Zehntausende im Südwesten Berlins sind immer noch ohne Strom und oft ohne Heizung. Viele sind wütend, fühlen sich alleingelassen. Auch von der Politik. Besonders vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU), von dem man am Samstag gar nichts hörte. Auf einer Pressekonferenz vor Ort verteidigt er sich.
Zusammen mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) besuchte Kai Wegner am Vormittag die betroffenen Kieze. Während die beiden Frauen detailliert Auskunft geben, wirkt der Regierende nicht sonderlich informiert. Auf die Frage, was er denn am Samstag gemacht hätte, sagt er: „Ich habe mich gestern weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt. Ich war zu Hause und habe mich in mein Zuhausebüro eingeschlossen und koordiniert.“
Kai Wegner: „Ich kann verstehen, dass die Menschen wütend sind“
Wegner zählt auf, was er alles getan hat: mit der Senatorin telefoniert, mit dem Bundesinnenministerium telefoniert. Er habe sich den ganzen Vormittag die Frage gestellt, warum die Reparatur bis Donnerstag dauern soll. Und er sagt: „Ich kann verstehen, dass die Menschen wütend sind und Fragen haben.“
Vor Ort ließ Wegner den beiden SPD-Senatorinnen den Vortritt, ließ sie erklären, was alles getan werden müsse. Giffey war erst einmal froh, dass schon wieder 10.000 Haushalte zurück am Stromnetz seien. Doch Hoffnungen, dass die Kabel schneller als gestern angekündigt repariert werden könnten, macht sie nicht. „Wir haben die Witterungsbedingungen, eine sehr hohe Zahl an Hochspannungskabeln. Im Moment müssen wir ganz klar sagen: Wir müssen uns auf Donnerstag einstellen.“

Das Mega-Problem: Während bei dem Anschlag auf das Stromnetz in Adlershof (Treptow-Köpenick) im September nur zwei Hochspannungskabel betroffen waren, sind es diesmal fünf! Und diese Kabel können nur bei Plusgraden ersetzt werden, die Baustelle muss dabei absolut sauber sein.
Rentner sitzen fest: Feuerwehr ist ausgerückt
Insgesamt gibt es in Berlin 35.000 Kilometer Stromnetze – das ist bis Neuseeland und zurück! „99 Prozent sind unterirdisch, ein Prozent liegt noch oben“, sagt Giffey.
Innensenatorin Spranger wird gefragt, wie den Rentnern geholfen werde, deren Fahrstühle nicht mehr fahren. „Die Feuerwehr ist unterwegs zu jedem Einzelnen, um zu helfen“, erklärt die SPD-Politikerin. „Wenn Sie Nachbarn kennen, die älter sind, dann melden Sie sich. Wir klingeln auch an Türen.“



