Fieser geht’s nicht

Drei Tore in sechs Minuten – Union Berlin erlebt Horror in Hoffenheim

Der 1. FC Union bricht bei der TSG Hoffenheim nach starker Anfangsphase total ein – und die sieglose Serie geht trotz großer Moral weiter.

Author - Sebastian Schmitt
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Zum Haareraufen: Leopold Querfeld und der 1. FC Union kassieren bei der TSG Hoffenheim in sechs Minuten drei Gegentore.
Zum Haareraufen: Leopold Querfeld und der 1. FC Union kassieren bei der TSG Hoffenheim in sechs Minuten drei Gegentore.IMAGO/Ralf Brueck

Der 1. FC Union Berlin verliert bei der TSG Hoffenheim mit 1:3 (0:2) – und doch erzählt das Ergebnis nur die halbe Wahrheit. 41 Minuten lang kontrollieren die Eisernen das Spiel beim Tabellendritten, dann kippt alles brutal. Drei Gegentore in sechs Minuten zerstören eine starke Leistung und lassen Union erneut ohne Sieg im Jahr 2026 zurück.

Frederik Rönnow steht kurz vor der Pause regungslos im Strafraum, die Hände in die Hüften gestemmt. 41 Minuten lang hat der Union-Keeper gegen die Bundesligamannschaft der Stunde nichts zu tun, keinen einzigen Torschuss abzuwehren. Und doch holt er kurz vor dem Halbzeitpfiff zweimal den Ball aus dem Netz. Fußball kann grausam sein.

Union-Torhüter Frederik Rönnow ärgert sich nach den beiden Gegentoren bei der TSG Hoffenheim kurz vor der Pause.
Union-Torhüter Frederik Rönnow ärgert sich nach den beiden Gegentoren bei der TSG Hoffenheim kurz vor der Pause.IMAGO/Ralf Brueck

Denn eigentlich ist Union in Sinsheim von Beginn an voll da. Mutig, kompakt, diszipliniert. Auch die beste Chance gehört den Eisernen: Nach einem Fehlpass von TSG-Keeper Oliver Baumann steht Rani Khedira plötzlich frei vor dem Tor, bringt den Ball aber aus spitzem Winkel nicht über die Linie (7.).

Union kontrolliert – bis alles völlig kippt

Defensiv steht das Team von Steffen Baumgart stabil. Diogo Leite, an dem Lazio Rom interessiert sein soll, lässt sich vom Wechseltheater kurz vor dem Ende der Transferperiode (2. Februar) nichts anmerken.

Cheftrainer Steffen Baumgart ist mit dem Elfmeterpfiff  gegen den 1. FC Union bei der TSG Hoffenheim nicht einverstanden.
Cheftrainer Steffen Baumgart ist mit dem Elfmeterpfiff gegen den 1. FC Union bei der TSG Hoffenheim nicht einverstanden.IMAGO/kolbert-press/Martin Agüera

Erst in der 42. Minute und völlig aus dem Nichts wird der Spielverlauf auf den Kopf gestellt. Abwehrchef Leopold Querfeld trifft Ex-Unioner Fisnik Asllani unglücklich im Strafraum. Elfmeter. Andrej Kramaric bleibt eiskalt und verwandelt zum 0:1 (42.).

Kramaric-Doppelpack zerlegt die Eisernen

Union wackelt – und fällt. Nur drei Minuten später zeigt Kramaric, was einem echten Mittelstürmer reicht: ein Moment, ein Laufweg, ein Kontakt. Der Kroate leitet den Angriff selbst ein und köpft die Flanke präzise ins lange Eck – 0:2 (45.). Rönnow ist bedient, der Frust greifbar.

Was den rund 2000 mitgereisten Union-Fans Hoffnung macht: Die Eisernen haben zuletzt Comeback-Qualitäten bewiesen. Baumgarts Wechsel greifen oft, die Moral stimmt. Doch nach Wiederanpfiff ist davon erstmal nichts zu sehen. Union verteidigt zu luftig, kommt nicht in die Zweikämpfe, verhindert eine Flanke nicht. Diogo Leite lenkt den Ball unglücklich ins eigene Tor – 0:3 (47.).

Eigentor und Chaos: Union bricht auseinander

Baumgart reagiert, bringt mit Andras Schäfer, Ilyas Ansah und Derrick Köhn frische Kräfte. Und tatsächlich: Schäfer hat kurz nach seiner Einwechslung die große Chance, scheitert aber frei vor dem Tor an Baumanns Fußabwehr (57.).

In der 68. Minute liegt der Ball dann endlich im Netz. Doch der Jubel bleibt zunächst stecken, weil Schiedsrichter Robin Braun ein Foul von Ilyas Ansah gesehen haben will. Sekunden später meldet sich der VAR – und kippt die Entscheidung. Der Treffer von Rani Khedira zählt. 1:3. Union lebt.

Khedira trifft – doch das Comeback gelingt nicht

Plötzlich sind die Eisernen hellwach. Baumgart setzt alles auf eine Karte. Livan Burcu kommt für Diogo Leite, ein Stürmer für einen Verteidiger. Die Marschroute für die Schlussviertelstunde ist eindeutig: Attacke. Union drückt, rennt, wirft alles nach vorne.

Doch echte Gefahr entsteht nicht mehr. So bleibt am Ende die fünfte Partie in Folge ohne Sieg. Viel Zeit zum Grübeln bleibt nicht – schon am Freitag kommt Eintracht Frankfurt an die Alte Försterei (20.30 Uhr, Sky).