Prototyp da

Das Comeback der DDR-Rennpappe: „Ich werde den E-Trabi bauen!“

Designer Nils Poschwatta will den E-Trabi unbedingt bauen. Der Prototyp wurde nach seinen Plänen bereits hergestellt.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Seine Idee vom neuen Trabi wird wieder aufgefrischt. Designer Nils Poschwatta will den E-Trabi selber bauen, wenn sich starke Partner finden.
Seine Idee vom neuen Trabi wird wieder aufgefrischt. Designer Nils Poschwatta will den E-Trabi selber bauen, wenn sich starke Partner finden.posachwatta.de, Star-Media/imago, KURIER-Montage Deutschmann

Die Rückkehr der DDR-Rennpappe: Der serbische Designer Nagy Perge László (49) zeigt gerade mit seinen Entwürfen unter anderem auf Facebook, dass eine Wiederauferstehung des Ost-Kultautos möglich ist – als E-Trabi. Der Plan wird von Fachleuten und Fans begeistert aufgenommen. Es gibt sogar schon jemanden, der den Elektro-Trabant unbedingt bauen will. Allerdings braucht er dazu starke Unterstützung.

Zwei Designer kämpfen um die Trabant-Rückkehr

Seit 35 Jahren wurde kein Trabi mehr in Serie gebaut. Aber seit mehr als 15 Jahren wird an seiner Rückkehr gebastelt. In Zwickau (Sachsen), der Heimat des DDR-Volkswagens, steht bereits der Prototyp des Elektro-Trabis. Seit 2009 hat er dort seinen Platz im Foyer der Karosseriebaufirma Indikar, die unter anderem Schutzpanzerungen für Fahrzeuge oder die Innenraumausstattung für Bugatti herstellt.

Diesen Trabant NT als Kombiversion hat damals der in Schwerin gebürtige Designer Nils Poschwatta (49) entworfen, der von Indikar gebaut wurde. Der ist auch gar nicht sauer, dass sein E-Trabi offenbar für den aktuellen Plan des Serben László Pate stand, der nun bei Fans und Experten gefeiert wird. Die Entwürfe der beiden Designer ähneln sich schon auffällig – nicht nur wegen der himmelblauen Farbe der Modelle.

Der Trabi als E-Auto, entworfen vom serbischen Designer Nagy Perge László.
Der Trabi als E-Auto, entworfen vom serbischen Designer Nagy Perge László.Nagy Perge László

Poschwatta findet es auch gar nicht schlimm, dass sein Entwurf wieder aufgegriffen wird. Dank der Designstudie des serbischen Kollegen wurde der Traum von der Rückkehr der DDR-Rennpappe wieder entfacht. „Das zeigt, dass der Plan, den Trabant als E-Auto auf die Straße zu bringen, noch immer sehr gut ist“, sagt Poschwatta dem KURIER.

Wie es zu dem Plan kam, ist eine lange deutsch-deutsche Geschichte. Von 1957 bis 1991 lief der Trabant im VEB Sachsenring in Zwickau vom Band – in den vier Versionen 500, 600, 601 und 1.1. Insgesamt wurden mehr als drei Millionen Fahrzeuge gebaut.

Trabi-Neustart: Mit dem Mauerfall fing alles an

Als Tausende Trabis am 9. November 1989 in Richtung Westen fuhren, wurde der DDR-Volkswagen zum Symbol des Mauerfalls und im Kleinformat im Maßstab von 1:87 zum Kassenschlager – für den Miniaturmodelle-Hersteller Herpa aus Bayern.

Jahre nach der Einstellung der Trabant-Produktion kam der damalige Marketingchef Klaus Schüttler auf die Idee, den Trabi auch als echtes Auto wieder bauen zu lassen. Herpa sicherte sich die Markenrechte an der DDR-Rennpappe.

