Der 1. FC Union Berlin verschafft sich Luft im Abstiegskampf der Bundesliga – doch die Anspannung bleibt. Vor allem bei Steffen Baumgart. Der Trainer steht wie kaum ein anderer für den Klub, genau das macht die Situation so brisant. Zwischen Legendenstatus und Absturz wird klar: Diese Krise trifft ihn persönlich. Und sie hinterlässt Spuren.
Fan-Frust trifft den Kult-Coach
Ganz klar: Das 1:0 beim SC Freiburg lässt jeden Unioner aufatmen. Endlich wieder ein Sieg, endlich wieder Punkte im Abstiegskampf. Doch wer genau hinschaut, sieht: Dieser Erfolg war mehr als nur ein Ergebnis. Er war ein Befreiungsschlag für den Trainer. Denn Baumgart trägt Union nicht nur auf der Brust. Er trägt den Klub im Herzen.
Seit seiner Rückkehr im Dezember 2024 ist er mehr als ein Chefcoach. Er ist Identifikationsfigur, Hoffnungsträger, Projektionsfläche. Einer, der weiß, was Union bedeutet. Einer, der genau deshalb auch mehr leidet als andere.
Baumgart wollte nie Trainer von Union Berlin werden
„Eigentlich wollte ich hier nie Trainer werden“, sagt Baumgart offen. Ein Satz, der nachwirkt. Weil er zeigt, wie groß die Angst vor dem Scheitern war. Wer hier scheitert, verliert mehr als einen Job. Und genau das war zuletzt greifbar.

Die Pleiten in Gladbach und gegen Bremen trafen Union hart. Noch härter trafen sie Baumgart. Die Fans wurden laut, forderten Reaktionen, einige sogar seinen Rauswurf. Baumgart spürt das. Jeden Tag.
Baumgart geht bei Union Berlin ins Risiko
„So cool, wie das vielleicht scheint, bin ich auch nicht“, gibt er zu. Keine Floskel, keine Trainerphrase. Sondern ein ehrlicher Blick ins Innenleben. Der Druck, die Zweifel, die Verantwortung – alles da. Denn die Fallhöhe ist brutal.

Baumgart ist in Köpenick eine Legende. Als Spieler vor mehr als 20 Jahren gefeiert, als Kapitän verehrt. Einer, der sich in nur zwei Jahren unsterblich gemacht hat. Einer, der sich sogar einen Stadionstein an der Alten Försterei kaufte – mit der Aufschrift: „Wir sehen uns.“
Mit seiner Rückkehr und dem Job als Cheftrainer riskiert er genau diesen Status. Bewusst war ihm das bereits beim Dienstantritt: „Der Grund, nicht hier zu arbeiten, war ja die Nähe zu Union. Meine Gedankengänge waren: Was passiert, wenn es nicht mehr funktioniert?“ Genau das bekam Baumgart jetzt teilweise zu spüren.



