Der Abpfiff in Sinsheim fühlt sich an wie ein Faustschlag in die Magengrube. Wieder gut gespielt, wieder verloren. Wieder Hoffenheim. Die Eisernen rennen, kämpfen, ackern – und stehen am Ende mit leeren Händen da. Nicht der Gegner treibt sie in den Wahnsinn – der 1. FC Union Berlin verzweifelt an sich selbst.
Nach dem 1:3 (0:2) stehen die Spieler wie festgefroren auf dem Rasen. Hände an den Hüften, der Blick ins Nichts. Livan Burcu lässt seinen Frust gegenüber Trainer Steffen Baumgart raus, während um ihn herum Ratlosigkeit regiert. Schon wieder. Schon wieder Hoffenheim. Schon wieder dieses Gefühl, in einem schlechten Film gelandet zu sein.

Denn das, was Union erlebt, ist schlimmer als eine normale Niederlage. Es ist ein Muster. Ein Fluch. Ein endloser Kreis. Chancen da, Spielkontrolle da, Moral da – und trotzdem kassieren die Köpenicker zum sechsten Mal in Folge keinen Sieg im Jahr 2026. Es IST keine klassische Krise – es FÜHLT sich aber an wie eine.
Union dominiert – bis das Déjà‑vu zuschlägt
Die Fans an der Wuhle verehren ihre Jungs als Fußballgötter. Doch im Kraichgau scheint keiner der himmlischen Helfer zuzuhören. Was Union an Einsatz und Willen zeigt, ist stark. Was dagegen nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel steht, ist brutal.

Dabei beginnt Union stark. Kompakt, mutig, bereit für den Auswärtsschocker. Wie im Hinspiel haben die Eisernen früh die Riesenchance zur Führung – diesmal durch Rani Khedira. Doch der Ball will nicht rein. Und wie im September beim 2:4 rächt sich das erbarmungslos.
Elfmeter-Schock und Doppelschlag zerstören alles
Dann der doppelte Schlag ins Gesicht: ein Elfmeter kurz vor der Pause. 0:1. Nur Minuten später: 0:2. Kopfstimme: „Nicht schon wieder …“

Trainer Steffen Baumgart sagt später das, was alle spürten: „Wir haben die gleiche Partie wie im Hinspiel gesehen. Zwei Spiele, die wir nicht hätten verlieren müssen.“ Seine Stimme bleibt ruhig – der Ärger aber hängt in jedem Wort.
Querfeld und Khedira fassungslos nach erneuter Pleite
Abwehrchef Leopold Querfeld spricht das bittere Mantra aus: „Die erste Halbzeit läuft wie im Hinspiel. Wir haben Chancen und das Spiel im Griff. Und dann kassieren wir das 0:1 und alle haben das Hinspiel im Kopf. Mit der nächsten Aktion steht es 0:2. Identisch wie damals. Extrem bitter.“
Mehr Déjà‑vu geht nicht. Es ist dieses Gefühl, verdammt viel richtig zu machen – und am Ende trotzdem der Depp zu sein.
Baumgart mahnt – und richtet den Blick auf Frankfurt
Und doch: Baumgart bleibt Baumgart. Kein Jammern, kein Fingerzeigen. Vielmehr richtet der Rostocker den Blick schon auf Freitagabend, wenn Eintracht Frankfurt in die Alte Försterei kommt (20.30 Uhr, Sky).



