Die Nacht zu Sonntag war für Zehntausende Berliner ein Albtraum aus Kälte, Dunkelheit und Unsicherheit. Im Südwesten der Stadt herrscht Ausnahmezustand. Strom weg, Heizung tot, Straßen schwarz wie ein Tunnel. Viele packten in aller Eile Taschen, suchten Schutz bei Freunden, Familie oder in einer der Notunterkünfte. Andere blieben in ihren ausgekühlten Wohnungen zurück – wie viele, wusste niemand.
Der Blackout hatte am frühen Samstagmorgen begonnen. Ein Feuer an einer Kabelbrücke über dem Teltowkanal, direkt zum Kraftwerk Lichterfelde führend, zerstörte zentrale Leitungen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Ein Bekennerschreiben liegt vor, der Staatsschutz prüft.
Die linksradikale Vulkangruppe hat sich zu dem Anschlag bekannt und schwafelt etwas von „gemeinwohlorientierter Aktion“. Das werden über 40.000 betroffene, frierende Berliner wohl etwas anders sehen.
Seit der Nacht: Rund 10.000 Haushalte haben wieder Strom
Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee, Lichterfelde – ganze Stadtteile sind ohne Strom. Und das nicht nur für ein paar Stunden. Der Netzbetreiber spricht von schweren Schäden, komplizierten Reparaturen, einer Notlage, die sich über Tage ziehen wird. In Adlershof waren nur zwei Hochspannungskabel betroffen, diesmal sind es sogar fünf!
Erst am Donnerstagnachmittag sollen alle Haushalte wieder am Netz sein. Problem: Zur Reparatur der Kabel braucht es Plusgrade. Normalerweise würde die Verlegung solcher Kabel fünf Wochen dauern. Jetzt muss ein Provisorium in Rekordzeit her. „Sie können sich darauf verlassen, dass wir versuchen, alles zu tun, um in fünf Tagen fertig zu sein“, sagt Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Sonntagvormittag.

Inzwischen haben erste Haushalte wieder Strom, meldet Stromnetz Berlin. Seit 0.42 Uhr geht der Strom wieder in 2580 Haushalten in Lichterfelde und Zehlendorf, am Vormittag waren dann schon wieder 10.000 Haushalte zurück am Netz, wie die Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) verkündete.
Während draußen Schnee fällt und die Temperaturen sinken, versucht der Bezirk Steglitz‑Zehlendorf, die Menschen warm und sicher durch die Nacht zu bringen. Notunterkünfte wurden geöffnet, Kirchenhäuser stellten Räume bereit, das Rathaus Zehlendorf sein Foyer. Ab Sonntagmorgen sollten weitere Wärmepunkte folgen. Doch der Bezirk rät klar: Wer kann, soll bei Freunden oder Verwandten unterkommen. Niemand weiß, wie lange die Dunkelheit bleibt.
Noch sind die Notunterkünfte nur schwach gefüllt. 250 Betten stehen bereit, doch viele kommen nur kurz vorbei – zum Aufwärmen, zum Handyladen, für heißes Wasser in der Thermoskanne. Eine warme Mahlzeit gibt es auch.
Doch Bezirksstadtrat Tim Richter warnt: Die Lage wird sich zuspitzen. Die Wohnungen sind noch nicht völlig ausgekühlt, aber die kommenden Nächte bringen Frost. Ohne Strom laufen keine Heizungen, keine Pumpen, keine Regler. Selbst die Fernwärme stockt.

Draußen patrouilliert die Polizei mit Hunderten Beamten. Die Polizei kündigte verstärkte Streifenfahrten in der Dunkelheit an. Man habe rund 300 Polizisten zusätzlich in dem Gebiet im Einsatz. Die Straßen sind dunkel, verschneit, unheimlich. Lichtmasten werden aufgebaut, um wenigstens etwas Sicherheit zu schaffen. Alarmanlagen funktionieren nicht, Supermärkte mussten schon tagsüber schließen. Nichts geht ohne Elektrizität. Der S-Bahn-Verkehr auf der Linie S1 am Bahnhof Wannsee wurde nach dem Stromausfall eingestellt, Busse fahren als Ersatzverkehr.
Die Polizei fährt mit Lautsprecherwagen durch die Straßen
Besonders heikel: Im betroffenen Gebiet liegen mehrere Pflegeheime. Einige Bewohner mussten verlegt werden. Krankenhäuser schalteten auf Notstrom um. Die Polizei fährt mit Lautsprecherwagen durch die Straßen, gibt Hinweise, mahnt zur Vorsicht. Mobiltelefone sollen sparsam genutzt werden. Nachbarn sollen aufeinander achten, besonders auf ältere und hilfsbedürftige Menschen. Taschenlampen und batteriebetriebene Lampen werden zur wichtigsten Ausrüstung der Nacht.

„Das Ausmaß ist größer als bei dem Stromausfall in Adlershof im September 2025“, erklärte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Menschen, die bei Freunden oder Familienangehörigen außerhalb der betroffenen Gebiete unterkommen könnten, sollten dies tun, riet sie.






