Treptow-Köpenick

Jetzt warten die Keller-Welpen im Tierheim auf ihre Zukunft

Nach der Rettung von 14 Hunden Anfang Januar bleiben die Tiere im Tierheim. Experte Stefan Klippstein warnt: Immer mehr Privatleute züchten illegal.

Author - Sebastian Karkos
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Französische Bulldoggen des Hundehalters aus Treptow-Köpenick
Französische Bulldoggen des Hundehalters aus Treptow-KöpenickMarkus Wächter/Berliner Zeitung

14 Hunde beschlagnahmte die Polizei Anfang 2026 in Treptow-Köpenick. Diese Meldung sorgte für Aufsehen. Der Hundehalter hat sich beim KURIER gemeldet und wehrt sich. Die Polizei hat ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet.

Berliner Polizei ist konsequent beim Welpenhandel

Mit großem Interesse hat Stefan Klippstein (41) die Geschichte über die Französischen Bulldoggen gelesen. Er gilt als einer der bekanntesten Tierschützer in Deutschland und staunt nicht über das rigorose Vorgehen der Polizei: „Die Berliner Polizei ist die beste in Deutschland beim illegalen Welpenhandel“, sagt der Experte. „Wenn ein Hinweis kommt, stehen in Minuten mehrere Streifenwagen da.“

Die 14 Hunde, zwölf Welpen und die beiden Muttertiere, befinden sich seitdem im Tierheim Berlin und könnten dort auch noch eine Weile verweilen. Klippstein: „Solange das Strafverfahren läuft, bleiben die beschlagnahmten Hunde im Tierheim. Und das kann bei der Berliner Justiz ewig dauern. Wir hatten Fälle, in denen Welpen ein Jahr oder sogar anderthalb Jahre dort sitzen, obwohl sie längst hätten vermittelt werden können. Doch sie bleiben dort, weil die Staatsanwaltschaft sie erst freigibt, wenn das Verfahren rechtskräftig abgeschlossen ist.“

Tierschützer und Tierretter Stefan Klippstein
Tierschützer und Tierretter Stefan KlippsteinSabine Gudath

Die Hunde befinden sich im Tierheim, gehören aber offiziell dem Land Berlin bzw. dem Veterinäramt Treptow-Köpenick. Erst wenn dieses grünes Licht gibt, fallen sie offiziell an das Tierheim und könnten vermittelt werden. Oder der Halter bekommt die Hunde zurück. So der Wunsch des 44-Jährigen, der von sich behauptet, kein Züchter zu sein. Klippstein: „Wenn der Mann jetzt sagt: ‚Ich bin kein gewerblicher Züchter‘, muss man sagen: Das Tierschutzgesetz, die Tierschutzhundeverordnung gelten für alle Leute gleich.“

Im Welpenhandel hat sich zuletzt einiges geändert

Waren früher die sogenannten Kofferraum-Händler berüchtigt, geht der Trend heute zur Wohnungs- oder Kellerzucht. Die Tiere werden anschließend über das Internet angeboten. Klippstein: „Der illegale Welpenhandel ist in Berlin extrem zurückgegangen. Die ganzen Welpen aus Osteuropa, die früher am Fließband verkauft worden sind, gibt es in dieser Masse so gar nicht mehr. Aber wir haben das Problem, dass immer mehr Privatpersonen damit anfangen. Das ist auch viel günstiger, weil die Tiere nicht mehr weit transportiert werden müssen und es keine Probleme mit Grenzkontrollen gibt.“

Französische Bulldoggen gelten seit Jahren als Mode-Hunde. Hier ein Tier aus Großbritannien 2024 bei einer Hunde-Show.
Französische Bulldoggen gelten seit Jahren als Mode-Hunde. Hier ein Tier aus Großbritannien 2024 bei einer Hunde-Show.Jonathan Brady/PA

Laut Klippstein verlangen private „Hinterhofzüchter“ inzwischen 1500 bis 2000 Euro pro Welpe. Doch Vorsicht: Viele Hunde werden in einem schlechten körperlichen Zustand übergeben. Klippstein: „Viele haben Genschäden, Atemprobleme. Am Ende kostet so ein Tier 5000 bis 6000 Euro beim Tierarzt. Wenn es überhaupt überlebt.“

Der Experte möchte private Zuchten verbieten

Nach den aktuellen Ereignissen aus Treptow-Köpenick sagt der gelernte Tierpfleger: „Der Fall sollte ein Weckruf für die Politik sein, Privatpersonen endlich so etwas grundsätzlich zu verbieten. Der – sagen wir mal – böse Hundezüchter ist nur ein Teil des Problems. Er trägt die Hauptverantwortung für das, was den Hunden passiert. Aber natürlich gibt es noch die Internetportale, die das überhaupt möglich machen. Der Online-Handel müsste eigentlich verboten werden. Doch das passiert leider nicht.“

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Hat Tierschützer Stefan Klippstein recht mit seinen Vorschlägen?
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leser-bk@berlinerverlag.com