Ungewöhnlicher Schritt

Fachkräftemangel? Berlin sucht Personal in Afrika

Auch in der deutschen Hauptstadt fehlen Fachkräfte. Die IHK startet deswegen Ausbildungen in Namibia. Junge Menschen werden für Jobs fit gemacht.

Author - Sebastian Karkos
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Ein Baustein mit dem Wort Fachkräftemangel. Die Berliner Lösung könnte im Südwesten Afrikas liegen.
Ein Baustein mit dem Wort Fachkräftemangel. Die Berliner Lösung könnte im Südwesten Afrikas liegen.dpa/Stephanie Pilick

Die Wirtschaft in Deutschland stöhnt. Gut ausgebildetes Personal ist schwer zu bekommen. So gut wie alle Branchen leiden unter dem Fachkräftemangel. Auch in Berlin. Eine Lösung könnte in Afrika liegen.

Die IHK will dem Fachkräftemangel entgegenwirken

Die Berliner Wirtschaft sucht händeringend nach Nachwuchs – und geht dafür neue Wege: Mit einem Ausbildungsprojekt in Namibia will die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin dem wachsenden Fachkräftemangel entgegenwirken.

Unter dem Namen „Talentsbridge“ ist in der Hauptstadt Windhuk ein Programm gestartet, das perspektivisch tausende junge Menschen für Jobs in Deutschland qualifizieren soll. Zum Auftakt wurden 100 Teilnehmer aus rund 1.500 Bewerbern ausgewählt. Sie beginnen nach vorbereitenden Workshops im Juni zunächst mit intensiven Deutschkursen.

Berliner Unternehmen finanzieren die Ausbildung

Ab September folgen dual angelegte Ausbildungen, etwa zum Industrieelektriker, im Einzelhandel oder in der Gastronomie. Die dreijährige Lehre orientiert sich vollständig an deutschen Standards und wird von der IHK fachlich begleitet.

Ziel ist es, den Fachkräftebedarf direkt zu adressieren: Berliner Unternehmen finanzieren als Projektpaten die Ausbildung vor Ort und sichern sich damit frühzeitig qualifizierten Nachwuchs. Vorteil: Nach erfolgreichem Abschluss sollen Teile der Absolventen nach Deutschland wechseln und ohne langwierige Anerkennungsverfahren direkt in den Betrieben arbeiten können.

Teilnehmer des vorbereitenden Workshops in Windhuk/Namibia versammeln sich mit der Recruiterin Stefanie Shimutwikeni (hinten Mitte).
Teilnehmer des vorbereitenden Workshops in Windhuk/Namibia versammeln sich mit der Recruiterin Stefanie Shimutwikeni (hinten Mitte).Julia Runge/DPA

Ein ungewöhnlicher Schritt? IHK-Präsident Sebastian Stietzel spricht von einer „riesigen Fachkräftelücke“, die sich angesichts der demografischen Entwicklung weiter verschärfen werde. Ohne Zuwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte könne die Wirtschaft ihr Wachstum nicht sichern. „Auch in Zeiten von KI bleibt praktische Arbeit unverzichtbar“, so Stietzel.

Gleichzeitig soll auch Namibia profitieren. Das Land kämpft mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Nicht alle Absolventen werden unmittelbar nach Deutschland gehen – viele könnten die erworbenen Qualifikationen vor Ort einsetzen. Unterstützung erhält das Projekt sowohl von namibischen Behörden als auch von Unternehmen. Auf deutscher Seite beteiligen sich zum Start rund zehn Firmen, darunter Edeka und die Bäckereikette Wiedemann. Weitere Betriebe haben bereits Interesse signalisiert.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Was halten Sie von der Berliner Ausbildungsinitiative in Namibia? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com