Für den 1. FC Union Berlin bleibt nach dem 1:3 bei der TSG Hoffenheim vor allem Frust. Für einen jedoch fühlt sich dieser Abend trotz allem vertraut an: Grischa Prömel. Der Ex-Unioner spricht von Liebe, lacht über einen alten Kumpel – und zeigt, warum Union manche Spieler nie ganz verliert.
Der Abpfiff ist gerade verhallt, da huscht Grischa Prömel ein Lächeln übers Gesicht. Kein Häme-Lachen, kein Sieger-Grinsen. Eher dieses warme, vertraute Schmunzeln eines Spielers, der genau weiß, wo er herkommt. Fünf Jahre trug Prömel das Trikot des 1. FC Union. Fünf Jahre, die verbinden. Auch wenn er inzwischen seit fast vier Jahren für die TSG Hoffenheim aufläuft.
Grischa Prömel nennt Union Berlin „alte Liebe“
Schon vor dem Anpfiff spricht Prömel von „Freunden“ und von der „alten Liebe“. Große Worte, die er nicht leichtfertig benutzt. Und nach den 90 Minuten in Sinsheim hat der 31-Jährige dann sogar gut lachen. Auch, weil Union durch Rani Khedira gleich zu Beginn die Riesenchance auf das 1:0 liegen lässt.

Für Prömel eine Steilvorlage, um liebevoll zu sticheln: „In der Situation, in der wir gleich zu Beginn in Rückstand geraten können, ist jeder Hoffenheim-Fan wahrscheinlich zusammengezuckt. Zum Glück war’s nur der Rani.“
Warum Prömel über Khediras vergebene Chance lacht
Ein Spruch, der sitzt. Und einer, der zeigt, wie gut sich die beiden verstehen. Prömel spielt auf Khediras lange Zeit notorische Abschlussschwäche an. Die Ironie der Geschichte: Khediras Treffer zum 1:3-Endstand ist bereits sein viertes Saisontor. Nie war Unions Vizekapitän torgefährlicher als in dieser Spielzeit. Vielleicht ist Prömel einfach doch schon zu lange weg aus Köpenick.

Dass er sich solche Scherze erlaubt, liegt an der tiefen Bindung, die Prömel zu Union aufgebaut hat. Er hat unter Urs Fischer den Bundesliga-Aufstieg erlebt und ist im Stadion An der Alten Försterei nach Europa eingezogen. So etwas bleibt für immer. Nicht nur bei Prömel.
Eine Verbindung, die bleibt: Prömel und die Alte Försterei
Besonders spürbar wird das im vergangenen Herbst. Nach einem Kreuzbandriss, nach einem Jahr ohne Pflichtspiel, feiert Prömel ausgerechnet im Stadion An der Alten Försterei sein Startelf-Comeback für die TSG. Die Union-Fans empfangen ihn nicht als Gegner, sondern als einen von ihnen.

„Das war für mich persönlich der schönste Moment der Saison“, sagt Prömel dem Tagesspiegel. „Etwas Größeres gibt es eigentlich nicht. Nicht nur die Mitarbeiter, auch die Fans haben meinen Namen geschrien. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper.“
Gänsehaut, Respekt, Zukunftsfragen – Prömel bleibt eisern
Dass Prömel trotz Hoffenheim immer noch eisern tickt, beweist er auch beim Blick nach vorn. Sein Vertrag läuft aus, der nächste wird der letzte große sein. Gedanken ans Karriereende schiebt er zwar noch weg. Doch Prömel, der von RB Leipzig, dem VfB Stuttgart und dem FC Sevilla umworben wird, bleibt realistisch: „Wir können nicht alle Christopher Trimmel sein und mit 40 auf höchstem Niveau spielen.“


