Seine humorige Art und Weise hat er sich bis ins hohe Alter bewahrt. Auch mit 95 Jahren ist Gustav Adolf Schur, den alle nur „Täve“ nennen, zu Scherzen aufgelegt und lächelt. Das macht ihn sympathisch, das macht ihn volksnah.
„Täve“ Schur erzählt Geschichten von früher
Am Samstag hat die DDR-Radsport-Legende ihren 95. Geburtstag gefeiert. Mit Witz und Charme erzählt er auch heute noch, wie er sich in der Nachkriegszeit auf dem Rad mit einem Linienbus duellierte.
Schur bleibt auch im hohen Alter in Bewegung
Den Drang nach Bewegung spürt der zweifache Sieger der Friedensfahrt heute noch. In seinem Zuhause sitzt er auf dem Hometrainer, tritt in die Pedale, strampelt Kilometer ab. Nebenbei schaut er Fernsehen, immer das, was ihm gerade gefällt.
Seit einem Sturz von der Leiter hat er seine Rennräder aber nicht mehr angefasst. Dennoch möchte er gern wieder etwas behutsam Rad fahren, aber nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr, eher abseits viel befahrener Strecken.
Feier im Friedensfahrt-Museum in Kleinmühlingen
Radsport ist nicht die einzige Form seiner Bewegung. Im Keller habe er eine Stange, an der er sich hochzieht, erzählt „Täve“. Dort macht er Bauchmuskeltraining. Mit seiner neuen Partnerin Karin geht er fast täglich spazieren. Früher rannte er durch die Büsche und wirbelte Staub auf, heute ist er etwas vorsichtiger.
Um seinen 95. Geburtstag angemessen zu feiern, wurde „Täve“ Schur am Samstagnachmittag wie bei einer Zieleinfahrt einer Friedensfahrt-Etappe von vielen Menschen empfangen. Am Sportzentrum „Am Mühlberg“ in Kleinmühlingen im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt jubelten und begrüßten sie ihn, als er in einem Mercedes mit Friedenstaube-Fähnchen vorfuhr.

Viele Gratulanten beglückwünschen „Täve“ Schur
Wenig überraschend schüttelte er bei dem öffentlichen Geburtstagsempfang zahlreiche Hände und nahm persönliche Glückwünsche entgegen. Die Feier hatte der Verein „Radfreizeit, Radsportgeschichte und Friedensfahrt“ ausgerichtet.
In Kleinmühlingen befindet sich das Friedensfahrt-Museum „Course de la Paix“. Auf Einladung des Vereins um den Vorsitzenden Horst Schäfer fand die Geburtstagsfeier dort statt.
Ehrengäste wie Cierpinski, Gysi und Bartsch dabei
„Täve“ wurde von dem Wahl-Dresdner und Oldtimerfreund Karel Gerolt, jahrelanger Dolmetscher im Radsport, von seinem Zuhause in Heyrothsberge abgeholt. In Begleitung einer Motorradeskorte führte ihn Gerolt etwa 30 Kilometer nach Kleinmühlingen.
Dort schnitt das Geburtstagskind nach dem offiziellen Teil eine mehrstöckige Torte an. Zu Besuch waren auch die Ehrengäste Olaf Ludwig, Waldemar Cierpinski, Uwe Steimle, Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Egon Krenz.

„Täve“ Schur will 100 Jahre alt werden
Zu seinem mittlerweile hohen Alter sagte Schur, man müsse immer in Bewegung bleiben, um mindestens 100 Jahre alt zu werden. Das sei auch sein Ziel. „Immer in Bewegung ist das Einzige, was einen rettet, vorzeitig abzutreten“, sagte „Täve“. Das wolle er genauso beibehalten.
„Das sei eine heilige Verpflichtung. Wir Ossis müssen hundert Jahre alt werden“, sagte er und lächelte dabei. Unterstützung, dieses Ziel zu erreichen, bekommt er von seiner Partnerin Karin, die 15 Jahre jünger ist als er.
Wir Ossis müssen hundert Jahre alt werden.
Schur wird neunmal „Sportler des Jahres“ in der DDR
Gustav-Adolf „Täve“ Schur ist einer der populärsten Sportler der ehemaligen DDR. Zu Ostzeiten wurde er neunmal zum „Sportler des Jahres“ gewählt – so häufig wie kein anderer Sportler. Als erster Deutscher gewann er die WM der Amateure und die Friedensfahrt.
Von 1958 bis 1990 war er Volkskammerabgeordneter für die FDJ, SED und PDS. Von 1998 bis 2002 gehörte Schur der PDS-Fraktion im Deutschen Bundestag an.

Aufnahme in Hall of Fame bleibt bis heute verwehrt
Kritiker werfen Schur aber vor, er habe sich als Volkskammerabgeordneter zum Propagandainstrument der DDR-Staats- und Parteiführung machen lassen. Auch wegen seiner Rolle im DDR-Zwangsdopingsystem ist er umstritten. Eine Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports blieb ihm deswegen bisher verwehrt.




