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Zingler, Spieler, Fans: Diese Gründe stürzten Baumgart bei Union Berlin

Hinter den Kulissen brodelte es in Köpenick. Der KURIER ordnet den Rauswurf von Steffen Baumgart ein.

Author - Sebastian Schmitt
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Steffen Baumgart wurde beim 1. FC Union Berlin nach nur 16 Monaten entlassen.
Steffen Baumgart wurde beim 1. FC Union Berlin nach nur 16 Monaten entlassen.IMAGO/nordphoto GmbH / Engler

Der große Knall kam nach Heidenheim – aber er lag längst in der Luft. Union Berlin trennt sich von Steffen Baumgart, der einst als Hoffnungsträger kam und in Köpenick scheiterte. Denn hinter den Kulissen brodelte es seit Monaten. Präsident, Spieler, Fans – sie alle spielten eine Rolle beim Baumgart-Rauswurf. 

Dirk Zingler hat bei Union immer das letzte Wort

Die Entscheidung fällt nicht im Affekt. Sie wächst. Woche für Woche. Spiel für Spiel. Und am Ende reicht ein (weiterer) desolater Auftritt wie in Heidenheim, um alles zum Einsturz zu bringen. Union zieht die Reißleine. Steffen Baumgart ist weg. Für viele in Köpenick kommt das nicht überraschend. Für einige sogar viel zu spät.

Fakt ist: Es ist ein Entlassung, die sich seit Monaten ankündigte. Der wichtigste Faktor sitzt dabei ganz oben. Präsident Dirk Zingler hat bei allen eisernen Themen das letzte Wort – und senkte jetzt den Daumen über Baumgart.

Baumgart war nie die Wunschlösung von Zingler

Zur Wahrheit gehört: Bereits als Baumgart Ende Dezember 2024 als Nachfolger von Bo Svensson präsentiert wird, reiben sich viele Unioner die Augen. Baumgart war zwar seit seiner Zeit als Spieler ein Liebling der Fans und galt seit Jahren für viele rund um die Wuhle als Wunschlösung  – nicht allerdings für Union-Boss Zingler.

Manager Horst Heldt entließ Steffen Baumgart nach dem Spiel in Heidenheim. Für manch einen Unioner kommt der Rauswurf zu spät.
Manager Horst Heldt entließ Steffen Baumgart nach dem Spiel in Heidenheim. Für manch einen Unioner kommt der Rauswurf zu spät.IMAGO/nordphoto GmbH / Engler

Entsprechend verwundert waren viele, als Manager Horst Heldt Zingler überredete, den Rostocker zu verpflichten. Auch nach mehr als einem Jahr galt die Beziehung der beiden Alphatiere als schwierig bis explosiv. Zingler sagte zuletzt dazu: „Mein Verhältnis zu Steffen Baumgart ist gut. Auch weil wir wenig miteinander zu tun haben.“ Ein Trainer, der nicht nah dran ist am mächtigsten Mann im Klub – das geht selten lange gut.

Fans verlieren den Glauben an Steffen Baumgart

Doch nicht nur in der höchsten Etage rumort es von Beginn an. Bei vielen Fans ist Baumgart extrem beliebt. Doch es gibt auch Gegenwind.  Zu viel Pathos. Zu wenig Inhalt auf dem Platz. Union spielt oft fahrig. Mal fehlt die Struktur, mal der Wille.

Dennoch bleibt es lange ruhig. Doch nach den schwachen Auftritten in Gladbach und vor allem beim 1:4 gegen Bremen kippt die Stimmung. „Aufwachen“ hallt es von den Rängen. Spätestens da bröckelt der Rückhalt. Auch auf der Waldseite.

Unter Baumgart knirtscht es bei Union in der Kabine

Dazu knirscht es in der Kabine früh. Baumgart will hart durchgreifen, stellt System und Startelf um und rüttelt so gewaltig an der eisernen Hierarchie. Die Häuptlinge Christopher Trimmel und Rani Khedira, Kapitän und Vize-Kapitän, werden unter Baumgart zu Härtefällen.

Eiserne Enttäuschung: Steffen Baumgart spricht nach der Blamage in Heidenheim mit Pressesprecher Christian Arbeit. Nur Stunden später ist der Couch beim 1. FC Union Berlin entlassen.
Eiserne Enttäuschung: Steffen Baumgart spricht nach der Blamage in Heidenheim mit Pressesprecher Christian Arbeit. Nur Stunden später ist der Couch beim 1. FC Union Berlin entlassen.IMAGO/Eduard Martin

Zwischenzeitlich schien sich die Lage zu beruhigen. Doch dann folgt der nächste Bruch. Baumgart geht im Februar öffentlich auf Livan Burcu, bei Fans und Mitspielern extrem beliebt, los. „Nicht alle Haare am Sack“ – ein Satz, der hängen bleibt. Einer, der intern nicht vergessen wird.

In Köpenick reicht es nicht, Fan-Liebling zu sein

Am Ende kommt alles zusammen. Vor allem die sportliche Talfahrt. Die Leistung in Heidenheim wirkt wie ein Offenbarungseid. Und plötzlich ist die Gefahr da, doch noch so richtig in den Abstiegskampf reinzurutschen.

Union zieht die Reißleine – spät, aber entschlossen. Das Kapitel Baumgart endet nach nicht einmal 16 Monaten. Und zurück bleibt die Erkenntnis: In Köpenick reicht es nicht, Fan-Liebling zu sein. Man muss liefern.