Auch in der DDR gab es Millionäre. Nicht viele – aber es gab sie. Für normale Arbeiter oder Angestellte war so ein Vermögen allerdings unerreichbar. 1989 lag der durchschnittliche Bruttolohn bei rund 1300 Mark. Hier lesen Sie, was zu DDR-Zeiten in den welchen Berufen wirklich verdient wurde.
Wie viele Millionäre es in der DDR wirklich gab
Wie viele Millionäre es tatsächlich waren, weiß niemand genau. Ein Hinweis aber existiert: „Bei der Währungsumstellung 1990 zählte die Bundesbank eine zweistellige Zahl von Personen, die mehr als eine Million DDR-Mark auf dem Konto hatten – also weniger als Hundert“, sagte der Historiker Jens Gieseke vom Leibnitz-Zentrum für Zeithistorische Forschung der Volksstimme aus Magdeburg.
Gieseke erklärt auch, wer überhaupt zu Vermögen kommen konnte: einige DDR-Funktionäre, aber auch private Handwerker, Künstler, Sportler oder Schriftsteller. Ausgeben ließ sich dieses Geld jedoch nur begrenzt – „selbst richtige Gourmetrestaurants gab es in der DDR so gut wie nicht“, sagt er.
Tatsächlich stiegen die Einkommen im Laufe der Jahrzehnte deutlich. 1949 lag das durchschnittliche Bruttoarbeitseinkommen bei 290 Mark, 1975 schon bei 889 Mark. 1980 waren es 1021 Mark, fünf Jahre später 1130 Mark – und im Wendejahr 1989 schließlich rund 1300 Mark im Monat.
Wie Verkäuferinnen mit Bückware ihr Gehalt aufbesserten
Auffällig: Auch zu DDR-Zeiten wurden typische Frauenberufe oft schlechter bezahlt als Männerjobs. Unter 1000 Mark lagen 1989 nur wenige Branchen – aber darunter fielen Sekretärinnen (850 bis 1200 Mark), Kindergärtnerinnen (850 bis 1100 Mark), Krankenschwestern (900 bis 1300 Mark) und Verkäuferinnen (800 bis 1100 Mark).
Wobei: Verkäuferinnen konnten das Weniger oft ausgleichen. Wer in einem Laden mit begehrter Bückware arbeitete – Schallplatten, Bücher, Obst, Gemüse – bekam reichlich Trinkgeld. Steuerfrei.
Wie Handwerker heimlich mehr kassierten
Überhaupt gab es einen Unterschied zwischen offiziellen Löhnen und dem, was manche tatsächlich verdienten. Handwerker zum Beispiel. Ein Maurer, Dachdecker oder Installateur (bis zu 1400 Mark) konnte privat – und illegal – auf dem Bau mehr kassieren als im Betrieb. Bar auf die Hand, versteht sich. Oder mit raren Waren aus dem Intershop, aus teuren „Exquisit“- und „Delikat“-Läden.
Handwerker waren knapp, Baustoffe ebenso. Manche Künstler, die im Westen auftreten durften, zahlten sogar in D-Mark oder Forum-Checks (Gutscheine für Intershops), damit ihr Haus schneller fertig wurde.
Industrie-Facharbeiter wiederum wurden gut bezahlt. Je nach Betrieb und Qualifikation landeten 1000 bis 1400 Mark auf dem Konto. Wer im Schichtdienst an einer für das Planziel wichtigen Maschine stand, kam auch auf 1500 Mark und mehr.

Ein Arbeiter in einer LPG – etwa ein Facharbeiter für Agrotechnik – verdiente rund 1200 bis 1600 Mark, ein Meister oder Brigadier bis zu 2000 Mark. Durch den Verkauf von selbstangebautem Obst und Gemüse oder durch private Viehzucht ließ sich das Einkommen aber deutlich aufbessern.
Schlechter sah es bei Postboten (900 bis 1100 Mark) und Taxifahrern (950 bis 1200 Mark) aus. Wobei Letztere ebenfalls gut Trinkgeld bekamen.
