Die Verkehrsberuhigung in Friedrichshain geht weiter. Nun ist der Lasker-Kiez an der Reihe. Begründet wird dies damit, dass sich seit der Eröffnung der A100 am Treptower Park im Spätsommer 2025 der Durchgangsverkehr spürbar verstärkt habe. Der grün geführte Bezirk hat zwei Modelle vorgelegt. Robert Zoch kennt beide und sagt: „Wir wurden vergessen.“
Durch die Persiusstraße darf künftig nur der Bus fahren
Zoch ist hauptamtlicher Vorsitzender von Berolina Stralau. Der Fußballverein ist an der Persiusstraße beheimatet. Diese soll gesperrt werden und wäre dann im Grunde nur noch für die Buslinie 347 frei befahrbar.
31 Teams mit rund 650 Mitgliedern gehören zum Klub. Die Verkehrsberuhigung würde die Stralauer Aktiven weniger treffen, weil viele im Kiez wohnen und zu Fuß kommen. Doch Zoch fürchtet Probleme für Auswärtige. Parkplätze in Sportplatznähe dürften mit der Maßnahme wegfallen. Auch die Anfahrt würde erschwert, Umwege seien programmiert. Ein Modell sieht Poller an der Ecke Corinth- und Bossestraße vor.

Zoch sagt: „Es gibt Ehrenamtliche, Trainer. Die kommen von der Arbeit direkt zu uns. Mit dem Auto. Und das oft knapp vor dem Training, weil sie es sonst gar nicht schaffen.“ Er befürchtet: „Wenn die dann nur noch mit der Bahn kommen müssten, sind die raus. Die sagen sich irgendwann: ‚Ich kann überall Trainer sein, in der ganzen Stadt.‘ Die fahren dann lieber nach Neukölln oder Marzahn, stellen ihr Auto draußen auf die Straße und gehen auf den Platz. Dasselbe gilt für Schiedsrichter, die dann vielleicht sagen: ‚Nein, ich komme nicht mehr zu euch hin.‘ Für mich ist das ein Wettbewerbsnachteil.“

Einmal im Jahr findet auf dem Gelände der sogenannte Stralau-Cup statt, ein internationales Jugendturnier. Zoch graut es jetzt schon, wenn Mannschaften nicht mehr mit ihren Bussen an den Platz fahren können: „Ich weiß gar nicht, wo die dann parken sollen. Es gibt Mannschaften, die müssen nach der Siegerehrung schnell zum BER. Dann steht hier der Bus und die fahren durch. Ich kann doch nicht sagen: ‚So, jetzt lauft mal mit euren Koffern und Taschen zum Ostkreuz und nehmt die Bahn.‘“
Gibt es noch andere Lösungen zur Verkehrsberuhigung?
Zoch sieht die Idee der Verkehrsberuhigung grundsätzlich nicht negativ. „Es gibt aber auch andere Lösungen“, sagt er. „Man könnte mit Fußgängerüberwegen arbeiten oder mit Maßnahmen, die wechselnd die Fahrbahn einengen. Es einfach unattraktiv machen als Durchfahrtsstraße, so etwas gibt es ja.“
Der Klubchef ergänzt: „Es geht doch gar nicht darum, den Kiez zu beruhigen, sondern einfach darum, die Autos herauszukriegen. Es so radikal zu tun, ohne einmal über andere Dinge nachgedacht zu haben, das ist das Schlimme.“
Für Berolina Stralau spielt auch der Sicherheitsaspekt eine Rolle. Krankenwageneinsätze sind auf Sportplätzen keineswegs selten. Das wissen auch Polizei und Feuerwehr.

Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei hat beide Modelle geprüft. Sein Fazit: „Die Variante A halten wir für kritisch, weil die Sperre Bossestraße für Einsatzkräfte bei Alarmfahrten mit teils erheblichen Umwegen verbunden wäre. Auch, weil bereits die Corinthstraße/Rochowstraße gesperrt ist.“

Bleibt das andere Modell. Jendro: „In der Variante B ist die Diagonalsperre Corinthstraße/Bödikerstraße kritisch, da sich die Wege für Polizei und Feuerwehr verlängern. Sie wäre jedoch durch die geöffnete Bossestraße zumindest umfahrbar. Die Verkehrsführung wäre unproblematisch, da Polizei und Feuerwehr unter Umständen (StVO) befreit sind. So wäre es, wenn wir zwischen Pest und Cholera entscheiden müssten, zumindest die bessere Option.“

Doch braucht der Kiez die Verkehrsberuhigung überhaupt noch? Aus Sicht der Opposition nicht. Ulrike von Rekowsky, Fraktionsvorsitzende der CDU in Friedrichshain-Kreuzberg, sagt: „Wir lehnen beide Modelle ab, weil im Lasker-Kiez unserer Meinung nach kein Handlungsbedarf für Verkehrsberuhigung besteht. Die aktuelle Situation ist temporär. Wenn die Elsenbrücke verbreitert wird, wird dieser Brennpunkt gelöscht.“





