Vernagelte Fenster, abgeplatzter Putz, offen liegendes Mauerwerk: Viele Jahre war das Kulturhaus des Werks für Fernsehelektronik (WF) nur noch ein Schandfleck in der Wilhelminenhofstraße. Doch jetzt soll nach mehr als 30 Jahren Leerstand wieder Leben in die Bude einziehen. Es wird gerade saniert, umgebaut und erweitert. 2028 sollen die ersten Mieter in Berlin-Oberschöneweide (Treptow-Köpenick) einziehen.
Vom Kriegslazarett zum sowjetischen Kulturhaus
Es ist ein Stück Berliner Industrie-DNA, das jahrzehntelang vor sich hin dämmerte. Jetzt bekommt das alte Kulturhaus an der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide endlich eine Zukunft. Und die hat es in sich.
Das wuchtige Gebäudeensemble mit Hauptbau und kurzen Seitenflügen aus violetten Klinkern, 1912 vom Architekten Felix Lindhorst entworfen, war einst ein Arbeiterwohlfahrtsgebäude und ein Lazarett im Ersten Weltkrieg. Bis 1945 gehörte es zur Akkumulatorenfabrik AFA – sowjetische Kriegsgefangene mussten hier zum Beispiel Akkus für U-Boote und Teile für V2-Raketen herstellen.
Nach dem Krieg wurde der Klinkerbau zum Haus der Kultur der Sowjetunion, später zum WF-Kulturhaus. Ein Ort für Tanzabende, Betriebsfeste, Jugendweihen. Ein Saal mit sechs Meter hoher Decke, 500 Quadratmeter groß. Voller Leben. Voller Geschichten. Dann kam die Wende – und die Stille. Und der Verfall.
Drei Jahrzehnte stand das Haus leer. Ein Denkmal im Dornröschenschlaf. Die Fassade aus dunklen Klinkern bröckelte, Graffitisprayer kletterten über das Vordach ins Gebäude, Fenster wurden zugemauert. Die Straßenbahn quietschte vorbei (auf dem Weg in die Alte Försterei), drinnen roch es nach Vergangenheit.

Der Projektentwickler Trockland hat das Ensemble gekauft und will es zu einem neuen Hotspot umbauen. Der Name: „Wilhelmine“ – passend zum Straßennahmen. Ein Ort, der Arbeit, Kultur, Freizeit und Gastronomie verbinden soll. Ein Mix, der Oberschöneweide neuen Schwung geben könnte.
Rund 8000 Quadratmeter Nutzfläche werden neu gedacht. 980 Quadratmeter Gastronomie, mit Terrassen und Straßenbezug. Ein Boutique-Hotel mit 83 Zimmern. Coworking Spaces, Büros, ein modernisierter Veranstaltungssaal. Dazu Einzelhandel, Freizeitangebote, ein Yogastudio. Mehr als 70 Prozent der Flächen sollen schon vermietet sein (ab 21 Euro pro Quadratmeter).
Aus den Garderoben wird ein Kiosk zum Straßenverkauf
Gesetzt wird auf eine Mischung aus Alt und Neu. Der historische Seitenflügel bleibt, das Treppenhaus aus DDR-Zeiten soll weg. Daneben entsteht ein moderner Neubau – das „Gartenhaus“. Dazwischen ein Atrium, ein Dachgarten, mehrere Terrassen mit Blick über die Stadt. Große Fenster holen Licht in die alten Mauern. Die „Wilhelmine“ soll offen wirken, einladend, lebendig.
Im Erdgeschoss bleibt die Geschichte sichtbar. Die alten Garderoben und Kassenschalter werden zu einem Kiosk mit Straßenverkauf. Kaffee vor der Uni, ein kurzer Stopp nach der Straßenbahnfahrt. Darüber Restaurants, eines mit Dachterrasse.



