Die wirtschaftliche Unsicherheit ist auch bei Berufseinsteigern angekommen. Früher war ein Studium die sichere Eintrittskarte in die Jobwelt. Aber die Zeiten haben sich geändert. Absolventen müssen teilweise längere Suchzeiten einplanen, was vor allem an weniger Stellenangeboten liegt.
Jahr für Jahr kommen mehr Akademiker auf den Markt
Unternehmen stellen vorsichtiger ein, zudem kommen Jahr für Jahr mehr Akademiker auf den Markt. Ist die „gute alte Ausbildung“ die Lösung?
Christoph Möller, Chef der Agentur für Arbeit Berlin Nord, stellt fest: „Wir haben insgesamt deutlich mehr Interesse an Ausbildungsberufen. Wir haben mehr Interesse an Berufen im öffentlichen Dienst. Wir haben mehr Interesse an Handwerksberufen.“
Was nicht zuletzt auch am Thema Sicherheit liegt. Möller: „Wir erleben auf jeden Fall, dass Jugendliche ihr Verhalten an die gefühlte oder tatsächliche Wirtschaftslage anpassen. Und das ist eigentlich eine gute Entwicklung. Denn das Handwerk hat wirklich guten Boden und bietet gute Karrierechancen. Aber auch die duale Ausbildung in der Industrie, im Handel etc. – das sind alles Berufe, die sehr zukunftsfest sind. Manche werden sich verändern, aber es wird sie weiterhin geben.“
Möller weiter: „Dieser Trend: Ich möchte White-Collar-Sachen machen (White-Collar-Jobs sind Tätigkeiten am Schreibtisch oder im Homeoffice – d. Red.), ich möchte studieren, ich möchte zum Start-up oder Influencer werden – den höre ich jetzt auch nicht mehr so oft. Es ist tatsächlich so, dass Jugendliche durchaus Wirtschaftsnachrichten hören und lesen und sich entsprechend orientieren. Und Sicherheit steht schon weit vorne.“

Lutz Neumann von der Agentur für Arbeit Berlin-Mitte: „Sicherheit spielt immer eine Rolle am Arbeitsmarkt – bei jungen Leuten wie auch bei anderen. Ich glaube aber auch, dass es durch die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt für viele junge Leute, die vom Studium kommen, deutlich schwerer geworden ist, einzusteigen. Man sieht, dass das Studium allein eben noch nicht die Eintrittskarte in einen Job oder in einen guten Job ist.“
Deswegen ist die Ausbildung 2026 wieder „in“. Neumann: „Ein Trend, den wir wahrnehmen – insbesondere die Kollegen aus der Berufsberatung –, ist, dass wieder mehr Abiturienten in die Ausbildung streben und weniger ins Studium. Ich glaube, da dreht sich gerade ein bisschen etwas, weil viele Jugendliche merken, dass nicht nur das Studium ein guter Weg ist, sondern auch eine Ausbildung. Das bestätigen im Übrigen auch die Arbeitgebenden.“
Neumann weiter: „Bei den Bewerbungen auf Ausbildungsstellen sehen wir mittlerweile wieder mehr junge Leute mit Abitur, die eine Ausbildung machen wollen.“
Kaufmann für Büromanagement – das ist der Favorit der Bewerber
Welche Berufe bei den Bewerbern am beliebtesten sind? Die, die seit Jahren ganz oben stehen. An der Spitze stehen zum Beispiel in Berlin-Mitte der Kaufmann für Büromanagement, der Kfz-Mechatroniker und der medizinische Fachangestellte.
Bei jungen Männern ganz oben: der Kfz-Mechatroniker. Bei jungen Frauen: die medizinische Fachangestellte. Ausgebildet wird in Mitte am Ende vor allem in den Jobs Einzelhandelskaufmann, Verkäufer und Kaufmann für Büromanagement. Es folgen Hotelfachmann und Koch.





