Ausbildung & Mobilität

Führerschein als Anreiz: Hier gibt’s noch Geld dafür

Führerschein als Job-Bonus? Nur wenige Arbeitgeber zahlen noch. Wo Azubis Geld bekommen – und warum der Klassiker „Bund“ weiter gilt.

Author - Sebastian Karkos
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Die Überlandfahrt gehört zur Führerschein-Ausbildung dazu.
Die Überlandfahrt gehört zur Führerschein-Ausbildung dazu.Jochen Tack/IMAGO

Kommt Ihnen dieser Ratschlag bekannt vor? Wenn junge Menschen keinen Plan für ihre Zukunft haben, sagen Eltern häufig: „Geh zum Bund, da kannst du wenigstens den Führerschein machen!'“ Das gilt bei der Bundeswehr bis heute. Doch wer zahlt sonst noch? Nur wenige Arbeitgeber übernehmen die Kosten – und ausgerechnet die Deutsche Bahn könnte diesen Bonus streichen. Der KURIER hat sich umgehört.

1500 Führerscheine wurden bei der Bundeswehr gemacht

Bei der Bundeswehr kann der Führerschein gemacht werden – kostenlos, sofern es die Aufgabe erfordert. So wurden im Jahr 2025 rund 1500 Dienstführerscheine erteilt. Die Polizei Berlin bezuschusst den Führerschein für Auszubildende (und Studierende) mit einem steuerfreien Zuschuss von bis zu 1000 Euro. Klar: Polizisten sollen ein Einsatzfahrzeug fahren können.

Die Deutsche Bahn ist ein riesiger Konzern, bei dem nicht nur Züge fahren. Für viele Jobs ist ein Pkw-Führerschein wichtig, um flexibel einsetzbar zu sein. So bieten einzelne Gesellschaften wie die DB InfraGO AG, die DB Energie GmbH oder die DB Bahnbau Gruppe GmbH ihren Azubis ein befristetes Angebot zur Kostenübernahme der Führerscheinausbildung an. Voraussetzung ist in der Regel, dass die Probezeit beendet ist. Zudem müssen die Auszubildenden die theoretische und praktische Prüfung vor Ende der Ausbildung bestehen.

DB Energie erstattet bis zu 3500 Euro

Die Kosten? Laut DB Energie werden bis zu 3500 Euro der Fahrschul- und Prüfungskosten erstattet. Doch nach KURIER-Informationen gibt es Konzern-Überlegungen, diesen Azubi-Bonus ab 2027 zu streichen – Stichwort Sparmaßnahmen. Auf Anfrage äußert sich die Bahn nicht zu diesem Thema.

Kalender-Eintrag: Ab jetzt Führerschein! Denn für viele Jobs ist er Pflicht.
Kalender-Eintrag: Ab jetzt Führerschein! Denn für viele Jobs ist er Pflicht.Sascha Steinach/IMAGO

Im Pflegedienst setzen viele Firmen auf Pkw. Aber: Wer in Berlin ein Unternehmen sucht, das einem den Führerschein zahlt, sucht meist vergebens. Denn in der Hauptstadt sind Patienten auch mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Heißt: Man braucht kein Auto.

Bundesagentur kann Pkw-Führerschein übernehmen

Pflegedienste verweisen auf die Bundesagentur für Arbeit. Doch wann übernimmt diese wirklich die Kosten für den Pkw-Führerschein? Es heißt: „Die Förderung des Erwerbs eines Führerscheins ist im begründeten Einzelfall möglich, wenn zum Zeitpunkt der Antragstellung die Arbeitsaufnahme z. B. wegen räumlicher Entfernung, schlechter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr oder der zwingenden Voraussetzung eines Führerscheins in Gefahr wäre.“

Führerschein und Autoschlüssel gehören zu den Zielen vieler jungen Menschen.
Führerschein und Autoschlüssel gehören zu den Zielen vieler jungen Menschen.Robert Michael

Allerdings, so die Agentur: „Da die Förderungen mit hohen Kosten verbunden sind, wird an die Ermessensentscheidung in den Agenturen und Jobcentern ein besonders hoher Maßstab angelegt.“

Mögliche Jobs: Berufskraftfahrer, Busfahrer sowie Boten- und Kurierfahrer. Dass ein Azubi also von der Agentur den Pkw-Führerschein bezuschusst bekommt, ist eher die Ausnahme.

Wie sieht es in anderen Branchen aus? Der KURIER fragte beim Bauunternehmen Tell Bau aus Pankow nach, das im Rohrleitungs-, Kanal- und Straßenbau tätig ist. Die Firma ist bereit, im dritten Lehrjahr die Kosten zu übernehmen. Allerdings geht es nicht um den klassischen Führerschein, sondern um den Anhängerführerschein.

Fazit: In Berlin kostet der Führerschein durchschnittlich 2500 bis 3500 Euro. Daher ist der Erwerb über den Arbeitgeber eine interessante Alternative. Die Bundeswehr bietet diese Möglichkeit. Der Klassiker „Geh zum Bund, da kannst du wenigstens den Führerschein machen!“ ist also weiterhin aktuell.

Wurde Ihnen der Führerschein vom Arbeitgeber bezahlt?
Bitte schreiben Sie uns:
leser-bk@berlinerverlag.com