In Berlin herrscht Ärztemangel. Besonders im Osten der Stadt. Darauf weist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hin und warnt vor einer weiteren Verschärfung der Lage. „Wir müssen uns ehrlich machen“, sagt KV‑Vorstandsvorsitzender Burkhard Ruppert. „Schon heute sind einige Regionen unserer Stadt kritisch unterversorgt, vor allem im Osten Berlins.“
Gesellschaft und Ärzte werden immer älter
Und die Situation dürfte sich weiter zuspitzen. Ruppert betont: „Schönreden hilft nicht. Die eigentliche Welle rollt erst noch auf uns zu. Wir erleben eine doppelte demografische Entwicklung: Unsere Gesellschaft wird älter – und unsere Ärzteschaft ebenfalls.“

Bereits 2025 war mehr als ein Drittel der Berliner Ärztinnen und Ärzte über 60 Jahre alt, bis 2040 wird es voraussichtlich rund die Hälfte sein. Gleichzeitig wächst die Hauptstadt. Am stärksten dort, wo die medizinische Versorgung schon jetzt schwach ist: in Marzahn‑Hellersdorf, Treptow‑Köpenick und Lichtenberg. „In denselben Bezirken liegt die Erkrankungsrate über dem Berliner Durchschnitt“, erklärt Ruppert. „Die Menschen dort sind häufiger krank, und gleichzeitig wächst die Bevölkerung rasant – eine problematische Entwicklung.“
Um gegenzusteuern, setzt die KV auf verschiedene Maßnahmen. „Wir fördern Neuniederlassungen und Praxisübernahmen mit Anschubfinanzierungen, unterstützen Anstellungen und Praxisassistenzen und begleiten Ärztinnen und Ärzte auf dem Weg in die ambulante Versorgung“, sagt Ruppert. Das Problem: Trotz steigender Arztzahlen verbessere sich der Versorgungsgrad kaum. „Das starke Bevölkerungswachstum in Berlin frisst unsere Erfolge auf.“
KV-Chef fordert einen totalen Systemwechsel
Als Ausweg sieht Ruppert einen grundlegenden Umbau des Systems: „Wir brauchen einen Systemwechsel, die Vorstellung, jederzeit, an jedem Ort und ohne Steuerung Zugang zu allen ärztlichen Leistungen zu haben, ist überholt. Notwendig ist eine verpflichtende und intelligente Patientensteuerung. Orientiert an den Grundsätzen: digital vor ambulant vor stationär.


