„Alles war tot“

Wie ein Berliner den Blackout in Wannsee erlebt

Stromausfall im Südwesten: Ein Berliner schildert seine Odyssee durch Berlin und Potsdam. Dunkelheit, Kälte, leere Regale – so hart traf der Blackout die Menschen.

Author - Stefan Henseke
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Eine Kerze, ein Teelicht und eine Taschenlampe liegen bereit: So duster sah es am Samstagabend im Wohnzimmer unseres Kollegen Norbert Koch-Klaucke aus.
Eine Kerze, ein Teelicht und eine Taschenlampe liegen bereit: So duster sah es am Samstagabend im Wohnzimmer unseres Kollegen Norbert Koch-Klaucke aus.Norbert Koch-Klaucke, Emmanuele Contini

Samstagfrüh um 8 Uhr wusste unser Kollege Norbert Koch-Klaucke, dass der Tag kein guter werden würde. Sein Vater liegt gerade im Krankenhaus, er wollte nur kurz im Internet nachschauen, wie die Telefonnummer der Klinik ist. Aber: Kein Internet, kein Telefon, kein Strom, alles tot. Mein Kollege wohnt im Stadtteil Wannsee – mitten in der Region im Südwesten Berlins, die vom Stromausfall lahmgelegt ist.

Der Abend war gespenstisch, erzählt Norbert Koch-Klaucke am Handy, das er mit ein paar Runden im Auto aufgeladen hat. Die Straße dunkel, zu Hause alles kalt und düster, nur ein paar Kerzen sorgten für schummriges Licht. In der Wohnung sind es nur noch 14 Grad, ins Bett ging es dick angezogen, mit Norwegen-Unterwäsche. Vorsichtshalber hat er Wasser in Eimer gefüllt – als Notreserve, falls die Rohre zufrieren.

Der ganze Samstag wurde zu einer Odyssee mit dem Auto

„Ich hatte gar nichts zu Hause“, erzählt mein Kollege. „Mit meiner Frau bin ich mittags erst einmal in einen Supermarkt nach Potsdam gefahren. Wir haben heißen Kaffee getrunken, um uns aufzuwärmen, Batterien, Kerzen und Teelichter gekauft.“ Nur Taschenlampen hätte er als passionierter Angler zu Hause gehabt.

Der ganze Samstag wurde zu einer Odyssee mit dem Auto. Erst sei er zu Freunden gefahren, um Powerbanks aufzuladen. Dann zum Baumarkt, um einen benzingetriebenen Generator für 220 Euro und zwei Campingkocher zu kaufen. Doch laufen tut davon immer noch nichts.

Stromausfall: Zehlendorfer auf großer Irrfahrt

Für den Generator muss mein Kollege noch Motoröl besorgen, für die Campingkocher fehlen die passenden Ventile. „Die gab es nirgends, wir sind von Baumarkt zu Baumarkt gefahren“, erzählt er. Getroffen hätten sie aber überall Zehlendorfer, die die gleiche Irrfahrt hinter sich gehabt hätten.

Froh war mein Kollege nur, dass sein Vater in einem Charlottenburger Krankenhaus liegt. Die haben Strom. Der Vater aber kennt das Strom-Chaos. Eigentlich wohnt er in Berlin-Adlershof: Und dort fiel im September der Strom für mehrere Tage aus.

Sind Sie auch betroffen? Bitte schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen mit dem Stromausfall an:leser-bk@berlinerverlag.com