KURIER darf in die Wohnung

14 Hunde aus Wohnung gerettet – „Ich bekomme Morddrohungen“

Nach dem Fund von 14 Französischen Bulldoggen in einem Keller in Treptow-Köpenick widerspricht ihr Halter den Vorwürfen. Der KURIER hat ihn besucht.

Author - Sebastian Karkos
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Michael K. hat auf seinem Handy ein Foto von Mutterhündin Shira.
Michael K. hat auf seinem Handy ein Foto von Mutterhündin Shira.Markus Wächter/Berliner KURIER

Diese Meldung sorgte Anfang Januar 2026 für Aufsehen. Die Polizei rettete 14 Französische Bulldoggen, darunter zwölf Welpen, aus einem dunklen Kellerverschlag in Treptow-Köpenick. Auch der KURIER berichtete darüber. Nun hat sich der Halter der Hunde gemeldet, der sich gegen die Vorwürfe wehrt. Der KURIER besuchte ihn. Für ihn ist alles ein großes Missverständnis.

Das Mehrfamilienhaus ist unauffällig und liegt in einer Gegend, die früher mal ein großer Industriestandort der Stadt war. Michael K. (Name ist der Redaktion bekannt) öffnet die Tür zu seiner Zwei-Zimmer-Wohnung. Der 44-Jährige hat Redebedarf, erzählt, dass er schon bespuckt wurde: „Ich soll der Horrorzüchter sein – aber das ist Rufmord! Viele hier im Kiez kennen mich. Ich bekomme Morddrohungen, zum Beispiel über Facebook. Ich sage allen: Kommt vorbei, bevor ihr urteilt.“

Dieses Foto von den Welpen veröffentlichte die Polizei Anfang Januar.
Dieses Foto von den Welpen veröffentlichte die Polizei Anfang Januar.polizeiberlin/Instagram

Am 4. Januar 2026 holten Polizisten 14 Hunde aus dem Komplex: zwölf Welpen, zwei Muttertiere. Der Fall ist verwirrend. Und man könnte ihn unter dem Titel abspeichern: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Die Polizei hat ein Strafverfahren wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet. Michael K. ist sich keiner Schuld bewusst, sagt, er wollte, dass es den Tieren gut geht. Deswegen lässt er den KURIER in seine Wohnung, zeigt den Laufstall, sein selbstgebautes Gehege, den Keller.

Er sagt: „Ich bin kein Züchter. Ich bin Privatperson. Meine Hunde sind meine Familie, und entsprechend kümmere ich mich um sie. Ich habe sie rund um die Uhr betreut. Es wurde immer ein Auge auf die Welpen geworfen. Ich bin liebevoll mit ihnen umgegangen. Niemand kann etwas anderes behaupten.“

Veterinäramt will Haltung von Tieren aller Art untersagen

Dem KURIER liegt das elfseitige Schreiben des Ordnungsamtes Treptow-Köpenick vor. K. wird vorgeworfen, sich nicht an „wesentliche und unerlässliche Mindestanforderungen“ gehalten zu haben. Folge: Das Veterinäramt möchte ihm die Haltung und Betreuung von Tieren aller Art untersagen.

Michael K. zeigt in seiner Wohnung das selbstgebaute Gehege.
Michael K. zeigt in seiner Wohnung das selbstgebaute Gehege.Markus Wächter/Berliner KURIER

K. sagt: „Man wirft mir vor, die Hunde zu früh von der Mutter getrennt und zu früh verkauft zu haben. Das stimmt so nicht. Ich war alle zwei bis drei Tage beim Tierarzt zur Nachkontrolle. Das würde niemand machen, der seine Tiere nicht liebt.“

Der Frührentner ergänzt: „Ich habe wirklich zum Wohl der Tiere gehandelt. Natürlich steht im Tierschutzgesetz einiges anderes. Aber das richtet sich vor allem an gewerbliche Händler.“ Und als solchen bezeichnet er sich nicht. Ihm ging es um die Hunde: „Vor Weihnachten kamen Interessenten, legten 3000 Euro auf den Tisch. Ich habe sie angeschaut und gesagt: Nimm dein Geld und geh. Viele sagen zu mir: Du hast so tolle Hunde, wie hast du das geschafft? Ich habe viel Liebe in die Tiere investiert.“

In diesem Laufstall sollten sich eigentlich Welpen vergnügen.
In diesem Laufstall sollten sich eigentlich Welpen vergnügen.Markus Wächter/BerlinerKURIER

2500 bis 3000 Euro müssen Interessenten für eine Französische Bulldogge zahlen. Wenn sie vom Züchter kommt. Laut Internationalem Klub für Französische Bulldoggen werden im Jahr nur rund 300 Welpen in Deutschland offiziell von einem Züchter vermittelt. Inoffiziell werden pro Jahr 3000 bis 4000 Französische Bulldoggen weitergegeben.
Seit Jahren sind sie Modehunde.

Das wissen auch die illegalen „Kofferraum-Händler“, die Hundebabys aus dem Auto heraus verkaufen. Problem: Der Käufer weiß am Ende nicht, in welchem Zustand sich der Welpe wirklich befindet. K. mag nicht diese Art von Händler sein. Doch Liebe und Engagement sind Handlungen, mit denen Veterinärämter nicht zu überzeugen sind. Die deutschen Tierschutzgesetze gelten weltweit als die härtesten.

In diesem Fall wird K. unter anderem vorgeworfen, in der Wohnung geraucht zu haben. Und: Der Keller befand sich in einem schlechten Zustand. Es heißt unter anderem: „Exkremente befanden sich im Keller verteilt.“ Was man wissen muss: Welpen können bis zu sechs Häufchen am Tag legen …

Alles ein Irrtum, behauptet K. Die Welpen sollten eigentlich im neuen Gehege sein, doch das war zu dem Zeitpunkt nicht geliefert.

In diesem Kellerraum fand die Polizei die Welpen. Zehn Quadratmeter groß, laut Michael K. 21 Grad warm.
In diesem Kellerraum fand die Polizei die Welpen. Zehn Quadratmeter groß, laut Michael K. 21 Grad warm.Markus Wächter/Berliner Zeitung

K. hatte Großes vor: Er träumte von einer Bully-Kita, wollte eine Community für Freunde der Französischen Bulldoggen aufbauen: „Ich war ständig beim Arzt. Einmal war sogar eine Arzthelferin hier und hat die Welpen gechippt. Die Wurmkuren habe ich alle selbst bezahlt. Jeder Welpe war topfit. Alle haben mir auf die Schulter geklopft und gesagt: Hut ab, dass du das so hinbekommen hast.“

Michael K. möchte seine beiden Muttertiere zurück

K. will sich nicht damit abfinden, seine Tiere nicht mehr sehen zu dürfen. Laut eigenen Angaben hat er sich rechtliche Hilfe gesucht. Er sagt: „Wenn ich nicht alle 14 Hunde zurückbekomme, will ich wenigstens meine Elterntiere zurück. Und ich möchte mitbestimmen dürfen, wer die Babys bekommt. Das ist mir wichtig, weil einige bereits ein Zuhause gefunden hatten und ich viel Zeit in Gespräche investiert habe. Das Tierheim kann gern drüberschauen und sein Okay geben.“

Laut Tierschutzverein befinden sich alle 14 Hunde weiterhin im Tierheim Berlin. Allen soll es gut gehen. Wie mit ihnen fortgefahren wird, steht derzeit nicht fest.

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