einem offenen Brief warnen sie vor wachsender Spekulation, Betrug und massiver Benachteiligung von Fans. Unterzeichnet ist das Schreiben unter anderem von Bands wie Die Toten Hosen, Die Ärzte oder Kraftklub.

Es heißt: Konzerttickets seien keine Ware für Spekulanten, sondern ein Versprechen an Fans auf faire Preise, heißt es in dem Schreiben. Dieses Versprechen werde jedoch regelmäßig gebrochen: Gewerbliche Wiederverkäufer kauften Eintrittskarten massenhaft auf, häufig mithilfe automatisierter Software, und boten sie später mit Aufschlägen von 100, 200 oder gar 250 Prozent auf Plattformen wie Viagogo oder Ebay an.

Teilweise tauchten Angebote bereits vor dem offiziellen Vorverkaufsstart auf, obwohl die Tickets noch gar nicht existierten. Das Geld lande nicht bei Künstlern oder Veranstaltern, sondern bei Zwischenhändlern.

Fans stehen teils vor verschlossenen Türen

Neben Preiswucher kritisiert das Bündnis auch den zunehmenden Betrug mit gefälschten Tickets. Fans zahlten teils mehrere Hundert Euro und stünden am Einlass vor verschlossenen Türen. Zwar hätten deutsche Gerichte Plattformen in jüngsten Urteilen Täuschung vorgeworfen, doch Klagen seien aufwendig und teuer. Nötig sei ein klarer gesetzlicher Rahmen.

Die Toten Hosen aus Düsseldorf gehören zu den prominentesten Bands der Initiative.
Die Toten Hosen aus Düsseldorf gehören zu den prominentesten Bands der Initiative.dpa

Dabei sind strengere Regeln politisch längst angekündigt. Im Koalitionsvertrag ist eine stärkere Regulierung des Ticket-Zweitmarkts festgeschrieben. Konkret fordert das Bündnis unter anderem eine Preisobergrenze von 25 Prozent, ein Verbot von Bot-Einsatz und Leerverkäufen sowie mehr Transparenz und Haftung für Plattformen.

Auch im Sport sind überteuerte Tickets ein Ärgernis

Überteuerte Tickets sind auch im Sport ein Ärgernis. Gerade Viagogo wird oft kritisiert. Mehrere Bundesligaklubs wollen Viagogo deswegen stoppen. Und das seit Jahren. Unterstützt werden sie dabei von Justizministerin Stefanie Hubig (57, SPD), die nun in der Sportschau sagt: „Wir wollen dieser Abzocke die rote Karte zeigen.“

Sie fügt an: „Viele Fans kennen das Problem: Die Karten für ein Spiel sind rasend schnell vergriffen. Anschließend werden die Tickets auf großen Plattformen erneut angeboten – aber mit einem saftigen Preisaufschlag. Diese Abzocke auf dem Zweitmarkt ist ein echtes Ärgernis. Hier bereichern sich einige Geschäftemacher auf Kosten echter Fans."

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie schon einmal Karten auf dem Ticket-Zweitmarkt gekauft?
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