Union-Kolumne

Nach Jahrhundert‑Chance: Zündet Andrej Ilic jetzt für Union Berlin?

Jetzt geht’s los: Andrej Ilic überwindet seine Ladehemmung bei den Eisernen. Seine Tor-Explosion aus dem Vorjahr macht allen in Köpenick Hoffnung.

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Endlich! Andrej Ilic schießt gegen den Hamburger SV sein erstes Saisontor. Zuvor vorgab der Stürmer noch eine Riesenchance.
Endlich! Andrej Ilic schießt gegen den Hamburger SV sein erstes Saisontor. Zuvor vorgab der Stürmer noch eine Riesenchance.Oliver Ruhnke/imago

Andrej Ilic hat es geschafft. Im 22. Saisonspiel des 1. FC Union Berlin hat der Angreifer sein erstes Tor erzielt. Nicht in jeder Minute stand er auf dem Platz, die meisten aber doch. Ein Spiel nur hat er ganz verpasst. Fast schon hatte man Mitleid mit dem Serben, der sich für das Team aufopfert, immer auch im eigenen Strafraum bei Aufräumarbeiten zu finden ist, der bei alldem aber nicht zu seiner Kernkompetenz gefunden hat. Nun hat er den Ball doch mal in den gegnerischen Kasten befördert. Und dennoch kommt keine Freude auf, weil es mit seinem Kopfball kurz vor Spielende mit dem 2:3 beim Hamburger SV doch wieder nicht der richtige Moment war.

Ilics erstes Tor – aber 45 Minuten zu spät

Es ist ein verfluchtes erstes Tor. Genau eine Halbzeit zu spät ist es gefallen. Zumal die Gelegenheit kurz vor dem Pausenpfiff die viel bessere war. Einladender als vor dem leeren Kasten und nur durch den in schierer Verzweiflung grätschenden HSV-Abwehrspieler Jordan Torunarigha gestört, hätte sie nicht sein können. Aber: wieder nichts. Wie schon in manchen Spielen zuvor und doch noch deutlich dramatischer.

Brutal bitter: Union-Stürmer Andrej Ilic trifft beim Spiel in Hamburg gegen den HSV das leere Tor nicht.
Brutal bitter: Union-Stürmer Andrej Ilic trifft beim Spiel in Hamburg gegen den HSV das leere Tor nicht.Matthias Koch/imago

In Dortmund beim 0:3 hatte Ilic allein vor BVB-Schlussmann Gregor Kobel vergeben. Es wäre kurz vor der Pause die Führung gewesen, dafür gingen zwei Minuten später die Schwarz-Gelben in Führung. Im Heimspiel gegen den HSV hatte Ilic einen Elfmeter vergeben; vielleicht hätte es ohne diesen Lapsus beim 0:0 einen Heimsieg gegeben. Zu Hause gegen Mainz hatte Ilic das leere Tor auch verfehlt; es wäre schon neun Minuten früher das 2:2, das schließlich Marin Ljubicic gelang, gewesen. Und nun das …

Die verheerende Serie der vergebenen Großchancen

Das kann mal passieren, ein zweites Mal auch, ein drittes Mal ist es schon komisch und beim vierten nicht mehr zu fassen. Es fällt nicht leicht, außer vor dem Trainer und den Mitspielern vielleicht, so eine Pechsträhne rational zu erklären. Oder nennt man so etwas schon nicht nur Pech? Einen Namen gibt es dafür eigentlich nicht. Nur Andreas Brehme, der Siegtorschütze im WM-Finale 1990, hatte einen, der an nichts zweifeln lässt: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“

Jetzt geht es los: Union-Torhüter tröstet Andrej Ilic nach dem Spiel beim HSV und spricht ihm nach seinem ersten Saisontor Mut zu.
Jetzt geht es los: Union-Torhüter tröstet Andrej Ilic nach dem Spiel beim HSV und spricht ihm nach seinem ersten Saisontor Mut zu.Matthias Koch/imago

Es ist fast wie einst bei Frank Mill. Auch er ein Weltmeister von 1990, in Italien aber ohne Einsatz geblieben, steht in der Bundesliga für die Mutter aller Fehlschüsse. Im ersten Saisonspiel 1986, Mill war aus Mönchengladbach nach Dortmund gewechselt, hatte er in München Bayern-Torhüter Jean-Marie Pfaff umkurvt, war allein aufs gegnerische Tor gelaufen, setzte den Ball aber an den Pfosten. Auch damals stand es 1:1, und es wäre Mills erster Treffer für seinen neuen Verein gewesen. Mill konnte sich trotzdem halbwegs trösten, denn der BVB schaffte wenigstens ein 2:2.

Warum die verpasste Pausenführung so weh tut

Sollte es für den 1. FC Union noch so richtig eng werden in diesem Spieljahr mit dem Klassenerhalt, dann liegt das nicht nur, aber gefühlt schon, an diesen Augenblicken. An dieser Nachspielzeit der ersten Halbzeit, die unglücklicher nicht hätte laufen können. Statt der so gut wie sicheren 2:1-Führung ging es, weil die Hamburger nur Sekunden später selbst ihr zweites Tor erzielten, mit 1:2 in die Pause. So etwas gibt es sonst nur beim Handball, dass eine vergebene Chance auf der einen Seite einen Treffer auf der anderen bedeutet. Vielleicht noch beim Basketball, wo die Gelegenheiten aber, einen Fehlwurf zu korrigieren, in der Regel mindestens alle 24 Sekunden zurückkehren.

Ein Hoffnungsschimmer: Ilics Tor-Explosion im Vorjahr

Baldmöglichst sollten die Eisernen deshalb mal wieder gewinnen. Sieben Partien warten sie nun schon auf einen Dreier. Immer werden die Kellerkinder der Tabelle, so wie Heidenheim, St. Pauli, Bremen, diesmal auch Mainz mit Urs Fischer und Mönchengladbach, ihnen nicht den Gefallen tun, ihre Spiele zu verlieren. Auch deshalb tut dieses 2:3 in Hamburg besonders weh. Allein ein Teilerfolg, der mit einer Pausenführung weit wahrscheinlicher geworden wäre als mit einem Rückstand, hätte eine ganz andere Wahrnehmung zur Folge gehabt. Der HSV wäre auf Abstand geblieben, das Polster auf Rang 16 um einen Punkt dicker geworden und die Brust vor dem Heimspiel am Wochenende gegen Leverkusen ein wenig breiter.

Eine Hoffnung gibt es. Im Vorjahr schaffte Ilic seinen ersten Saisontreffer genau eine Woche früher, um diesem sechs weitere folgen zu lassen. Das Happy End ist für ihn und für den 1. FC Union deshalb gut möglich.