Die Mieten waren in der DDR billig, auch die Waren des täglichen Bedarfs, Tickets für den Nahverkehr oder Eintrittskarten kosteten nicht viel. Dafür waren die Löhne und Gehälter im Vergleich zu heute auch niedrig. 1300 DDR-Mark brutto sollen es zum Ende der DDR im Schnitt gewesen sein. Auf KURIER-Aufruf haben sich jetzt viele Leser gemeldet und berichtet, was sie damals verdient haben.
Große Unterschiede: Was DDR‑Arbeiter wirklich verdienten
„Keine Ahnung, wie ihr auf diese Nettolöhne kommt“, schreibt Bernd Pätzold. „Das hattet ihr vielleicht in Berlin. Der Rest der DDR hatte das nicht.“ Er berichtet, dass er als Facharbeiter für Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 1985 gerade mal knapp 400 DDR-Mark verdient habe und deshalb zum VEB Waggonbau Bautzen gewechselt sei, wo er bis 1989 knapp 800 Ostmark netto bekommen habe.
Eine ganz andere Erinnerung an damals hat Henry Wendisch. Er schreibt uns, dass er 1976 in Thüringen eine Ausbildung zum Drucker begonnen habe. „Als Jungfacharbeiter mit der Lohngruppe 7 kam ich dann auf ca. 1350 Mark netto.“
Eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ermittelte 1990 die Verdienste von Produktionsarbeitern in der DDR. Laut diesen Zahlen verdiente ein Arbeiter im Schnitt 1153 Mark brutto, ein Meister 1418 Mark und ein Hoch- oder Fachschulabsolvent 1491 Mark.
Ich habe Mitte der 80er-Jahre, bevor ich zur BZ am Abend wechselte, im Kabelwerk Oberspree (KWO) in Berlin-Oberschöneweide gearbeitet – als Facharbeiter für Anlagentechnik. Als Lehrling im ersten Lehrjahr bekam ich 120 Mark.
Nach der Lehre habe ich mit einem Stundenlohn von 3,30 Mark als Gütekontrolleur im Chemielabor begonnen, vier Jahre später war ich bei 4,30 Mark angekommen. Das machte bei einer Arbeitszeit von 43,75 Stunden pro Woche knapp 800 Mark pro Monat plus Geld für Bereitschaftsdienste. Ich hätte aber auch in der Starkstromkabelfabrik des KWO arbeiten können – und im Drei-Schicht-System 1300 Mark und mehr verdient.
Leser berichten: So niedrig waren manche Löhne tatsächlich
Laut dem Internetportal Statista verdiente ein vollzeitbeschäftigter DDR-Arbeitnehmer im Jahr 1989 rund 1300 DDR-Mark – nach 1130 Mark im Jahr 1985 und 1021 Mark im Jahr 1980. Bei den Zahlen beruft sich Statista auf das Amt für Statistik der DDR.
Die Löhne stiegen in den letzten Jahren der DDR rapide an. Noch 1975 lag der Durchschnittslohn bei nur 755 Mark, fünf Jahre später schon bei 889 Mark. Und überdurchschnittlich viel verdienten vor allem Vollzeitbeschäftigte im Drei-Schicht-System. Aber auch nicht überall, wie Mails unserer Leser zeigen.
„1976 begann ich als Ingenieur für Maschinenbau, 715 Mark Lohn, Arbeitszeit 8,75 Stunden, zwanzig Schichten pro Monat“, schreibt uns Wilfried Vogel. Das sei ein Netto-Stundenlohn von 3,14 Mark gewesen. Auch Kerstin Wagner (Jahrgang 1960) berichtet, dass sie viel weniger als der Durchschnitt verdient habe: „Ich habe Emaillierer gelernt und habe in drei Schichten gerade mal zwischen 600 und 700 Mark netto verdient.“ 1986 sei sie auf eine LPG gewechselt und habe nur noch 450 DDR-Mark pro Monat bekommen.

Jürgen Keller glaubt, dass die in der Statistik erwähnten Löhne und Gehälter zu hoch angesetzt sind. „Ich habe 1976 als Gießereifacharbeiter die ersten Jahre mit 3,10 Mark/h bei einem 8,75-Stunden-Arbeitstag zwischen 480 und 520 DDR-Mark bekommen.“ Von 1982 bis 1989 habe er dann als Stahlbauschlosser 700 bis 800 Mark verdient – alles in Vollzeit.
Abseits der Produktion gab es oft sehr viel weniger Lohn und Gehalt, wie mehrere Leser berichten. „Ich hatte Facharbeiter für Schreibtechnik gelernt und habe zuletzt im Büro einer LPG gearbeitet. Mein Monatslohn betrug im Jahr 1989 590 DDR-Mark“, schreibt Kerstin Steurer.
Gerd Reiche verdiente als Souschef im alten Hotel Adlon zuletzt 530 Mark, Krippenerzieherin Uta Hoyer bekam 1975 als Einstiegsgehalt 295 Mark, die stomatologische Schwester Antje Reinhardt erhielt als Vollzeitkraft 450 DDR-Mark.
Wer in der DDR überdurchschnittlich gut verdiente
Es haben sich aber auch viele Leser gemeldet, die überdurchschnittlich gut verdient haben. „Ich bin 1959 geboren, demzufolge in der DDR aufgewachsen“, schreibt uns Micha Koschi. „Ich habe 1100 bis 1400 Mark als Berufskraftfahrer im Tiefbau verdient.“
Weit über dem Schnitt lag auch Dieter Friemann. „Als Turmdrehkranfahrer habe ich zehn Jahre lang bis zur Wende auf Baustellen in der BRD gearbeitet. Vier Wochen West, eine Woche Ost“, erinnert er sich. „Ich hatte die Lohngruppe 8, mehr ging nicht, ausgezahlt monatlich 1800 Mark.“





