Eiserner Fluch

Amtlich! Der Fußballgott ist kein Unioner

Warum der 1. FC Union Berlin trotz starker Leistung wieder verliert – und das Hoffenheim-Déjà‑vu die Mannschaft zermürbt.

Author - Sebastian Schmitt
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Die beiden Union-Stars Aljoscha Kemlein und Rani Khedira sind nach dem Tor der TSG Hoffnenheim zum 0:3 maximal bedient.
Die beiden Union-Stars Aljoscha Kemlein und Rani Khedira sind nach dem Tor der TSG Hoffnenheim zum 0:3 maximal bedient.Wolfgang Frank/Eibner-Pressefoto/IMAGO

Der Abpfiff in Sinsheim fühlt sich an wie ein Faustschlag in die Magengrube. Wieder gut gespielt, wieder verloren. Wieder Hoffenheim. Die Eisernen rennen, kämpfen, ackern – und stehen am Ende mit leeren Händen da. Nicht der Gegner treibt sie in den Wahnsinn – der 1. FC Union Berlin verzweifelt an sich selbst.

Nach dem 1:3 (0:2) stehen die Spieler wie festgefroren auf dem Rasen. Hände an den Hüften, der Blick ins Nichts. Livan Burcu lässt seinen Frust gegenüber Trainer Steffen Baumgart raus, während um ihn herum Ratlosigkeit regiert. Schon wieder. Schon wieder Hoffenheim. Schon wieder dieses Gefühl, in einem schlechten Film gelandet zu sein.

Der Frust über das 1:3 bei der TSG Hoffenheim ist nach dem Abpfiff allen Spielern des 1. FC Union Berlin ins Gesicht geschrieben.
Der Frust über das 1:3 bei der TSG Hoffenheim ist nach dem Abpfiff allen Spielern des 1. FC Union Berlin ins Gesicht geschrieben.Wolfgang Frank/Eibner-Pressefoto/IMAGO

Denn das, was Union erlebt, ist schlimmer als eine normale Niederlage. Es ist ein Muster. Ein Fluch. Ein endloser Kreis. Chancen da, Spielkontrolle da, Moral da – und trotzdem kassieren die Köpenicker zum sechsten Mal in Folge keinen Sieg im Jahr 2026. Es IST keine klassische Krise – es FÜHLT sich aber an wie eine.

Union dominiert – bis das Déjà‑vu zuschlägt

Die Fans an der Wuhle verehren ihre Jungs als Fußballgötter. Doch im Kraichgau scheint keiner der himmlischen Helfer zuzuhören. Was Union an Einsatz und Willen zeigt, ist stark. Was dagegen nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel steht, ist brutal.

Rani Khedira (l.), Mittelfeldchef des 1. FC Union Berlin, ärgerte sich über die 1:3-Pleite bei der TSG Hoffenheim so richtig.
Rani Khedira (l.), Mittelfeldchef des 1. FC Union Berlin, ärgerte sich über die 1:3-Pleite bei der TSG Hoffenheim so richtig.Martin Agüera/kolbert-press/IMAGO

Dabei beginnt Union stark. Kompakt, mutig, bereit für den Auswärtsschocker. Wie im Hinspiel haben die Eisernen früh die Riesenchance zur Führung – diesmal durch Rani Khedira. Doch der Ball will nicht rein. Und wie im September beim 2:4 rächt sich das erbarmungslos.

Elfmeter-Schock und Doppelschlag zerstören alles

Dann der doppelte Schlag ins Gesicht: ein Elfmeter kurz vor der Pause. 0:1. Nur Minuten später: 0:2. Kopfstimme: „Nicht schon wieder …“

Christopher Trimmel verschenkt sein Union-Trikot an einen mitgereisten Fan in Sinheim. Das 1:3 bei der TSG Hoffenheim hat auch beim Kapitän Spuren hinterlassen.
Christopher Trimmel verschenkt sein Union-Trikot an einen mitgereisten Fan in Sinheim. Das 1:3 bei der TSG Hoffenheim hat auch beim Kapitän Spuren hinterlassen.Matthias Koch/IMAGO

Trainer Steffen Baumgart sagt später das, was alle spürten: „Wir haben die gleiche Partie wie im Hinspiel gesehen. Zwei Spiele, die wir nicht hätten verlieren müssen.“ Seine Stimme bleibt ruhig – der Ärger aber hängt in jedem Wort.

Querfeld und Khedira fassungslos nach erneuter Pleite

Abwehrchef Leopold Querfeld spricht das bittere Mantra aus: „Die erste Halbzeit läuft wie im Hinspiel. Wir haben Chancen und das Spiel im Griff. Und dann kassieren wir das 0:1 und alle haben das Hinspiel im Kopf. Mit der nächsten Aktion steht es 0:2. Identisch wie damals. Extrem bitter.“

Mehr Déjà‑vu geht nicht. Es ist dieses Gefühl, verdammt viel richtig zu machen – und am Ende trotzdem der Depp zu sein.

Baumgart mahnt – und richtet den Blick auf Frankfurt

Und doch: Baumgart bleibt Baumgart. Kein Jammern, kein Fingerzeigen. Vielmehr richtet der Rostocker den Blick schon auf Freitagabend, wenn Eintracht Frankfurt in die Alte Försterei kommt (20.30 Uhr, Sky).

Baumgart: „Nach dem 0:3 kann man hier in Hoffenheim schnell auch das vierte und fünfte Gegentor kassieren. Wir haben aber dann das 1:3 gemacht und sind im Spiel geblieben. Das zeichnet die Jungs aus. Wir werden mit dem Ergebnis umgehen können und müssen.“