Die Radsportlegende Gustav Adolf „Täve“ Schur wird nicht in die Ruhmeshalle des deutschen Sports aufgenommen. Das teilte die Stiftung Deutsche Sporthilfe auf Anfrage des Berliner KURIER mit. Der Held der DDR wird damit trotz seiner zahlreichen Erfolge kein Mitglied der „Hall of Fame des deutschen Sports“.
„Täve“ Schur bereits zweimal nicht aufgenommen
2011 und 2017 hatte es bereits zwei Anläufe gegeben, Schur in die „Hall of Fame“ aufzunehmen. Beide Male jedoch entschied sich die Jury gegen ihn. Einen dritten Versuch wird es nicht geben, wie die Sporthilfe dem KURIER erklärte. Es gebe „derzeit keine neuen Informationen, die erwarten lassen, dass ein dritter Anlauf erfolgreich wäre“, hieß es.
„Täve“ Schur verharmlost Doping in der DDR
Über die genauen Gründe, warum Schur nicht aufgenommen wurde, gab die Sporthilfe auf KURIER-Nachfrage keine Auskunft. Es hieß lediglich, dass die Jury die ersten beiden Versuche abgelehnt hätte. Zudem hieß es: „Wir können keine Auskunft darüber geben, inwieweit seine Äußerungen und Verbindungen bei den jeweiligen Entscheidungen zur Rate gezogen wurden.“
Gemeint sind „Täves“ Äußerungen zur DDR-Vergangenheit und zum Staatsdoping. Auch hatte er Doping an Minderjährigen stets verharmlost.

Unter den „Hall of Fame“-Mitgliedern sind 15 mit NSDAP-Vergangenheit
Geht es nach den Aufnahme-Kriterien, wird es angesichts dessen für „Täve“ schwer, einen Platz in der Ruhmeshalle zu bekommen. Denn die sehen unter anderem eine klare Haltung gegen Sportbetrug und Doping, zur eigenen Vergangenheit und zu gemachten Fehlern vor. Die ließ der 95-Jährige mehrfach vermissen.
Blickt man derweil auf die Mitglieder der „Hall of Fame“, kommen Fragen auf. Denn unter den aktuell 137 Mitgliedern befinden sich 15, die eine nachweisbare NSDAP-Vergangenheit haben. Das hatte die Süddeutsche Zeitung im vergangenen Jahr recherchiert. Bis dahin war man von fünf Mitgliedern ausgegangen.
Hans Günter Winkler auch unter den NSDAP-Mitgliedern
Unter den in der Zentralkartei der NSDAP recherchierten Namen ist mit dem fünfmaligen Reit-Olympiasieger Hans Günter Winkler einer der bedeutendsten deutschen Sporthelden. Winkler, 1956 verletzt von seiner Stute Halla zu Gold getragen, sei der Nazi-Partei 1944 als Jugendlicher beigetreten, hieß es in dem Bericht.
Außerdem gehörten demnach die Olympiasieger Erich Rademacher (Schwimmen, seit 1933), Helmut Bantz (Turnen, seit 1941) und Gustav Schäfer (Rudern, seit 1937) der NSDAP an. Schäfer sei außerdem SA-Truppführer gewesen. Bei allen vier Sportlern sei die Parteimitgliedschaft bis dahin nicht bekannt gewesen.

Sporthilfe waren Vorwürfe „in der Form nicht bekannt“
Anders verhält es sich bei weiteren sechs der 2008 aufgenommenen Athleten, die damals noch als unbescholten galten. Bei Wimbledon-Siegerin Cilly Aussem, dem einstigen Ruderer, Sportfunktionär und Unternehmer Georg von Opel, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Sportbundes Willi Weyer, dem Fechter Erwin Casmir, dem Fußballtorwart Heinrich Stuhlfauth und dem Rudertrainer Karl Adam wurde bereits bekannt, dass auch sie Parteigenossen waren.
Die Deutsche Sporthilfe, neben dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) Träger der „Hall of Fame“, teilte zu Aussem, Casmir und Adam mit, die Erkenntnisse seien ihr bis zu dem Bericht „in der Form nicht bekannt“ gewesen. Gemeinsam mit DOSB und VDS werde man aber „einen Prozess anstoßen, um neue, belegte Erkenntnisse transparent einzupflegen“.
Expertenrat empfiehlt „kein Ausschlussverfahren“
Eine Expertenkommission sah nach Überprüfung der Biografien der 15 Mitglieder allerdings keinen Grund für einen Ausschluss aus der Ruhmeshalle. Lediglich die Einträge in der virtuellen Darstellung im Internet wurden ergänzt.
Außerdem gaben die Wissenschaftler die Empfehlung, „kein Ausschlussverfahren“ der Mitglieder anzustreben.




