Er war Publikumsliebling beim 1. FC Union Berlin, hielt Elfmeter, schrie Mitspieler an, küsste das eiserne Wappen. Jetzt kämpft Rafal Gikiewicz um etwas anderes: seinen Kopf. Ein Pokal‑Patzer in Polen stürzte den Ex‑Unioner in ein tiefes Loch – so tief, dass er sogar ans Karriereende dachte.
Der Patzer, der alles veränderte
Rafal Gikiewicz war in Köpenick nie leise. Zwischen 2018 und 2020 stand der Pole 75-mal für den 1. FC Union Berlin im Tor, hielt, brüllte, provozierte – und wurde genau dafür geliebt. Paraden am Fließband, Emotion pur. Trotzdem konnte er sich mit Union nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Der Weg führte ihn zum FC Augsburg, später in die Türkei – und schließlich zurück in die Heimat.

Doch von Karriere ausklingen lassen kann beim Keeper keine Rede sein. Vielmehr sorgt Gikiewicz weiter für Schlagzeilen. Im Oktober wechselte er mitten in der Saison zu Zaglebie Lubin, nachdem er in Lodz nach nur zwei Spieltagen zum Torhüter Nummer drei degradiert worden war.
Das Kuriose: Nur eine Woche nach dem Transfer traf er im Pokal auf seinen Ex-Klub. Und erlebte dabei den vielleicht bittersten Moment seiner Karriere: einen Moment, der alles veränderte.
Warum Gikiewicz tagelang am Abgrund stand
In der Verlängerung rutschte Gikiewicz in der 111. Minute beim Stand von 0:0 ein eigentlich harmloser Distanzschuss durch die Hände. Ein Fehler, der das Pokal‑Aus besiegelte – und Gikiewicz die Lust am Fußball nahm.

Klar, Fehler können gravierende Folgen haben. Vor allem Torhüter kennen das. Oft hilft das nächste Spiel, das schon bald ansteht, um den Patzer zu vergessen – und wieder nach vorne zu blicken. Das Problem: Für Gikiewicz kam das nächste Spiel bis heute nicht.
Seine Frau verhindert das Karriereende
„Die zwei, drei Tage nach dem Spiel waren furchtbar für mich und noch schlimmer für meine Kinder und meine Frau. Ich brauchte ein paar Wochen, um den Kopf frei zu bekommen. Ich sprach mit meiner Frau und überlegte, meine Karriere zu beenden“, verrät Gikiewicz nun gegenüber dem polnischen Fernsehsender TVP Sport.
Letztlich überzeugte seine Frau ihn, weiterzumachen. Seinen Humor hat er trotz des Horrors nicht verloren: „Meine Frau hat mir davon abgeraten. Sie ist noch nicht bereit, dass ich zu Hause bleibe. Wir wären nicht siebzehn Jahre zusammen, wenn ich jeden Tag zu Hause verbracht hätte.“
Jetzt kämpft der Ex‑Unioner um ein Comeback
Ansonsten hat Gikiewicz bis heute wenig zu lachen. An seiner Reservistenrolle in Lubin hat sich seit dem Pokal‑Patzer im Herbst nichts geändert – auch, weil der Klub nach dem Fast‑Abstieg im Vorjahr in dieser Saison im Meisterrennen mitmischt.




