Wie schon im Jahr 2024 sind auch 2025 weniger Geflüchtete nach Berlin gekommen. Trotzdem will Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) mehr Plätze für dezentrale Unterbringung schaffen. Der Streit mit dem Koalitionspartner CDU ist programmiert.
Der Grund für Kiziltepes Vorstoß ist ganz einfach: Sie rechnet 2026 trotz sinkender Zugangszahlen mit einem steigenden Bedarf an Unterkünften für Flüchtlinge in Berlin. „Unsere Prognosen gehen von einem wachsenden Platzbedarf aus“, sagte die SPD-Politikerin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Mieten in Berlin für Geflüchtete zu teuer
Schon jetzt sind die vorhandenen Kapazitäten fast ausgeschöpft. Von 39.874 Plätzen in Unterkünften des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten waren Mitte Dezember 38.087 belegt – mehr als 95 Prozent. Auszüge gibt es kaum. Viele Geflüchtete bleiben länger als geplant in der Unterkunft, obwohl ihre Anträge schon entschieden sind und sie in reguläre Wohnungen umziehen könnten. Der Berliner Wohnungsmarkt lässt ihnen aber kaum Alternativen. Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware.
Besonders deutlich zeigt sich der Druck, mehr Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen, bei der hohen Zahl Geflüchteter aus der Ukraine. „Wir verzeichnen seit einigen Monaten einen Anstieg bei den ukrainischen jungen Männern“, sagte Kiziltepe. Sie können ihr Land inzwischen legal verlassen, was sich direkt in den Zugangszahlen niederschlägt. „Wir hatten zum Beispiel im Frühjahr 300 bis 400 Zugänge aus der Ukraine pro Monat, aktuell sind es 1300 Zugänge.“

Kaum Platz für Neuankömmlinge in Berlin
Während die bestehenden Unterkünfte also fast voll sind und wenig Fluktuation herrscht, rechnet der Senat auch 2026 weiter mit Neuankömmlingen. Kiziltepe: „Für diese Entwicklung muss Berlin gewappnet sein und auch darauf reagieren können. Es ist unsere Pflicht, diese Menschen menschenwürdig unterzubringen. Es gilt das Grundrecht auf Asyl.“
Die Senatorin will deshalb weitere Hostels anmieten, wenn es nötig ist. Schon jetzt gibt es knapp 3300 Plätze in rund 20 Hostels, von denen Mitte Dezember 3100 belegt waren. Für die Senatorin ist das jedoch nur eine Notlösung. Eigentlich hatte sie auf ein 2024 beschlossenes Programm zum Aufbau von bis zu 16 dezentralen Containerdörfern gesetzt – auch aus Kostengründen.
Doch dieses Programm liegt auf Eis. CDU und SPD stoppten im November die Planungen für die zuletzt noch elf vorgesehenen Standorte, weil die Unterkünfte – wie es hieß – vorerst nicht erforderlich seien. Stattdessen konzentriert sich die Koalition auf große Standorte wie Tegel und Tempelhof sowie eine weitere Immobilie an der Hasenheide.
In Tegel entsteht in diesem Jahr ein neues Ankunftszentrum nach EU-Standard mit Platz für 2600 Geflüchtete. Zusätzlich sollen 500 Plätze in einer temporären Notunterkunft im Terminal C als Reserve dienen. In Tempelhof sind neben den bestehenden 1400 Plätzen mindestens 1100 weitere Plätze in Wohncontainern geplant.

Hohe Kosten für Hostels sind Geldverschwendung
„Ich habe immer wieder gesagt: Für das Land Berlin ist es kostengünstiger, wenn wir die Menschen in dezentralen Unterkünften unterbringen – ob in Containern oder in Gebäuden“, sagte Kiziltepe. Das gestoppte Wohncontainerprogramm umfasste nach ihren Angaben 3300 Plätze.
„Jetzt ist die Entscheidung so gefallen. Ich bin weiterhin der Meinung, dass eine dezentrale Unterbringung in landeseigenen Unterkünften am besten ist für die Integration der Menschen und für den angespannten Berliner Haushalt“, so Kiziltepe. „Zwar wird jetzt ebenfalls dezentral untergebracht, allerdings in deutlich teureren Hostels und Hotels. Ich befürchte, die Unterbringung in Hotels und Hostels könnte ein Fall für den Landesrechnungshof werden.“





