Comeback auf der Schiene

Restaurierter DDR-Schnelltriebwagen SVT Görlitz besteht erste Werksprobefahrt

Comeback mit Kultfaktor: Der DDR-Prestigezug SVT Görlitz rollt wieder. Eine erste Probefahrt fand im Harz statt. Reguläre Fahrten sind bald geplant.

Author - Sebastian Krause
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Wenn die Zulassung erteilt ist, könnte der Schnelltriebwagen vom Typ SVT Görlitz wieder fahren.
Wenn die Zulassung erteilt ist, könnte der Schnelltriebwagen vom Typ SVT Görlitz wieder fahren.Matthias Bein/dpa

Nach Elektrik- und Bremsproblemen im vergangenen Jahr hat der legendäre Schnelltriebwagen SVT Görlitz seine Rückkehr auf die Strecke eingeläutet. Auf der Verbindung Halberstadt–Blankenburg absolvierte der vierteilige Zug seine erste Werksprobefahrt.

Fahrten sind für das zweite Quartal 2026 geplant

„Das ist die erste Werksprobefahrt gewesen“, sagte Gunnar Kloß von der SVT Görlitz gGmbH nach dem Test. „Jetzt geht es mit Probefahrten, Abnahmefahrten und Ausbildungsfahrten weiter.“ Ziel sei es, im zweiten Quartal wieder Fahrgäste an Bord zu nehmen.

80 Ehrenamtliche arbeiten an der Inbetriebnahme

Der Zug ist eine Leihgabe des DB Museums Nürnberg; die technische Aufarbeitung erfolgt bei VIS Verkehrs Industrie Systeme in Halberstadt. Organisiert wird das Projekt von der gemeinnützigen SVT Görlitz gGmbH.

Hinter der Wiederinbetriebnahme stehen rund 80 Ehrenamtliche, die Spenden und Fördermittel sammeln. Für die Sanierung wurde der Triebzug in Tausende Einzelteile zerlegt und von den Motoren über Kühlereinheiten, Fenster und historische Leuchten bis hin zu neu gewebten Gardinen aufgearbeitet.

Die Schnelltriebwagen vom Typ SVT Görlitz sollen zwischen 1963 und 1968 gebaut worden sein.
Die Schnelltriebwagen vom Typ SVT Görlitz sollen zwischen 1963 und 1968 gebaut worden sein.Matthias Bein/dpa

40 bis 50 Fahrten pro Jahr sind geplant

Nach Abschluss der Arbeiten soll der historische Triebwagen für Sonderfahrten eingesetzt werden. Geplant ist, dass er künftig rund 40- bis 50-mal im Jahr unterwegs ist und für Charterfahrten gebucht werden kann. Die Einnahmen sollen langfristig auch künftige Wartungen und Hauptuntersuchungen finanzieren.

Der aktuelle Fortschritt ist bemerkenswert. 2025 mussten alle Fahrten wegen Defekten an Elektrik und Bremsanlage abgesagt werden – ein Problem, das sich erst während der Inbetriebnahme zeigte. Jetzt, nach Nacharbeiten, rollt der Zug wieder zu Prüfzwecken.

Was den SVT Görlitz besonders macht

Der SVT Görlitz war das Prestige-Fahrzeug der Deutschen Reichsbahn für den internationalen Verkehr – mit stromlinienförmiger Front und markanter „Nase“, dieselhydraulischem Antrieb und einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde. Gebaut wurde er im VEB Waggonbau Görlitz. Acht Züge entstanden zwischen 1963 und 1968.

In den 1960er- und 70er-Jahren verband der Triebzug unter anderem Berlin mit Prag und Wien. Auf vielen DDR-Strecken galt allerdings ein Tempolimit von 120 km/h. Nach heutigem Stand sind nur noch wenige Fahrzeuge oder Teile dieses Typs erhalten.

Visitenkarte der ostdeutschen Fahrzeugindustrie

Mit seinen zwei 1000‑PS‑Dieselmotoren in den Triebköpfen, Scharfenberg-Kupplungen und der für internationale Relationen konzipierten Ausstattung galt der SVT in der DDR als Antwort auf die TEE-Triebzüge im Westen. Zugleich galt er als Visitenkarte der ostdeutschen Fahrzeugindustrie. 

Sein bekanntester Einsatz führte als „Vindobona“ von Berlin über Prag nach Wien. Weitere Namen waren „Neptun“ (Berlin–Kopenhagen), „Berlinaren“ (Berlin–Malmö, via Fährpassage) sowie „Karlex/Karola“ (Berlin/Leipzig–Karlovy Vary).

Der Schnelltriebwagen war für 160 Kilometer pro Stunde zugelassen. Der SVT Görlitz soll nach Abschluss aller Arbeiten für Sonderfahrten eingesetzt werden.
Der Schnelltriebwagen war für 160 Kilometer pro Stunde zugelassen. Der SVT Görlitz soll nach Abschluss aller Arbeiten für Sonderfahrten eingesetzt werden.Matthias Bein/dpa

Eisenbahnfans freuen sich auf „ICE des Ostens“

Mit den jetzt anstehenden Abnahme- und Ausbildungsfahrten rückt der Publikumsbetrieb näher. Sollte der Zulassungsprozess wie geplant laufen, könnten Eisenbahnfans den „ICE des Ostens“ bald wieder im Sonderverkehr erleben.

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