Ernte gestartet

Spreewald unter Druck: Indische Gurken bedrohen regionale Bauern

Die Gurkenflieger sind im Spreewald wieder unterwegs, doch neben dem Wetter sorgen sich die Bauern um ein neues EU-Abkommen.

Author - Stefanie Hildebrandt
Teilen
Gurken-Paule, Norbert Paul, war seit den 1990ern ein Original auf der Lübbener Schlossinsel. Jetzt übernimmt seine Familie mehr und mehr.
Gurken-Paule, Norbert Paul, war seit den 1990ern ein Original auf der Lübbener Schlossinsel. Jetzt übernimmt seine Familie mehr und mehr.Spreewaldverein

Seit Anfang der 1990er-Jahre stand „Gurken-Paule“ auf der Lübbener Schlossinsel und verkaufte seine Gurkenspezialitäten direkt aus dem Fass. Mit dem Start der diesjährigen Gurkenernte beginnt auch für ihn und seinen kleinen Familienbetrieb eine spannende Zeit. Ein neues Freihandelsabkommen mit Indien macht den Spreewälder Gurkenbauern Sorge, aber Spreewald ohne Gurke, das ist für Gurken- Paule unvorstellbar. 

60 000 Tonnen Gurken aus Indien

Im Januar wurde das Freihandelsabkommen der EU mit Indien unterzeichnet. Es soll den Handel zwischen beiden Seiten erleichtern und den Austausch von Waren vereinfachen. Und das gilt auch für Gurken. „Die EU und Indien haben sich zunächst auf den zollfreien Import von 60.000 Tonnen Gurken geeinigt“, teilte das Brandenburger Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) gegenüber dem rbb mit.

Frisch gepflückte Einlegegurken liegen in einem Weidenkorb auf einem Feld vom Biohof Schöneiche KG.
Frisch gepflückte Einlegegurken liegen in einem Weidenkorb auf einem Feld vom Biohof Schöneiche KG.Patrick Pleul/dpa

In ganz Deutschland werden etwa jährlich 100.000 Tonnen Gurken geerntet, Bayern ist dabei das Hauptanbaugebiet. Im Spreewald wurden im letzten Jahr knapp 40 000 Tonnen Gurken geerntet.

Wenn die indischen Gurken kommen, könnte das schon Auswirkungen, vor allem auf die Preise haben. Spreewälder Gurken sind dann teurer als die Importware und haben unter Umständen bei den Verbrauchern das Nachsehen.

Wenn Sie Gurken aus dem Spreewald wollen, müssen Sie sie kaufen

„Dabei ist der Name „Spreewälder Gurken“ seit 1999 in der Europäischen Union geschützt und darf nicht nach Belieben genutzt werden“, sagt Anja Paul, Tochter von Gurken-Original Norbert Paul. 

Wo Spreewälder Gurken draufsteht, müssen auch Gurken aus dem Spreewald drin sein. Mindestens 70 Prozent der Gurken müssen aus der Region kommen.  Alle anderen Einlegegurken im Glas im Supermarkt könnten aber mit der indischen Ware im Preiskampf punkten.

Christoph Frehn baut Bio-Gurken im Spreewald an.
Christoph Frehn baut Bio-Gurken im Spreewald an.Spreewaldverein

Am Ende müsse die Kundschaft am Regal bewusst entscheiden, ob sie das regionale Produkt kaufe, sagt auch Melanie Kossatz, vom Spreewaldverein gegenüber dem rbb - auch, wenn es etwas teurer sei.

Gurken-Anbau unter Druck

Landwirt Heinz-Peter Frehn, der im Spreewald mit seinem Sohn Christoph Bio-Gurken anbaut befürchtet, dass der Druck durch Produkte aus Indien zu hoch sein könnte. „Das wird den Markt schon schädigen“, sagte er dem Sender.

„Gurkenflieger“ sind für die Ernte auf den Feldern unterwegs.
„Gurkenflieger“ sind für die Ernte auf den Feldern unterwegs.Patrick Pleul/dpa

Derzeit sind auch bei ihm auf den Feldern wieder die Erntehelfer in Gurkenfliegern unterwegs.  Auf den langen Tragarmen der speziellen Erntefahrzeuge liegen die Erntehelfer und pflücken Einlege-Gurken per Hand vom Feld. „70 bis 80 Prozent des Umsatzes gehen allein für die Lohnkosten drauf“, so der Landwirt, der in diesem Jahr erstmals auf schwarze Zahlen mit seinen Bio-Gurken hofft.

In dieser Saison ist die Anbaufläche im Spreewald insgesamt kleiner geworden als 2025: Acht Betriebe bauen die Gurke auf noch rund 450 Hektar zwischen Lübben, Golßen, Schlepzig (alle Dahme-Spreewald-Kreis) und Cottbus an. Im vergangenen Jahr waren es über 500 Hektar.

Bisher mäßiges Gurkenwetter

Über den Ertrag sagt die Anbaufläche aber wenig aus. 2025 wurden 39.400 Tonnen Spreewaldgurken geerntet. Ob es in diesem Jahr wieder so viel wird, bleibt abzuwarten. Denn natürlich sind Landwirte abhängig vom Wetter: Dieses Jahr gab es bisher kein gutes Gurkenwetter, so der Bio-Gurkenbauer. „Durch die kalten Nächte im Mai, mit Temperaturen unter 5° Celsius sind die Gurken kaum gewachsen. Dadurch haben wir rund eine Woche bis zehn Tage verloren, um in die Gurkenernte zu starten.“

Der Spreewald und die Gurke sind bereits seit Jahrhunderten ein unzertrennliches Paar. „Bereits im 7./8. Jahrhundert bauten Slawen erste Gurken an“, heißt es auf der Internetseite spreewald-info.de. Im 16. Jahrhundert steigerten niederländische Einwanderer den Anbau. In der DDR  kamen die Produkte vom VEB Spreewaldkonserve Golßen.

Und Gurken-Paule? Seine Familie verkauft weiter wie immer Gurken nach Familienrezepten der Firmen Müller und Krügermann in Lübben. Neun Sorten eingelegte Gurken haben die Pauls im Angebot. Der Renner sind die klassischen Gewürzgurken, sagt Anja Paul. Aber auch Exoten wir Chili oder Honig-Gurken gehen super.  Die Preise seien in den letzten Jahren nur minimal gestiegen, so Paul. Der Eimer frische Gurken kostet in Lübben 4,90 Euro. „Was wär‘ der Spreewald ohne Gurke? Das wäre wie Frankreich ohne Champagner oder Bayern ohne Bier“, sagt Gurken-Paule. Recht hat er.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com