Meint es jemand böse mit dem 1. FC Union, dann fand er beim 0:1 zuletzt in Mönchengladbach seine späte Befriedigung. Packt noch jemand eine Portion Häme dazu, wird es noch schlimmer.
Wie kann man einen nicht verdienten Punkt doch noch in die Tonne treten?
Aber wer mit den Köpenickern leidet, und das taten am vorigen Wochenende wieder mehrere tausend Anhänger im Borussia-Park, der hatte am Ende ein Gesicht voller Fragezeichen und fragte sich: Wie blöd muss man sein, einen, naja, nicht gerade verdienten Punkt doch noch in die Tonne zu treten!?
Wer es nüchtern betrachtet und die Emotionen beiseitelässt, kann schon mal zu der Einsicht kommen: Geschieht den Eisernen recht. Lange hatten sie mit dem Dusel einen Pakt geschlossen. Es hatte ehrlicherweise bereits im Spiel zuvor begonnen. So schnell wird es Robert Andrich nämlich nicht wieder passieren, dass er jemandem derart naiv den Ball überlässt wie Rani Khedira in jener Partie, die der
1. FC Union durch das Tor seines Vizekapitäns 1:0 gewann.
An einem guten Tag nutzt zudem Bayer-Torjäger Patrik Schick wenigstens eine der hochkarätigen Kopfballchancen, die er allein in den letzten Minuten in Köpenick hatte. Der Sieg, der ein paar Tage zum Durchatmen taugte, hätte in den Sternen gestanden.

Weiter ging es gegen die Borussia. Dass Kevin Diks unmittelbar vor dem Seitenwechsel einen Kopfball aus vier Metern nicht im leeren Union-Tor versenkte, hat man ähnlich zuvor nur von Andrej Ilic im Heimspiel gegen Mainz gesehen. Dass Mitte der zweiten Halbzeit ein Treffer der Borussia nicht zählte, weil in einer Zone weitab des Strafraumes Fohlen-Kapitän Rocco Reitz im Abseits stand, hätte Warnung genug sein sollen. Erst recht hätten die Alarmglocken schrillen müssen, als Frederik Rönnow in der Schlussphase das da schon sichere 0:1 aus Nahdistanz gegen Shuto Machino verhinderte.
Diese Masse an Glück sollte man sich erspielen. Oder zumindest erkämpfen. Was aber passierte? Das genaue Gegenteil. Sie haben das Glück gequält. Es grenzte gar an Folter. Wofür sollte der Fußballgott, der sich sonst mit einem Augenzwinkern ziemlich oft auf Union-Seite geschlagen hat, die von ihm häufig Getätschelten belohnen? Im Normalfall hätte er den Schuss, den Alex Kral gleich nach seiner Einwechslung eher aus Verzweiflung abgegeben hat und der Moritz Nicolas schon halb unterm Körper durchgerutscht war, vielleicht ganz hineinflutschen lassen. Seine Antwort aber: Leute, jetzt kann selbst ich nicht mehr! Ihr überfordert mich!

Im Ernst: So eine Leistung geht gar nicht! Im Kampf um den Klassenerhalt, der noch lange nicht eingetütet ist, ist so etwas eine Zumutung. Es gab keinerlei Klarheit in den Aktionen. Zu häufig nicht in der Defensive, noch viel weniger im Aufbau und auch deshalb noch viel weniger im Angriff. Das war von Anfang an ein Spiel, in dem ein Stürmer die ärmste Sau ist. Beizeiten flogen die weiten Zuspiele ins Seitenaus. Von Aljoscha Kemlein rechts, von Derrick Köhn links. Verwertbare Bälle für Kevin Burke oder Woo-Yeong Jeong – null!
Ganz deutlich zeigt sich das in der Wahrscheinlichkeit der Torerzielung, den Expected Goals. Die Borussia erspielte sich einen xGoal-Wert von 3,02, der am zurückliegenden Spieltag nur von Leipzig (3,09) beim 2:1 über den HSV und von Stuttgart (3,28) beim 4:0 über Wolfsburg übertroffen wurde. Die Eisernen erreichten einen Wert von 0,14. Mehr als unterirdisch. Selbst Wolfsburg kam bei der Schlappe beim VfB auf 0,78. Oder am Beispiel Mönchengladbach: Borussia war dem 1. FC Union in der Wahrscheinlichkeit einer Torerzielung um das 21-fache überlegen. Deshalb: Auch wenn das 0:1 erst in der Nachspielzeit und zudem durch einen unglücklichen wie unbeabsichtigten Elfmeter fiel, wenigstens hat das Spiel dadurch einen gerechten Ausgang genommen.







