Er hat es wieder getan. Urs Fischer haucht einem taumelnden Klub neues Leben ein – diesmal am Rhein statt an der Wuhle. Sieben Spiele, zwölf Punkte, plötzlich Hoffnung statt Resignation. In Mainz träumen sie wieder vom Klassenerhalt. Und beim 1. FC Union Berlin wissen sie ganz genau, warum.
Sie galten fast schon als abgeschrieben. Der 1. FSV Mainz 05 stand tief im Tabellenkeller, verunsichert, fahrig, ohne klare Linie. Dann kam Urs Fischer (59). Und mit ihm kamen Ordnung, Ruhe und dieser spezielle Zauber, den sie beim 1. FC Union jahrelang gefeiert haben. Sieben Spiele später stehen zwölf Punkte zu Buche – doppelt so viele wie in den ersten 13 Partien der Saison zusammen. Mainz lebt wieder.
Urs Fischers Comeback: Mainz lebt plötzlich wieder
Der jüngste Beweis folgt ausgerechnet in Leipzig. Beim 2:1-Sieg bei RB trotzen die Rheinhessen Tempo, Druck und individueller Qualität. Mainz steht kompakt, verschiebt sauber, beißt sich in jeden Zweikampf. Kein Zufall, sondern Handschrift. Fischer-Fußball eben. Nicht schön, aber wirksam. Nüchtern, aber brutal effizient.

Dass Fischer ausgerechnet gegen Leipzig wieder sticht, passt ins Bild. Der Schweizer bleibt ein RB-Schreck. In elf Spielen gegen die Sachsen holt er sechs Siege – fünf davon mit dem 1. FC Union, jetzt den nächsten mit Mainz. Kurios: Alle sechs Erfolge enden 2:1.
RB‑Schreck bleibt RB‑Schreck – schon wieder ein 2:1
Doch wer den 59-Jährigen kennt, weiß: Euphorie ist nicht sein Geschäft. Auch nach dem Coup in Leipzig bleibt er auf dem Boden. „Es ist noch ein langer Weg. Es sind noch 14 Spiele, es sind noch viele Punkte. Wir haben den Anschluss geschafft, und das muss auch eine gewisse Zuversicht geben“, sagt Fischer – und meint genau das. Kein Überschwang, kein Selbstlob. Nur Arbeit.

Mainz läuft, leidet, glaubt. Genau das, was Fischer auch bei Union formte. Kein Spektakel. Kein Zaubertrick. Sondern ein Plan – und die Bereitschaft, ihn durchzuziehen.
Damit rücken die Mainzer, derzeit auf dem Relegationsplatz, bis auf sechs Punkte an Union ran. Fischer: „Den Anschluss haben wir geschafft, aber mehr noch nicht. Jetzt dürfen wir uns ein, zwei Tage freuen – dann zählt die nächste Aufgabe.“ Genau diese Haltung machte ihn einst in Köpenick zum Kulttrainer.
Becker‑Transfer zeigt: Der Union‑Spirit lebt weiter
Und als wäre es des Union-Zaubers in Mainz nicht schon genug, reagiert Fischer sofort auf die schwere Verletzung (Achillessehnenanriss, Saison-Aus) von Benedict Hollerbach (24) – und ersetzt einen Ex-Unioner mit einem Ex-Unioner: Sheraldo Becker (30) kehrt in den letzten Stunden der Transferperiode in die Bundesliga zurück und wechselt vom spanischen Erstligisten CA Osasuna nach Mainz.


