Leere Bahnhöfe

Explosive Studie: Wird halb Ostdeutschland vom Bahn-Fernverkehr abgehängt?

Eine neue EVG-Studie warnt: Sechs wichtige Städte im Osten könnten ihre IC- und ICE-Verbindungen verlieren – wegen neuer Konkurrenz aus Italien.

Author - Stefan Henseke
Teilen
Die Bahngewerkschaft EVG warnt, dass bald keine Fernzüge mehr auf dem Magdeburger Hauptbahnhof halten könnten. Bisher sind es täglich 30.
Die Bahngewerkschaft EVG warnt, dass bald keine Fernzüge mehr auf dem Magdeburger Hauptbahnhof halten könnten. Bisher sind es täglich 30.Guido Koppes Photo/imago

Schock für Ostdeutsche: Sechs wichtige Städte im Osten drohen demnächst komplett vom Fernschnellverkehr der Bahn abgehängt zu werden. Betroffen sind vor allem Städte, die auch keinen Flughafen in der Nähe haben. Welchen Bahnhöfen die Abkopplung vom Fernverkehr droht, zeigt eine explosive Studie der Bahn-Gewerkschaft EVG, über die BILD berichtet.

EVG‑Studie warnt: Sechs Ost‑Städte vor Fernverkehr‑Aus

Anlass für die Studie ist der geplante Einstieg des italienischen Bahnunternehmens Italo in den deutschen Markt. Ab 2028 will der italienische Anbieter mit 30 Schnellzügen der Deutschen Bahn Konkurrenz machen. Aber nur auf zwei viel genutzten Strecken: München–Berlin–Hamburg und München–Stuttgart–Dortmund.

Evelyn Palla, die Chefin der Deutschen Bahn, warnte schon vor Streckenverlusten. Ihr Vorwurf: Italo suche sich nur hochprofitable Strecken heraus, es drohe „ein ungesteuerter Wettbewerb, dessen Folgen sich am Ende womöglich für die Mehrheit negativ auswirken“.

Das Problem: Die Deutsche Bahn finanziert mit den Einnahmen der gut laufenden Strecken die IC- und ICE-Verbindungen in kleinere Städte. Sinken aber die Einnahmen, fehlt dafür das Geld, Bahnhöfe müssten in der Folge vom Fernzugnetz genommen werden.

Die Bahn-Gewerkschaft EVG hat nun in einer Studie untersucht, welche Bahnhöfe zuerst von einem Aus betroffen wären. 16 Städte würden vom Fernzug-Schnellverkehr abgehängt werden – darunter besonders viele wichtige, ehemalige Bezirksstädte in Ostdeutschland.

Magdeburg, Rostock, Jena: Diese Städte wären besonders betroffen

Magdeburg würde laut dieser Studie täglich 30 Fernzüge (IC und ICE) verlieren, Rostock 20, Schwerin 10 und Jena 4. Chemnitz (4) und Cottbus (2) müssten auf für Pendler wichtige IC-Verbindungen verzichten.

Hart von möglichen Streckenstreichungen wäre laut EVG-Studie auch Bayern betroffen. Hier stehen Ingolstadt (50 Fernzüge), Augsburg (44) und Bamberg (35) im Fokus.

Der Rostocker Hauptbahnhof ist wichtig für anreisende Urlauber an die Ostsee. Täglich halten hier bisher 20 IC und ICE.
Der Rostocker Hauptbahnhof ist wichtig für anreisende Urlauber an die Ostsee. Täglich halten hier bisher 20 IC und ICE.Rüdiger Wölk/imago

„Wenn Italo hier Rosinenpickerei betreiben darf und die Bahn von den Hauptstrecken verdrängt wird, zerlegt das unseren Fernverkehr. Städte werden abgehängt, Wege werden länger“, warnt EVG-Chef Martin Burkert in BILD. Die Folge: Fahrzeiten verlängern sich enorm, Fahrgäste müssten dann mit langsameren Regio-Zügen zum nächstgelegenen Fernbahnhof fahren.

Laut Burkert dürfe Italo nicht nur Deutschlands Metropolen bedienen: „Wer auf den Hauptstrecken ordentlich Kasse machen will, darf sich nicht zu fein sein, um Städte wie Schwerin, Augsburg oder Jena anzufahren.“

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.