In Zwickau läuft ein besonderes Vorhaben für einen ganz Großen des deutschen Fußballs: 137 Namen finden sich derzeit in der „Hall of Fame des deutschen Sports“. Geht es nach der Stadtgruppe Zwickau der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) und der Stadtverwaltung, dann kommt in diesem Jahr mindestens noch ein Name hinzu: Torhüterlegende Jürgen Croy.
Vorschlag ist in Frankfurt am Main eingereicht
Wie die „Freie Presse“ aus Zwickau berichtet, ging in der vergangenen Woche per Post ein Schreiben nach Frankfurt am Main, wo die Stiftung Deutsche Sporthilfe ihren Sitz hat. Unterschrieben hatten den Vorschlag Oberbürgermeisterin Constance Arndt und Werner Beuschel, Vorsitzender der DOG-Stadtgruppe.
Croy ist „Fußball-Olympiasieger mit Bodenhaftung“
Ihren Wunsch nach der besonderen Würdigung von Croy machten die Initiatoren anschließend öffentlich. Bei der „Olympischen Nachlese“ der DOG im Zwickauer Haus der Sparkasse überraschte Beuschel mit der Nachricht.
„Das Porträt jeder Sportlerin und jedes Sportlers in der Hall of Fame steht unter einer speziellen Überschrift. Wir haben für Jürgen ,Fußball-Olympiasieger mit Bodenhaftung‘ gewählt, weil nicht allein sportliche Erfolge für die Berücksichtigung zählen. Jürgen hat über seine gesamte Karriere hinweg der BSG Sachsenring die Treue gehalten, trotz des enormen Drucks, zu einem der großen Clubs zu wechseln“, erzählte Beuschel in der „Freien Presse“.
Croy ist in Zwickau mehr als nur ein Nationaltorwart
Seinen Vorstoß begründete Beuschel mit mehreren Ereignissen: Croy war nicht nur Torwart beim Olympiasieg 1976 der DDR oder dem 1:0-Erfolg bei der WM 1974 gegen das Team aus der BRD, sondern wurde 1989 auch zum besten Fußballer in 40 Jahren DDR gewählt. Zudem landete er in Umfragen nach den 30 sowie 40 besten Sportlern zum 30. und 40. Republikjubiläum als einziger Fußballer in der Auswahl.

Dass gerade Zwickau jetzt Druck macht, passt ins Bild. Croy ist dort weit mehr als ein ehemaliger Nationaltorwart. Er war nach der Karriere Trainer, später Bürgermeister für Kultur, Schule und Sport und arbeitete danach in einer städtischen Führungsfunktion im Kulturbereich. Genau diese Mischung aus sportlicher Größe, Bodenständigkeit und lokaler Verwurzelung dürfte im Bewerbungsbrief eine zentrale Rolle spielen.
Entscheidung könnte im Herbst fallen
Ob die Zwickauer mit ihrem Anliegen Erfolg haben, wird sich erst in einigen Monaten entscheiden. In den vergangenen Jahren gab die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Verband Deutscher Sportjournalisten über die Aufnahme entscheidet, neue Mitglieder zumeist im November bekannt.
Wir haben für Jürgen ,Fußball-Olympiasieger mit Bodenhaftung‘ gewählt, weil nicht allein sportliche Erfolge für die Berücksichtigung zählen. Jürgen hat über seine gesamte Karriere hinweg der BSG Sachsenring die Treue gehalten, trotz des enormen Drucks, zu einem der großen Clubs zu wechseln.
Sollte es Croy schaffen, wäre es ein leicht verspätetes, aber perfektes Geschenk: Am 19. Oktober feiert der Zwickauer seinen 80. Geburtstag. Es ist nicht das einzige runde Jubiläum für ihn in diesem Jahr, denn am 31. Juli jährt sich der Olympiasieg der DDR-Fußballer zum 50. Mal. „Beide Daten hatten wir bei unseren Überlegungen im Kopf, das würde einfach alles sehr gut zusammenpassen“, sagte Beuschel.
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe hatte die „Hall of Fame des deutschen Sports“ initiiert. Sie ist als virtuelle Ruhmeshalle angelegt und soll Persönlichkeiten ehren, die durch sportlichen Erfolg oder ihren Einsatz für Sport und Gesellschaft Geschichte geschrieben haben. Nach den bislang letzten Aufnahmen im November 2025 umfasst sie 137 Persönlichkeiten.


