SPD und CDU blockieren

Streit um DDR-Fußball-Legende Gerd Kische: Warum Teterow ihm die Ehrenbürgerschaft verweigert

In Teterow sollte Gerd Kische mit der Ehrenbürgerschaft gewürdigt werden. Stattdessen bekam er eine enttäuschende Entschuldigung.

Author - Sebastian Krause
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Gerd Kische ist eine echte Fußball-Legende von Hansa Rostock.
Gerd Kische ist eine echte Fußball-Legende von Hansa Rostock.Andy Buenning/IMAGO

Es sollte eine Ehrung werden – am Ende wurde es ein handfester Eklat. Statt der Ehrenbürgerschaft bekam DDR-Fußballlegende Gerd Kische (74) am Montag lediglich eine Entschuldigung am Telefon.

Chef der Stadtvertretung entschuldigt sich

Der AfD‑Fraktionschef der Stadtvertretung Teterow (Mecklenburg-Vorpommern), Mathias Schmitus, griff persönlich zum Hörer und bat den ehemaligen DDR‑Nationalspieler um Verzeihung. „Ich habe mich entschuldigt wegen der beschämenden Art und Weise, wie in der Stadtvertretersitzung diskutiert wurde“, sagte Schmitus dem Nordkurier.

Mehrheit der Stadtvertreter lehnt Verleihung ab

Was genau in der nichtöffentlichen Sitzung am Vorabend des 1. Mai hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, sollte eigentlich geheim bleiben. Doch schnell sickerte durch, warum die geplante Ehrung platzte. Die Mehrheit der Stadtvertreter sprach sich gegen die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den gebürtigen Teterower aus.

Dabei hatten sich die Fraktionen von AfD, UTF und „Die Teterower“ zuvor klar dafür ausgesprochen, dem einstigen Fußballhelden die höchste Auszeichnung der Stadt zu verleihen. Kische hatte 1976 mit der DDR-Olympiaauswahl bei den Spielen in Montreal die Goldmedaille gewonnen und gilt bis heute als einer der bekanntesten Sportler der Stadt.

Ich frage mich, was Herr Kische für die Stadt eigentlich getan hat.

Herbert Hoeft, SPD-Fraktionsmitglied der Stadt Teterow

„Falschbehauptungen und Verleumdung“ im Raum

Doch nach der geheimen Abstimmung war klar: SPD und CDU machten dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Teterow hat nun seinen Ehrenbürger-Eklat – und die Folgen sind bislang nicht absehbar. Schon kurz nach der Sitzung hatte AfD-Fraktionschef Schmitus den beiden Parteien „Falschbehauptungen und Verleumdungen“ in Bezug auf Kische vorgeworfen.

Jetzt meldete sich die Gegenseite zu Wort. SPD-Fraktionsmitglied Herbert Hoeft verteidigte die Entscheidung. Die Stadt Teterow habe in fast 150 Jahren gerade einmal sechs Ehrenbürger ernannt. „Da muss man doch erst einmal genau schauen, ob ein Gerd Kische da überhaupt mit reinpasst“, sagte Hoeft dem Nordkurier. Er sehe den früheren Nationalspieler nicht in einer Reihe mit bisherigen Ehrenbürgern wie Johann-Heinrich von Thünen, Horst Klinkmann oder Willi Peterss. „Ich frage mich, was Herr Kische für die Stadt eigentlich getan hat“, so Hoeft.

Gerd Kische (2.v.r.) gewinnt 1976 mit der DDR-Auswahl Gold bei den Olympischen Spielen in Montreal.
Gerd Kische (2.v.r.) gewinnt 1976 mit der DDR-Auswahl Gold bei den Olympischen Spielen in Montreal.Werner Schulze/imago

SPD kritisiert falschen Ablauf der Entscheidung

Aus Sicht der SPD wäre zudem der Ablauf falsch gewesen. Es wäre besser gewesen, wenn AfD, UTF und „Die Teterower“ vorab das Gespräch mit den anderen Fraktionen gesucht hätten. „Wir haben von der beabsichtigten Ehrenbürgerschaft aus der Zeitung erfahren“, kritisierte Hoeft. Als mögliche Alternative zur Ehrenbürgerschaft sei zwar ein Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt im Gespräch gewesen, doch auch dazu habe es laut Hoeft „negative Meinungen“ gegeben.

Doch warum ist die Ablehnung gegenüber dem bekanntesten Fußball-Sohn der Stadt so groß? Nach Informationen des Nordkurier spielten in der nichtöffentlichen Sitzung auch mögliche Kontakte Kisches zur DDR‑Staatssicherheit eine Rolle. Der Olympiasieger wies das entschieden zurück. Dem Nordkurier sagte er: „Ich habe nichts unterschrieben und alle immer weggejagt.“ Alles andere seien Verleumdungen ersten Grades.

Gerd Kische schließt rechtliche Schritte nicht aus

Ein weiterer Punkt, der von Kritikern angeführt wurde, liegt Jahrzehnte zurück. Im Jahr 1981 hatte Kische seine damalige Ehefrau während eines Streits geohrfeigt. „Das ist passiert und es war ein Fehler“, erklärte Kische. Er habe sich von seiner Frau provoziert gefühlt, nachdem sie ihn nach Einreichung der Scheidung beschimpft habe.

Und wie selbst sieht der langjährige Spieler von Hansa Rostock das alles? Gelassen – und gleichzeitig wütend. „Ich habe nicht darum gebeten, Ehrenbürger zu werden. Ich akzeptiere die Entscheidung der Stadtvertreter. Ich habe in meinem Leben auch im Sport gewonnen und verloren.“ Doch die nun vorgebrachten Begründungen lassen ihn nicht kalt. „Die Gründe, die da jetzt aber vorgebracht wurden, gehen mir ganz schön auf den Sack.“ Rechtliche Schritte schließt Gerd Kische deshalb nicht aus.

Wie blicken Sie auf die Entscheidung, dass Gerd Kische kein Ehrenbürger der Stadt Teterow werden soll? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com