Man braucht ein dickes Fell

Frauen gegen Fachkräftemangel im Handwerk

Und trotzdem wählen immer mehr Frauen handwerkliche Berufe. So wie Jasmin Burghof aus Hannover.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Frauen im Handwerk: Installateur- und Heizungsbaumeisterin Jasmin Burghof hat sich auf dem Bau durchgesetzt.
Frauen im Handwerk: Installateur- und Heizungsbaumeisterin Jasmin Burghof hat sich auf dem Bau durchgesetzt.epd-bild/Nancy Heusel

„Frauen sind auf dem Bau nicht zu gebrauchen“ – solche Sprüche musste Jasmin Burghof sich anhören, als sie noch in der Ausbildung war. Als Frau auf dem Bau muss man mehr als einmal sagen: „Nein, ich bin nicht zum Kaffee kochen hier.“ Oder: „Ja, ich kann das allein tragen.“ Heute ist Jasmin mit 29 Jahren Installateur- und Heizungsbaumeisterin. „Frauen werden auf dem Bau gebraucht“, sagt sie.

Etwas mit den eigenen Händen schaffen

Mit dem Bauen von Vogelhäuschen hat es angefangen. Dann kam die Arbeit an einem Carport und die Erkenntnis: „Etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, das praktischen Nutzen und Bestand hat, ist einfach cool.“ Jasmin Burghof ging damals noch zur Schule. Ihr Großvater hatte eine Hobbywerkstatt. Er brachte ihr schon als Kind bei, wie man schnitzt und Dinge in Haus und Garten repariert.

Das, sagt die heute 29-Jährige aus Hannover, habe ihre Berufswahl entscheidend geprägt: Nach dem Abitur machte sie eine Lehre im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik - keine Selbstverständlichkeit für eine junge Frau in Deutschland.

Dumme Sprüche kontert Jasmin Burghof mit Leichtigkeit.
Dumme Sprüche kontert Jasmin Burghof mit Leichtigkeit.epd-bild/Nancy Heusel

Mittlerweile ist Burghof Installateur- und Heizungsbaumeisterin. Sie befasst sich mit Trinkwasserhygiene, Wärmebedarfsberechnung, Hydraulik, Lüftungstechnik - allerdings nicht auf Baustellen.

Vielmehr unterrichtet sie angehende Gesellen und Meister. Seit 2021, kurz nachdem sie ihre eigene Meisterinnenprüfung abgelegt hatte, lehrt Burghof auf dem Campus Handwerk in Garbsen in Niedersachsen, einer Bildungseinrichtung der Handwerkskammer Hannover.

Für diverse handwerkliche Berufe werden dort Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten. Weibliche Lehrlinge und angehende Meisterinnen aber sind selten, vor allem im Sanitär- und Heizungsbereich.

Die Zahl der Frauen, die sie bislang unterrichtet habe, könne sie an einer Hand abzählen, erzählt Burghof. Dennoch ist sie zuversichtlich, dass künftig mehr Frauen die Branche für sich entdecken. Warum? „Sie werden gebraucht“, sagt die Dozentin.

Frauen gegen Fachkräftemangel

Dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zufolge machen Frauen ein Viertel der knapp 2,6 Millionen Beschäftigten in deutschen Handwerksbetrieben aus. Die Karrierechancen stehen gut: Nach Schätzungen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks mit Sitz in Berlin sind im Handwerk derzeit rund 200.000 Stellen unbesetzt. Frauen spielen demnach eine immer wichtigere Rolle in der Branche, um den Fachkräftenachwuchs zu stärken.

So verzeichnet der Handwerks-Zentralverband seit einigen Jahren einen Anstieg von Frauen in bislang klassischen Männerdomänen wie Kraftfahrzeugtechnik oder Dachdeckerhandwerk. Zudem wollen Frauen vielfach mehr als nur den Gesellinnenstatus: Nach einer Erhebung des IW stieg der Frauenanteil unter den Meistern zwischen 2013 und 2024 von rund 13 auf gut 17 Prozent.

Handwerk ist rau aber ehrlich

Für Burghof war es nicht einfach, als junge Frau Fuß zu fassen in einem Beruf, bei dem man in mehrfacher Hinsicht dem rauen Klima ausgesetzt ist, das auf Baustellen herrscht. „Man braucht ein dickes Fell“, sagt Burghof.

In der Ausbildung hätten Arbeiter anderer Gewerke sie auf der Baustelle teils ignoriert, ihre Hinweise nicht ernst genommen und nach einem Mann gefragt. Ein Altgeselle habe ihr gesagt, Frauen seien auf dem Bau nicht zu gebrauchen, weil sie „zu emotional und nicht pragmatisch genug“ seien.

Schlagfertig habe sie sein müssen, um derlei Sprüche zu parieren. Doch sie sagt auch: „Handwerk ist rau, aber ehrlich.“ Man könne fast jedem ins Gesicht sagen, was einem nicht passe, ohne dass er beleidigt sei. „Und dann funktioniert das Miteinander.“

Handwerk-Influencerinnen werben für den Bau

Um weibliche Azubis zu gewinnen und Handwerkerinnen generell zu stärken, müsste aus Burghofs Sicht noch mehr Imagepflege betrieben werden. Dazu würden mittlerweile auch Handwerk-Influencerinnen beitragen, wie etwa Maurermeisterin Julia Schäfer, die auf Instagram als „tschulique“ mehr als eine Million Follower und Followerinnen hat. So eine Social-Media-Karriere sei zwar nichts für sie selbst, räumt Burghof ein: „Aber ich finde es immer gut, wenn andere Frauen das machen und den Männern zeigen, wo der Hammer hängt.“ (epd)

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