Schafft es wieder eine DDR-Legende in die Ruhmeshalle des deutschen Sports oder gibt es die nächste Klatsche? Die Stadtgruppe Zwickau der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) und die Stadtverwaltung haben Torhüterlegende Jürgen Croy für eine Aufnahme in die „Hall of Fame“ vorgeschlagen.
Zwickau steht hinter Torhüterlegende Jürgen Croy
Wie die „Freie Presse“ berichtet, sei bereits ein Schreiben in Frankfurt am Main eingegangen, wo die Stiftung Deutsche Sporthilfe ihren Sitz hat. Unterschrieben ist der Vorschlag von Oberbürgermeisterin Constance Arndt und Werner Beuschel, Vorsitzender der DOG-Stadtgruppe.
Croy einer der weltbesten Torhüter der 70er-Jahre
Jürgen Croy war in den 70er-Jahren einer der weltbesten Torhüter und gewann bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal Gold mit der DDR-Auswahl. Zudem sicherte er sich Bronze bei Olympia 1972 in München und war bei der Fußball-WM 1974 Stammtorhüter und Teil der legendären Auswahl, die im dritten Vorrundenspiel dank eines Treffers von Jürgen Sparwasser mit 1:0 gegen die BRD gewann.
Croy wurde zudem 1989 zum besten Fußballer in 40 Jahren DDR gewählt und war 1972, 1976 und 1978 „Fußballer des Jahres“.
Croy ist „Fußball-Olympiasieger mit Bodenhaftung“
Zur Begründung, Croy in die „Hall of Fame“ aufzunehmen, sagte Beuschel der „Freien Presse“: „Das Porträt jeder Sportlerin und jedes Sportlers in der Hall of Fame steht unter einer speziellen Überschrift. Wir haben für Jürgen ,Fußball-Olympiasieger mit Bodenhaftung‘ gewählt, weil nicht allein sportliche Erfolge für die Berücksichtigung zählen. Jürgen hat über seine gesamte Karriere hinweg der BSG Sachsenring die Treue gehalten, trotz des enormen Drucks, zu einem der großen Clubs zu wechseln.“

Reicht das aber aus, um in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen zu werden? Wie die Sporthilfe auf KURIER-Anfrage erklärte, haben sich die drei Träger der Ruhmeshalle auf ein Leitbild verständigt, das für eine Aufnahme von Sportlerinnen und Sportlern als Grundlage herangezogen wird.
- Klare Haltung zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung
- Klare Haltung zum Fairplay, gegen Sportbetrug und Doping
- Klare Haltung zur eigenen Vergangenheit
- Reflexion zu in der Vergangenheit gemachten Verfehlungen/Entscheidungen (Geheimdiensttätigkeit, Doping, etc.)
- Besondere Biografien infolge von Unterdrückung, politischer Verfolgung oder persönlichen Schicksalsschlägen im Rahmen der Ausübung der Sport-Tätigkeit
„Täve“ Schur wird nicht in „Hall of Fame“ aufgenommen
Dass sportliche Erfolge – seien sie auch noch so groß – allein nicht für eine Aufnahme reichen, zeigt das Beispiel eines anderen DDR-Stars. Radsport-Legende Gustav Adolf „Täve“ Schur ist bis heute kein Mitglied der „Hall of Fame“ – und wird es wahrscheinlich auch nie werden.
Zwei Versuche, den zweifachen Gesamtsieger der Friedensfahrt in die Ruhmeshalle aufzunehmen, scheiterten an der Entscheidung der Jury. Ein dritter gilt als unwahrscheinlich. „Es gibt derzeit keine neuen Informationen, die erwarten lassen, dass ein dritter Anlauf erfolgreich wäre“, teilte die Stiftung Deutsche Sporthilfe auf KURIER-Anfrage mit.
„Täves“ Sätze könnten ihn die Mitgliedschaft kosten
Zu den Gründen der beiden Absagen aus den Jahren 2011 und 2017 machte die Sporthilfe keine Angaben. Es liegt aber nahe, dass Schurs Äußerungen zur DDR-Vergangenheit bei den Regelhütern nicht gut ankamen. Unter anderem distanzierte er sich nicht vom DDR-Unrecht und verharmloste das erwiesene DDR-Doping an Minderjährigen. Aber: Auch im Westen wurde erwiesenermaßen gedopt.
Das Porträt jeder Sportlerin und jedes Sportlers in der Hall of Fame steht unter einer speziellen Überschrift. Wir haben für Jürgen ,Fußball-Olympiasieger mit Bodenhaftung‘ gewählt, weil nicht allein sportliche Erfolge für die Berücksichtigung zählen.
Dennoch bleiben Zweifel an der Auslegung der Kriterien. Denn bei vielen Mitgliedern scheint mit zweierlei Maß gemessen worden zu sein. Unter den aktuell 137 Mitgliedern befinden sich 15, die eine nachweisbare NSDAP-Vergangenheit haben. Das hatte die Süddeutsche Zeitung recherchiert.
15 Mitglieder haben eine Nazi-Vergangenheit
Unter den in der Zentralkartei der NSDAP recherchierten Namen ist mit dem fünfmaligen Reit-Olympiasieger Hans Günter Winkler einer der bedeutendsten deutschen Sporthelden. Winkler, 1956 verletzt von seiner Stute Halla zu Gold getragen, sei der Nazi-Partei 1944 als Jugendlicher beigetreten, hieß es in dem Bericht.

Außerdem gehörten demnach die Olympiasieger Erich Rademacher (Schwimmen, seit 1933), Helmut Bantz (Turnen, seit 1941) und Gustav Schäfer (Rudern, seit 1937) der NSDAP an. Schäfer sei außerdem SA-Truppführer gewesen. Bei allen vier Sportlern sei die Parteimitgliedschaft bis dahin nicht bekannt gewesen.
Auch diese Mitglieder haben eine Nazi-Vergangenheit
Anders verhält es sich bei weiteren sechs der 2008 aufgenommenen Athleten, die damals noch als unbescholten galten. Bei Wimbledon-Siegerin Cilly Aussem, dem einstigen Ruderer, Sportfunktionär und Unternehmer Georg von Opel, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Sportbundes Willi Weyer, dem Fechter Erwin Casmir, dem Fußballtorwart Heinrich Stuhlfauth und dem Rudertrainer Karl Adam wurde durch die Recherchen bekannt, dass auch sie Parteigenossen waren.
Die Jury, die über neue Mitglieder entscheidet, setzt sich aus allen noch lebenden Mitgliedern der „Hall of Fame“ zusammen. Außerdem gehören Vertreter der Stiftung Deutsche Sporthilfe, des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS), der Politik sowie Persönlichkeiten weiterer Institutionen des Sports dazu.






