Tobias Künzel (62) ist gerade megabeschäftigt. Gleich mit zwei Bands zieht der Sänger und Schlagzeuger derzeit durchs Land. Zunächst mit den Prinzen, deren Ende nach 35 Jahren eingeläutet wird. Am 23. Mai spielt Künzel mit ihnen und einem klassischen Orchester in Berlin. Und er steht auch mit Amor & die Kids wieder auf der Bühne. Das Auffrischen einer alten Liebe nach 37 Jahren: Machen die Prinzen darum Schluss?
Prinzen-Aus und Comeback von Amor & die Kids
Zwei Nachrichten, die die Zukunft von Tobias Künzel betreffen: Ehrlich gesagt, keiner hätte damit gerechnet, dass die Prinzen, eine der erfolgreichsten Popbands Deutschlands, im kommenden Jahr auf ihre letzte Tour gehen werden.
Die Kunde vor wenigen Tagen überraschte die Musikfans genauso wie die Botschaft, dass die DDR-Kultband Amor & die Kids wieder unterwegs ist – mit Tobias Künzel. Dass die Band beim Open-Air-Festival „2. Klassentreffen der Ostmusik“ (19./20. Juni) in Neuruppin rocken wird, ist schon der Hammer.

Statt Prinzen-Hits wie „Küssen verboten“, „Millionär“, „Alles nur geklaut“ nun die Amor-Knaller „Komm doch mit (Zu ’nem Ritt auf dem Sofa)“, „Blauer Würger“ und „Ich mache sowieso nur, was ich will“: Ist das Comeback von Amor & die Kids der Grund für das Ende der Prinzen?
„Nein, gar nicht, auf keinen Fall“, sagt Tobias Künzel im KURIER-Gespräch. „Es besteht absolut kein Zusammenhang zwischen dem geplanten Ende der Prinzen und Amor & die Kids.“
Tobias Künzel erzählt dem KURIER, was es mit dem Comeback der DDR-Kultband wirklich auf sich hat. „Wir entsprechen dem Zeitgeist“, sagt er. „Die Menschen im Osten Deutschlands entwickeln wieder ein Bewusstsein zu ihrer eigenen Vergangenheit, zu der auch ihre Jugend gehört.“ Zu dieser gehörte der Ostrock und damit Bands wie Amor & die Kids. „Darum sind wir wieder da.“
DDR-Kult Amor & die Kids: „Wir haben jede Menge Spaß“
1985 wurden Amor & die Kids gegründet. Mit „Amor“ würdigten sie nicht den Liebesgott, sondern einen gleichnamigen Wermut, den es in der DDR gab und der auch bei den Musikern die Runde machte. Und die Band wollte mit ihren Songs und Auftritten anders sein als die anderen Gruppen in der DDR.
„Es war die Zeit, als sich damals etablierte Bands wie Electra oder Stern-Meißen einen jüngeren Sänger holten“, sagt Tobias Künzel. „Wir waren 20, 21 Jahre alt und holten uns einen älteren Sänger. Das war Frank Schüller – unser Amor, der zwölf Jahre älter war. Wir haben also den Spieß umgedreht.“

Das Parodieren der Dinge in der DDR: Das war das Ding von Amor & die Kids. „Bei dem, was wir machten, haben wir nicht viel nachgedacht, bei den Texten direkt auf die 12 hingearbeitet, wir haben uns gegenseitig auf die Schippe genommen, haben sehr viel gelacht. Und darum ging es: um jede Menge Spaß“, sagt Künzel.
Tobias Künzel: Ärger mit dem Platten-Chef
Diesen Spaß duldeten auch die DDR-Funktionäre. Zähneknirschend duldeten sie das englische „Kids“ im Bandnamen. Und auch der Titel „No More Bockwurst“ für das erste Album von Amor & die Kids wurde durchgewunken.
Doch beim FDJ-Pfingsttreffen 1989 war dann Schluss mit lustig. Die Amors spielten als Vorband der Puhdys auf dem August-Bebel-Platz. „Als Zugabe spielten wir wie immer ,Marmor, Stein und Eisen bricht‘. Keiner hat daran gedacht, dass wir uns ja Hunderte Meter von der Mauer entfernt befanden“, sagt Künzel.

Einem ist es doch aufgefallen: René Büttner, dem Chef der staatlichen Schallplattenfirma Amiga. „Er kam wütend zu uns ins Backstage-Zelt und sagte, dass er keine weitere Platte von uns herausbringt“, sagt Künzel. „Ich erinnere mich noch, wie Maschine von den Puhdys bemerkte: ,Ich fand das gut‘“.
Der Mauerfall 1989 und die deutsche Einheit bedeutete für Amor & die Kids das Ende. Die Platten und die Konzerte der Weststars waren angesagt und nicht mehr die Ostmusik.
Prinzen-Sänger Tobias Künzel: Neuer Song mit alter Band
So überraschend sei es gar nicht, dass es Amor & die Kids wieder gibt. „Wir haben uns in den ganzen Jahren nie aus den Augen verloren. Es gab ständige Treffen, wir haben sogar wieder musiziert“, sagt Künzel. Es gibt sogar einen neuen Song: „Alles schon einmal dagewesen“, der auf YouTube zu sehen ist.
Seit dem Frühjahr sind Amor & die Kids in Klubs unterwegs. Der Open-Air-Auftritt bei dem Ostrock-Festival am Hangar-312 auf dem ehemaligen Militärflughafen in Neuruppin (20. Juni) ist einer der Höhepunkte für das Band-Comeback. „Auf dem Festival die einzige Band aus der DDR zu sein, die noch in Originalbesetzung zu sehen ist“ sei etwas ganz Besonderes, sagt Künzel.
Zurück zum Prinzen-Aus: Das Abschiedskonzert in Berlin findet am 28. Oktober 2027 statt. Warum sich die Band trennt? „Es war eine demokratisch getroffene Entscheidung von uns allen“, sagt Künzel. Auf der Internetseite der Prinzen heißt es dazu: „Wir spüren, dass es langsam an der Zeit ist, Abschied zu nehmen.“ Tobias Künzel erklärt: „Es ist alles gesagt.“



