FIFA kassiert doppelt ab

Tickets für 2,3 Millionen Dollar: Luxus, den sich kaum jemand leisten kann

Dieser Preissprung wirft fundamentale Fragen zur Ticketpolitik der FIFA auf und stellt Fans vor unüberwindbare Hürden.

Author - Sebastian Krause
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Auf einer offiziellen Plattform der FIFA kosten Tickets für das WM-Finale bis zu 2,3 Millionen Euro.
Auf einer offiziellen Plattform der FIFA kosten Tickets für das WM-Finale bis zu 2,3 Millionen Euro.Maximilian Haupt/dpa

Eine Finalkarte für mehr als zwei Millionen US-Dollar? Was lange nach absurdestem Schwarzmarkt klang, taucht jetzt mitten im offiziellen System auf. Die Ticketpolitik der FIFA für die Fußball-WM im Sommer führt inzwischen zu unvorstellbaren Preisen.

Finaltickets für 2,3 Millionen US-Dollar im Angebot

Auf der offiziellen Weiterverkaufsplattform des Weltverbandes wurden am Donnerstagabend drei Tickets für das Finale für jeweils knapp 2,3 Millionen US-Dollar angeboten. Die Plätze für das Spiel am 19. Juli im MetLife Stadium in New Jersey befinden sich hinter einem Tor im Unterrang.

Preise für Tickets wie für eine Luxusvilla

Dass ausgerechnet ein Sitzplatz „hinterm Kasten“ plötzlich die Dimension einer Luxusvilla erreicht, zeigt, wie sehr sich die WM 2026 zu einem Prestige-Event für die Superreichen aufbläht.

Neben dem regulären Verkauf bietet die FIFA eine Plattform an, auf der erworbene Karten weiterverkauft werden können – ohne Regulierung durch den Weltverband. Der Verkäufer legt den Preis fest. Das führt zu teils horrenden Summen.

Im MetLife Stadium findet im Juli das WM-Finale statt. Besondere Tickets können bis zu 2,3 Millionen Euro kosten.
Im MetLife Stadium findet im Juli das WM-Finale statt. Besondere Tickets können bis zu 2,3 Millionen Euro kosten.Pamela Smith/dpa

FIFA kassiert Verkäufer und Käufer ab

Die FIFA profitiert doppelt: Sie kassiert 15 Prozent Gebühr – sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer. Sollte eines der angeführten Finaltickets verkauft werden, erhielte der Weltverband also 690.000 US-Dollar. Viele weitere Angebote für das Endspiel liegen dazu deutlich über 100.000 US-Dollar. Nach FIFA-Angaben ist das Wiederverkaufsmodell dabei fest in das offizielle Ticketing eingebettet.

Florian Wirtz (links gegen Ghanas Yirenkyi) hofft mit der DFB-Auswahl auf das WM-Finale im Juli.
Florian Wirtz (links gegen Ghanas Yirenkyi) hofft mit der DFB-Auswahl auf das WM-Finale im Juli.Matthias Koch/IMAGO

Wer Tickets einstellt, sieht Vergleichspreise anderer Verkäufer – und der angezeigte Preis beinhaltet bereits eine 15‑Prozent‑Resale-Gebühr. Außerdem ist der einmal gewählte Preis „gelockt“ und kann nur durch Zurückziehen und erneutes Einstellen geändert werden. Genau diese Konstruktion ist der Zündstoff.

Die Ticketpreise sind sehr, sehr hoch. Das ist auch nichts, was wir begrüßen.

Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes

Verbraucherschützer sind alarmiert

Verbraucherschützer und Fans in Europa legten wegen des Ticketverkaufs der FIFA Ende März eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein. In ihrer Darstellung geht es nicht nur um „zu teuer“, sondern um ein Gesamtpaket: mangelnde Transparenz, dynamische Preissteigerungen ohne klare Vorwarnung und ein System, in dem Fans teils hohe Summen zahlen, ohne exakte Sitzplätze zu kennen.

Die Beschwerdeführer verweisen außerdem darauf, dass selbst die günstigsten Finaltickets im offiziellen Verkauf schon bei mehreren tausend Dollar starten können, und kritisieren, dass auf dem offiziellen Marktplatz dann zusätzlich Gebühren auf beiden Seiten anfallen.

DFB-Präsident kritisiert die FIFA-Politik

Unabhängig davon unterstrich DFB-Präsident Bernd Neuendorf die Kritik an der Preispolitik der FIFA. „Die Ticketpreise sind sehr, sehr hoch. Das ist auch nichts, was wir begrüßen“, sagte der 64-Jährige, der Mitglied im Council des Weltverbandes ist, dem SID am Rande einer Veranstaltung in Köln. Der DFB habe bei der Heim-EM 2024 „gezeigt, dass es auch anders geht“.

Neuendorf trifft damit einen Nerv vieler Fans: Während die UEFA bei der EM 2024 bewusst auch günstige Kategorien im Angebot hielt, steht bei der WM 2026 zunehmend der Eindruck im Raum, dass „Normalos“ nur noch mit viel Glück live dabei sein können. Verbraucherschützer argumentieren ähnlich und fordern unter anderem mehr Transparenz, eine Begrenzung dynamischer Preisbildung und klarere Informationen, bevor Käufer in Warteschlangen landen und am Ende doch nicht wissen, welche Plätze realistisch zu welchem Preis verfügbar sind.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf ist mit der Preisgestaltung der Tickets für die WM im Sommer unzufrieden. Dennoch glaubt er, dass die Stadion ausverkauft sein werden.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf ist mit der Preisgestaltung der Tickets für die WM im Sommer unzufrieden. Dennoch glaubt er, dass die Stadion ausverkauft sein werden.Marcus Brandt/dpa

Stadien werden trotzdem ausverkauft sein

Neuendorf glaubt aber dennoch, dass die Stadien bei dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada (ab 11. Juni) „überall“ ausverkauft sein werden. Es gebe „eine große Verärgerung“ in Teilen der Fanszene. „Und trotzdem – aus welchen Ländern kommen die meisten Bestellungen? Aus den Ausrichterländern Mexiko, Kanada, USA, aber an vierter Stelle war schon Deutschland und an fünfter England. Das heißt, die Begeisterung auch hierzulande ist schon hoch“, sagte der DFB-Chef.

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