Ist die Polizei für junge Menschen nicht mehr attraktiv genug? Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlägt Alarm und warnt vor dem „nächsten Einstellungs-Desaster“.
Große Personalprobleme bei der Schutzpolizei
Laut GdP konnten zum 1. April zwar 120 Stellen des gehobenen Dienstes in der Kriminalpolizei besetzt werden, doch bei der Schutzpolizei sieht es deutlich schlechter aus: Zwei Wochen vor Semesterbeginn waren die 180 angebotenen Stellen gerade einmal zu 40 Prozent vergeben.
GdP-Landesvize Thorsten Schleheider: „Egal, wie schön wir das reden, egal, wie wir die Statistik mit polizeiinternen Aufsteigern kaschieren – es ist und bleibt ein Desaster. Wir problematisieren die viel zu geringen Einstellungszahlen seit Jahren, aber offenbar hat die Berliner Politik die Dimensionen noch immer nicht verstanden. Wenn wir die Märzeinstellungen im mittleren Dienst hinzunehmen, verschenken wir am Anfang faktisch einen ganzen Polizeiabschnitt.“

Ein Blick auf die Zahlen: Vor einem Jahr konnten laut GdP im mittleren Dienst nur 237 von 312 Stellen besetzt werden, im gehobenen 199 von 300. Im Herbst waren es rund 250 bzw. 307. Vor zwei Wochen präsentierte die Polizei Berlin lediglich 189 Nachwuchskräfte im mittleren Dienst. Möglich gewesen wären 312.
Schleheider schlägt deutliche Töne an: „Aus dem politischen Raum höre ich – wenn überhaupt – Generationen-Bashing oder Resignation angesichts des Arbeitnehmermarkts, auf dem alle ihre Probleme haben. Aber verdammt noch mal: Wir sind die Hauptstadtpolizei! Wir bieten einen tollen Beruf, Vielfalt und Abwechslung wie kaum eine andere Behörde.“
Schleheider fordert: „Ich erwarte, dass sich das gesamte Abgeordnetenhaus endlich dazu aufschwingt, mit uns über die Kernaufgaben der Polizei in dieser Stadt zu sprechen. Wir werden weniger, weil viele Kolleginnen und Kollegen in den wohlverdienten Ruhestand gehen, wir sind personell jetzt schon nicht für alle Aufgaben aufgestellt – und wir bekommen nicht den Nachwuchs, den wir dringend brauchen. Das liegt auch daran, dass wir in Bruchbuden arbeiten, mit Dreckskarren unterwegs sind und weiterhin nicht die Rückendeckung aus der Politik bekommen, die wir brauchen.“




