Edler waren die Menschen in der DDR auf Schienen kaum unterwegs: Ab Mitte der 1960er-Jahre war der Schnelltriebwagen VT 18.16, später als Baureihe 175 bekannt, das Aushängeschild der Deutschen Reichsbahn. Als „Neptun“ fuhr er zwischen Berlin, Rostock und Kopenhagen, als „Vindobona“ nach Prag und Wien.
Fahrt im November als „Glühwein-Express“
Nun steht das Comeback des Zug-Stars bevor: Im November soll der historische Triebwagen als „Glühwein-Express“ von Dresden über Berlin nach Heringsdorf auf Usedom rollen. Das berichtet die „Ostsee-Zeitung“.
Es werden nur 120 Tickets pro Fahrt verkauft
Das Interesse ist riesig. Angeboten werden die Fahrten vom Dresdner Reisebüro Maertens. Die mehrtägigen Touren führen unter anderem auch nach Prag, Sylt, Köln oder Heidelberg und kosten zwischen 998 und 1098 Euro.
Technisch betreut wird das Projekt von der SVT Görlitz gGmbH. „Es handelt sich um den historischen VT 18.16, der gerade in Halberstadt aufgearbeitet wird und danach in Radebeul stationiert wird“, sagte Reiseveranstalter Rainer Maertens der „Ostsee-Zeitung“. Pro Fahrt sollen bewusst weniger als 120 Tickets verkauft werden, obwohl der Zug mehr Plätze bietet. „Dies dient einem besseren Komfort im Zug.“
Vorfreude auf den Zug ist groß
Auch auf Usedom ist die Vorfreude groß. Günther Jikeli von den Usedomer Eisenbahnfreunden sagte der „Ostsee-Zeitung“: „Solche Sonderfahrten sind nicht nur ein tolles Gemeinschaftserlebnis für die Teilnehmer, sondern auch eine prima Werbung für das Verkehrsmittel Eisenbahn!“

Der Bahnenthusiast, der sich mit vielen Mitstreitern für einen Wiederaufbau der Südanbindung Usedoms über die 1945 zerstörte Karniner Hubbrücke einsetzt, ist überzeugt: „Bahnfahren ist wieder im Kommen: Ob mit dem Deutschlandticket oder eben als touristisches Reiseerlebnis mit einem solchen Sonderzug.“
Letzte planmäßige Einsätze im Jahr 2003
Der stromlinienförmige Zug war einst für den hochwertigen internationalen Fernverkehr gebaut worden. Zwischen 1963 und 1968 fertigte der VEB Waggonbau Görlitz acht Exemplare. Die vier- bis zehnteilige Einheit mit zwei Triebköpfen und Mittelwagen war für Tempo 160 ausgelegt.
Bahnfahren ist wieder im Kommen: Ob mit dem Deutschlandticket oder eben als touristisches Reiseerlebnis mit einem solchen Sonderzug.
Nach der Wende 1989 kamen noch innerdeutsche Verbindungen und Sonderfahrten hinzu, die letzten planmäßigen Einsätze endeten 2003. Seit Jahren wird der restaurierte „Görlitzer“ nun bei der Verkehrs-Industrie-Systeme GmbH in Halberstadt aufgearbeitet. Ehrenamtliche Bahnfreunde arbeiten seit rund acht Jahren an dem Projekt „Ein Zug für Mitteldeutschland“.
Probefahrten mit einigen Schwierigkeiten
Ganz reibungslos lief das bislang nicht: Der Schnelltriebwagen absolvierte bereits mehrere Probefahrten – nicht ohne Schwierigkeiten. „Bei der letzten Probefahrt sind einige Probleme am Motor aufgetreten“, sagte Maertens. Nach Angaben der SVT Görlitz gGmbH soll der Schaden behoben werden. Geplant ist, dass der Zug am 14. Juni 2026 an seinen neuen Heimatstandort Radebeul überführt wird.
Trotz der Rückschläge bleibt der Optimismus groß. Der ehrenamtliche Geschäftsführer der SVT Görlitz gGmbH, Mario Lieb, spricht von lösbaren Problemen. Zuletzt hatte ein Motor aus dem Baujahr 1968 einen Kolbenfresser erlitten. Unterstützung kam von der ITL Eisenbahngesellschaft in Pirna, wo Mitarbeiter an den historischen Motoren geschult wurden.
SVT Görlitz soll einziger betriebsfähiger Zug bleiben
Die Nachfrage nach den Sonderfahrten ist laut Veranstalter hoch. Viele Gäste kommen aus Dresden und Chemnitz, auch aus Österreich und anderen Ländern liegen bereits Buchungen vor. Maertens weist allerdings darauf hin, dass technische Risiken bei historischen Fahrzeugen nie ganz ausgeschlossen werden können.

„Wer einen VT 18.16 gebucht hat, bekommt auch einen VT 18.16“, sagte er. Sollte der Zug wegen eines Defekts nicht fahren können, würden Reisende ihr Geld zurückerhalten. Besonders ist das Comeback auch deshalb, weil der SVT Görlitz künftig der einzige betriebsfähige Zug seines Typs bleiben soll. Ein weiteres Fahrzeug steht als Museumszug in Berlin-Lichtenberg, ein anderer Wagen befindet sich in Privatbesitz im Raum Chemnitz.