Vom schicken Auto bis zum Traktor: Nils Poschwatta (49) entwickelt mit seiner Firma Automotive Designs für verschiedene Fahrzeuge. Vom E-Trabi gibt es bereits einen Prototypen. Irgendwann soll er in Serie gehen.
Vom schicken Auto bis zum Traktor: Nils Poschwatta (49) entwickelt mit seiner Firma Automotive Designs für verschiedene Fahrzeuge. Vom E-Trabi gibt es bereits einen Prototypen. Irgendwann soll er in Serie gehen.poschwatta.de

Von der ganzen Sache bekam Poschwatta Wind, damals Designer bei VW. Er machte bei dem Trabi-Projekt mit, designte den Trabant NT. „Natürlich reizte mich das Vorhaben. Ich bin ja mit dem Trabi in der DDR aufgewachsen, meine Eltern hatten ihn“, sagt Poschwatta.

Nach seinen Plänen wurde bei Indikar der Prototyp des E-Trabis gebaut, der als Kombi-Version 2009 feierlich auf der IAA in Frankfurt am Main präsentiert wurde.

Der Trabant NT: Auf der Automesse IAA in Frankfurt/Main wurde der Prototyp eines E-Trabis vorgestellt. Seine Entwickler würde ihn gerne in Serie bauen lassen.
Der Trabant NT: Auf der Automesse IAA in Frankfurt/Main wurde der Prototyp eines E-Trabis vorgestellt. Seine Entwickler würde ihn gerne in Serie bauen lassen.CTK-Foto/imago

40 Zentimeter länger und 20 Zentimeter breiter als das Original: Der E-Trabi wirkt wuchtiger. Mit dem Elektromotor (63 PS) sollte er 130 Stundenkilometer schaffen, wäre damit schneller als der Zweitakter mit Höchsttempo 100.

Wie beim Original besteht auch die Karosserie des E-Autos aus Kunststoff. Der Trabi sollte als „Plastebomber“ zurückkehren. „Wir wollten uns am Trabi-Ursprung orientieren“, sagt Indikar-Standortleiter Sven Heubner (44).

Für 20.000 Euro: Das könnte der E-Trabi kosten

Warum der Trabant NT bisher nicht produziert wurde? Es lag am Geld. Poschwatta: „Die Entwicklung des Autos kostet um die 30 Millionen Euro. Für so ein Projekt braucht man starke Partner wie große Autohersteller.“

Die deutschen Fahrzeugbauer hatten damals nicht nur wegen der Finanzkrise andere Sorgen. Offenbar waren sie auch technisch noch nicht so weit, eine elektrische Rennpappe mit ausreichend Reichweite für die Massenproduktion umzusetzen. „Wir waren damals mit dem E-Trabi der Zeit weit voraus“, sagt Poschwatta.

So sieht das Cockpit des E-Trabis Trabant NT aus.
So sieht das Cockpit des E-Trabis Trabant NT aus.Arnulf Hettrich/imago

Angebote kamen aus China, erinnert sich der Designer. Aber dort soll nicht die Trabant-Rückkehr umgesetzt werden. „Wir wollen schon, dass der Elektro-Trabi in Deutschland oder in Europa hergestellt wird.“

Poschwatta und das Zwickauer Unternehmen Indikar haben ihren Traum vom Trabi-Comeback als Elektroauto nicht aufgegeben. Und der Trabant NT kann in Serie gehen – zusammen mit einem großen Autobauer als starkem Partner. Dass ein Designer aus Serbien jetzt den Plan aufgegriffen hat und damit die Autowelt begeistert, ist ein gutes Zeichen, die Baupläne weiter zu verfolgen und den Prototypen an heutigen Standards anzupassen.

Poschwatta macht deutlich: Der Trabant NT ist sein Baby. „Egal, welche Studien von anderen noch kommen: Ich werde den E-Trabi bauen“, sagt Poschwatta. Was der Wagen im Laden kosten soll? „Unser Ziel ist es, den E-Trabi für 20.000 Euro anzubieten.“

Wie ist Ihre Meinung? Wäre der E-Trabi nach Ihrem Geschmack? Was sind Ihre Trabi-Erinnerungen? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.