Schwarztaxis: Wenn der Nebenjob lukrativer war
Und Taxifahrer hatten Konkurrenz: die Schwarztaxis. Die standen abends und am Wochenende ein paar Meter vom offiziellen Taxistand entfernt und boten Fahrten mit dem Privatwagen an. Eine Tour von Berlin‑Grünau nach Weißensee kostete damals 20 bis 25 Mark.
Gut bezahlt wurden dagegen Fernkraftfahrer (1200 bis 1500 Mark), Mitarbeiter der Volkspolizei (1100 bis 1400 Mark Einstiegsgehalt) und der Nationalen Volksarmee. Ein Offizier im mittleren Dienst kam auf 1300 bis 1700 Mark.
Wer in der DDR zu den Top-Verdienern gehörte
Studierte verdienten mehr – zumindest in den richtigen Berufen. Unter- und Oberstufenlehrer lagen bei 1200 bis 1400 bzw. 1400 bis 1600 Mark. Ärzte kamen auf 1600 bis 2200 Mark, Klinik‑ und Fachärzte noch darüber.
Ingenieure und Techniker verdienten 1500 bis 2000 Mark, Wissenschaftler an Hochschulen und Instituten 1800 bis 2500 Mark. Theaterintendanten und Kulturschaffende konnten sogar 2000 bis 3500 Mark erreichen.

Im Vergleich zu heute (Brutto-Durchschnittsverdienst: 4851 Euro) klingt das alles sehr wenig. Aber man darf nicht vergessen: Die Mieten sowie die Preise für Lebensmittel waren damals sehr niedrig. 60 bis 80 Mark Miete pro Monat waren normal. Für die Miete mussten viele nur vier bis sechs Prozent ihres Einkommens zahlen.
Auch der Alltag war billig: Eine Straßenbahnfahrt kostete 20 Pfennige (10 Pfennig für Kinder). Kinobesuche gab es oft schon ab 50 Pfennigen (plus 5 Pfennig Kulturbeitrag). Die Schrippe kostete 5 Pfennig, das Brot 1,05 Mark, ein Kinderwagen 100 Mark.
DDR: Teurer „Luxus“, kaum Erspartes
Teuer war in der DDR nur das, was als Luxus galt. Zum Beispiel ein Farbfernseher Color 40 mit Fernbedienung. Der kostete 1989 so viel wie manch Arbeiter oder Angestellte in acht Monaten als Komplett-Lohn erhielt – 8300 Mark. Auch für einen Trabant S de Luxe musste man Ende der 80er mehr als 10.000 Mark hinlegen. Ein Wartburg 353 konnte je nach Ausführung sogar 20.000 Mark und mehr kosten.
Große Ersparnisse waren deshalb in der DDR selten. Es gab nicht nur wenige Millionäre, viele DDR-Bürger hatten zur Währungsunion 1990 kaum Geld auf der hohen Kante.
Nur ein kleiner Teil der DDR‑Bevölkerung verfügte 1990 über nennenswerte Ersparnisse. Gerade einmal rund drei Prozent hatten mehr als 50.000 Mark auf dem Konto. Etwa ein Drittel kam auf Rücklagen zwischen 10.000 und 50.000 Mark, ein weiteres Drittel hatte zwischen 5000 und 10.000 Mark angespart.
DDR kassierte bei Erben kräftig ab
Auch Erben machte in der DDR nicht reich. Oft ging es nur um einige Zehntausend Mark. Wer jedoch – rein theoretisch – eine Million Mark geerbt hätte, wäre kräftig zur Kasse gebeten worden.
In Steuerklasse 1, also für Ehepartner und Kinder, lag die Erbschaftsteuer bei 45 Prozent. In Steuerklasse 2, etwa für Neffen oder Nichten, sogar bei 80 Prozent. Und das bei einem Freibetrag von gerade einmal 20.000 Mark für Ehegatten, berichtet der MDR.
Können Sie sich noch erinnern, was Sie zu DDR-Zeiten verdient haben? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.
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