Bei Ausgrabungen

Bauarbeiter finden spektakulären Nazi-Panzer – Dresden soll ihn bekommen

Dresden bekommt ein spektakuläres Stück Weltkriegsgeschichte: Ein nahezu vollständig erhaltenes Wehrmachts-Sturmgeschütz wurde zufällig bei Bauarbeiten entdeckt.

Author - Sebastian Krause
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Rost hat ein Sturmgeschütz III der deutschen Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg überzogen. Bauarbeiter hatten den Panzer der Wehrmacht zufällig auf dem Marineflugplatz Nordholz (Landkreis Cuxhaven) entdeckt.
Rost hat ein Sturmgeschütz III der deutschen Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg überzogen. Bauarbeiter hatten den Panzer der Wehrmacht zufällig auf dem Marineflugplatz Nordholz (Landkreis Cuxhaven) entdeckt.Kai Moorschlatt/dpa

Dresden rückt in den Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Weltkriegsfunds: Bauarbeiter haben auf dem Gelände des Fliegerhorsts Nordholz im Landkreis Cuxhaven zufällig ein nahezu vollständig erhaltenes Panzerfahrzeug der Wehrmacht entdeckt. Das 29 Tonnen schwere Sturmgeschütz soll perspektivisch im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden gezeigt werden.

Fund ist von historischer Bedeutung

Mariel Kubatz von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bezeichnete den Fund als „historisch bedeutendes Fundobjekt“. Zugleich machte Kubatz deutlich, wie selten ein derart gut erhaltenes Fahrzeug ist. „In der Regel findet man eher Einzelteile“, sagte er.

Dresden muss auf den Panzer noch warten

Anfang Juni bargen Experten das schwere Kettenfahrzeug mit einem Kran. Doch bevor das Sturmgeschütz nach Dresden kommt, führt sein Weg zunächst nach Niedersachsen. „Das Sturmgeschütz wird im August an das Panzermuseum Munster verbracht und auf Leihbasis zunächst in dessen Ausstellung zu sehen sein“, teilte das Militärhistorische Museum auf Anfrage von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung mit.

Henning Haßmann (r.), niedersächsischer Landesarchäologe, und Andreas Hüser, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven, stehen vor einem von Rost überzogenen Sturmgeschütz III der deutschen Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg.
Henning Haßmann (r.), niedersächsischer Landesarchäologe, und Andreas Hüser, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven, stehen vor einem von Rost überzogenen Sturmgeschütz III der deutschen Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg.Kai Moorschlatt/dpa

Für Dresden bedeutet das: Geduld. Das Fahrzeug werde „vermutlich erst in einigen Jahren in Dresden“ gezeigt, heißt es vom Militärhistorischen Museum auf Anfrage von SZ und LVZ. Auch wie genau das Sturmgeschütz später in die Ausstellung integriert wird, steht noch nicht fest.

Historisch wertvoller Fund für das Museum in Dresden

Dabei würde das Fahrzeug schon jetzt thematisch passen. Das Militärhistorische Museum zeigt seit März die Sonderschau „Wunderwaffen“, in der es um den Zusammenhang von Propaganda und Kriegstechnik in der NS-Zeit geht. Ein „StuG III“ gehört bereits zu den Exponaten.

Das Sturmgeschütz ist ein aussagekräftiges Zeugnis des Zweiten Weltkrieges und des Umgangs mit seinen Hinterlassenschaften nach 1945.

Dr. Gerhard Bauer, Wissenschaftlicher Direktor des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr

In Dresden ist die Freude über das künftige Exponat groß. „Wir freuen uns sehr, diesen historisch wertvollen Fund übernehmen zu dürfen. Das Sturmgeschütz ist ein aussagekräftiges Zeugnis des Zweiten Weltkrieges und des Umgangs mit seinen Hinterlassenschaften nach 1945“, sagt Dr. Gerhard Bauer, Wissenschaftlicher Direktor und Leiter der Abteilung Museumsbetrieb des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr.

Zuerst soll die Ausstellung in Munster umgesetzt werden

Damit das Fahrzeug möglichst schnell der Öffentlichkeit gezeigt werden kann, soll zunächst die Ausstellung im Panzermuseum Munster realisiert werden, teilt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit.

Die spätere Überführung nach Dresden wird mit der „Expertise in der Konservierung und Ausstellung militär- und technikgeschichtlicher Objekte“ des Bundeswehrmuseums begründet. Außerdem verfüge das Museum über ein modernes Depot für Großgeräte, in dem Exponate fachgerecht gelagert werden können, wenn sie nicht ausgestellt sind.

Kleiner als ein Panzer – aber gefährlich

Das gefundene Sturmgeschütz erinnert äußerlich an einen Panzer, ist aber kleiner und wendiger. Anders als klassische Panzer hatte es keinen drehbaren Turm. Um die nach vorn gerichtete Kanone auszurichten, musste das gesamte Fahrzeug bewegt werden.

Das Modell war im Zweiten Weltkrieg weit verbreitet. „Das war ein Bestseller“, sagt Henning Haßmann, Landesarchäologe beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Der Rüstungskonzern Rheinmetall produzierte damals mehr als 9300 Stück. Die Fahrzeuge wurden noch bis April 1945 gefertigt und ausgeliefert, um gegnerische Panzer abzuschießen.

17 Markierungen am Kanonenrohr

Das nun entdeckte Sturmgeschütz gehörte zu einer Brigade aus Nordholz, die vor allem in Frankreich stationiert war. Ob das Fahrzeug auch dort im Einsatz war, ist noch unklar. Experten gehen jedoch davon aus, dass das Sturmgeschütz einige Zeit genutzt wurde.

Rost hat ein Sturmgeschütz III der deutschen Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg überzogen.
Rost hat ein Sturmgeschütz III der deutschen Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg überzogen.Kai Moorschlatt/dpa

Darauf deuten mindestens 17 weiße Markierungen am Kanonenrohr hin. „Für jeden vernichteten Panzer hat man hier wohl offensichtlich eine solche Markierung angebracht“, erklärt Andreas Hüser, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege im Landkreis Cuxhaven.

Im Sand fast konserviert

Nach Einschätzung der Archäologen vergruben die Alliierten das Fahrzeug kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in einem Graben zusammen mit weiterem Militärzubehör. Bei den Ausgrabungen wurden außerdem Munitionsreste und kleinere Granatensplitter gefunden.

Der Blick ins Innere ist sehr eindrucksvoll.

Andreas Hüser, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege im Landkreis Cuxhaven

Das Sturmgeschütz lag am Rand einer Böschung im trockenen Sand – und ist deshalb außergewöhnlich gut erhalten. An einigen Stellen ist noch die Tarnfarbe zu erkennen. Auf einer Seite wirkt das Fahrwerk fast wie neu. Experten vermuten, dass Laufrolle und Räder noch kurz vor Kriegsende ausgetauscht wurden.

Im Innenraum ist es bedrückend eng

Auch der Innenraum ist erhalten. Das Fahrzeug lasse sich problemlos öffnen, sagt Hüser. „Der Blick ins Innere ist sehr eindrucksvoll.“ Der Fahrersitz ist erhalten, ebenso die Vorrichtungen für die Kanone. „Es ist schon bedrückend eng.“

Bedient wurde das Sturmgeschütz von vier Soldaten: Vorn saß der Fahrer, dahinter richtete ein Soldat die Kanone aus. Auf Befehl des Kommandanten wurde geschossen. Ein vierter Soldat war für das Nachladen zuständig.

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