Kaum ein anderes Vorhaben der schwarz-roten Koalition sorgt für so viel Zündstoff wie die geplante Ausbildungsplatz-Abgabe in Berlin. Die Idee klingt simpel: Mehr Geld soll mehr Azubiplätze bringen. Doch ob das funktioniert, darüber streiten Politik und Wirtschaft heftig. Für Azubis und Bewerber könnte das Gesetz große Auswirkungen haben.
Gesetz in Arbeit – Entscheidung noch offen
Die SPD drückt in Sachen Ausbildungsplatz-Abgabe seit Langem aufs Tempo, auch Linke und Grüne stehen hinter dem Konzept. Aus der CDU kommen gemischte Signale. Wirtschaftsverbände hingegen laufen Sturm – für sie ist die Abgabe völlig fehlgeleitet. Das Abgeordnetenhaus soll in der ersten Jahreshälfte 2026 entscheiden, die Detailberatungen starten bereits im Januar.

Der Plan: Arbeitgeber zahlen künftig in einen Fonds ein – egal, ob sie selbst ausbilden oder nicht. Aus diesem Topf sollen Betriebe, die Azubis einstellen, für jeden Ausbildungsplatz einen festen Betrag zurückbekommen, mehr als sie eingezahlt haben. Die Höhe der Abgabe ist noch offen. Start wäre frühestens 2028.
Warum die Abgabe kommen soll
Die Befürworter verweisen auf eine alarmierende Situation: „Der Berliner Ausbildungsmarkt befindet sich weiterhin in einer eklatanten Schieflage“, warnt Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD). Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) kommen aktuell 166 Bewerber auf 100 Ausbildungsplätze. Nur 15,2 Prozent der Berliner Betriebe bilden überhaupt aus. Ziel der Umlage: mehr betriebliche Ausbildungsplätze und ein faireres Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

Auch der DGB drängt auf schnelle Umsetzung. „Ausbildung ist eine Investition, die ein Unternehmen für die gesamte Branche tätigt“, sagt Nele Techen. Wenn alle zahlen, werde die Last für den Einzelnen leichter. Kiziltepe betont: „Am Ende profitieren auch nicht ausbildende Betriebe, weil ihnen ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen.“
Wirtschaft läuft Sturm gegen das Gesetz
Ganz anders sieht das die Berliner Wirtschaft. „Die Abgabe schafft keine zusätzlichen Ausbildungsplätze und hilft keinem Jugendlichen dabei, beruflich Fuß zu fassen“, kritisiert IHK-Präsident Sebastian Stietzel. Er warnt vor mehr Bürokratie und zusätzlichen Kosten – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

In einem offenen Brief an das Abgeordnetenhaus lehnten mehrere Verbände die Umlage ab. Sie treffe auch kleine Betriebe, die trotz Bemühungen keine Azubis finden, oder Mittelständler, die Fachkräfte über duale Studiengänge qualifizieren. Stefan Moschko von den Unternehmensverbänden nennt das Gesetz „ein Rezept aus der arbeitsmarktpolitischen Mottenkiste“.
Die Wirtschaft hofft weiter auf ein Einlenken der Politik. „Wir erwarten, dass die Vernunft siegt“, sagt Stietzel. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – die Debatte dürfte hitzig bleiben.



