DDR-Weihnachtsklassiker

Sohn von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“-Star klagt gegen Schloss Moritzburg

Rechtsstreit um den legendären Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Der Sohn von Libuše Šafránková geht gegen Ausstellung in Sachsen vor.

Author - Stefan Henseke
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Die berühmteste Filmszene aus „Aschenbrödel“: Der Prinz (Pavel Trávníček) passt Aschenbrödel (Libuše Šafránková) den verlorenen Schuh an.
Die berühmteste Filmszene aus „Aschenbrödel“: Der Prinz (Pavel Trávníček) passt Aschenbrödel (Libuše Šafránková) den verlorenen Schuh an.Degeto/WDR

Es soll ja Filmfans geben, die sich deshalb auf Weihnachten freuen, weil dann wieder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Fernsehen läuft. Doch jetzt wird der Märchenfilm-Klassiker zum großen Drama. Vor Gericht. Denn der Sohn der 2021 verstorbenen Hauptdarstellerin Libuše Šafránková verklagt das Schloss Moritzburg, in dem große Teile des Aschenbrödel-Films gedreht wurden.

Aschenbrödel-Star: Fotos ohne Genehmigung gezeigt

Vor Gericht heißt es: Josef Abrhám junior contra die Staatliche Schlösserverwaltung Sachsens. Der Sohn von Aschenbrödel-Darstellerin Libuše Šafránková sieht seine Persönlichkeitsrechte verletzt, weil Fotografien und Gegenstände aus dem Privat- und Berufsleben seiner Mutter ohne Zustimmung ausgestellt wurden.

Jedes Jahr läuft in dem Barockschloss die Winterausstellung „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“. Auf der Internetseite heißt es: „Über die Wintermonate verwandelt sich Schloss Moritzburg nahe Dresden in die zauberhafte Kulisse des beliebten Märchenklassikers. Märchenfans aufgepasst: Entdeckt Geheimnisse und erfahrt Wissenswertes rund um Aschenbrödel und den Filmdreh, originale Kostüme, Fanobjekte, Requisiten und vieles mehr.“

Und natürlich sind auf Schloss Moritzburg auch Fotos und Requisiten von Hauptdarstellerin Libuše Šafránková, die als Aschenbrödel schon Generationen von Märchenfans verzaubert, zu sehen. Doch das Problem ist nicht die Hauptausstellung, sondern die Sonderschau „Libuše – Mehr als eine Prinzessin“, die 2024 gezeigt wurde.

Auf der Internetseite von Schloss Moritzburg werden Szenenfotos von Libuše Šafránková als Aschenbrödel gezeigt.
Auf der Internetseite von Schloss Moritzburg werden Szenenfotos von Libuše Šafránková als Aschenbrödel gezeigt.www.schloss-moritzburg.de

Diese Ausstellung sei „ohne seine Zustimmung“ ins Programm genommen worden, sagt Josef Abrhám junior. „Schloss Moritzburg hat sich entschlossen, die Sonderausstellung ohne jegliche Absprache mit Herrn Abrhám auszurichten, auf den die Persönlichkeitsrechte seiner Mutter nach deren Tod übergegangen sind“, sagte der Anwalt des Sohns bereits 2024 auf Anfrage von „Landesecho“, dem Magazin der Deutschen in der Tschechischen Republik.

Der Sohn klagt, weil Bildnisse seiner verstorbenen Mutter in der Ausstellung gezeigt wurden und er nicht in den Verkauf von Souvenirs auf Schloss Moritzburg eingewilligt habe. Der Anwalt bezeichnete die Ausstellung und den Verkauf von Souvenirs als „ungeheuerliche Drecksarbeit mit dem Andenken“ an Libuše Šafránková.

Aschebrödel-Klage: Gerichtspingpong in Tschechien

Doch die Klage zieht sich, es ist zu einem Gerichtspingpong gekommen. Das Problem: Schloss Moritzburg ist in Deutschland, Josef Abrhám junior klagt in Tschechien.

Das Oberste Gericht in Brünn (Brno) entschied erst, dass für den Fall deutsche Gerichte zuständig seien und verwies das Verfahren zurück an ein Prager Bezirksgericht. Doch die Kläger wollten das nicht akzeptieren und zogen weiter – bis vor das tschechische Verfassungsgericht.

Der Kult-Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist für viele Weihnachtsfans jedes Jahr ein Muss. Libuše Šafránková und <a href="https://www.berliner-kurier.de/ddr/aschenbroedel-prinz-pavel-bei-op-nur-knapp-dem-tode-entkommen-li.10025183">Pavel Trávníček spielen die Hauptrollen.</a>
Der Kult-Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist für viele Weihnachtsfans jedes Jahr ein Muss. Libuše Šafránková und Pavel Trávníček spielen die Hauptrollen.DEFA-Stiftung

Dort gab es nun die nächste Wendung: Die Verfassungsrichter erklärten, dass sie noch nicht eingreifen dürfen. Erst müssen alle vorherigen Instanzen durchlaufen werden, bevor sie sich mit dem Fall befassen können. Eine endgültige Entscheidung steht somit noch aus.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, eine Koproduktion von DEFA und tschechischen Filmstudios, erschien bereits im Jahr 1973, war allerdings erst ein Jahr nach der ersten Vorführung in Prag auch in der DDR zu sehen – am 8. März 1974 kam er in der DDR in die Kinos.

Libuše Šafránková als mutiges, selbstbewusstes Aschenbrödel

In dem Märchenklassiker verzaubert Libuše Šafránková als mutiges, selbstbewusstes Aschenbrödel. Nach dem Tod ihres Vaters muss sie unter der Knute der boshaften Stiefmutter (Carola Braunbock) und deren verwöhnter Tochter Dora (Dana Hlaváčová) leiden.

Doch Aschenbrödel lässt sich nicht unterkriegen: Mit der Hilfe ihres treuen Pferdes Nikolaus und drei geheimnisvollen Haselnüssen nimmt sie ihr Schicksal selbst in die Hand. Die magischen Gaben bescheren ihr unter anderem ein traumhaftes Ballkleid – und damit den großen Auftritt beim Fest des Prinzen (Pavel Trávníček). Klar, dass sie dort nicht nur glänzt, sondern auch sein Herz erobert.

Sind Sie auch ein Fan von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“? Was sagen Sie zu dem Streit? Bitte schreiben Sie uns per Mail an:leser-bk@berlinerverlag.com