Während im Südwesten der Hauptstadt zehntausende Haushalte ohne Strom sitzen, frieren Kühlschränke, Router und Nerven gleichermaßen ein. Willkommen im Jahr 2026, mitten in Deutschland, einer der größten Volkswirtschaften der Welt – und doch wirkt die Hauptstadt manchmal wie ein schlecht gewarteter Provinzbahnhof kurz vor Betriebsschluss.
Die Hilflosigkeit des Senats
Man hört die Stimmen aus dem Senat, man hört sie deutlich – aber man hört vor allem, was sie nicht sagen.
Franziska Giffey klingt in ihren Statements bemüht-zuversichtlich, irgendwo zwischen „Wir nehmen das ernst“ und „Bitte keine weiteren Nachfragen“.
Iris Spranger bleibt im Tonfall der inneren Sicherheit: Lage im Blick, Einsatzkräfte unterwegs, Ursachenprüfung läuft. Alles sehr korrekt, alles sehr abstrakt – nur leider ohne Licht.
Und dann der Regierende Bürgermeister selbst: Kai Wegner. Seine Antworten: dünn, vorsichtig, ausweichend. Man merkt förmlich, wie jedes Wort dreimal gewogen wird, damit es bloß keine Verantwortung trägt.

Das gleiche Muster wie in Köpenick
Das Muster ist bekannt. Schon im September in Köpenick: großflächiger Stromausfall, tagelange Einschränkungen, eine Infrastruktur am Limit – und danach? Eine Mischung aus Achselzucken, Prüfaufträgen und dem Versprechen, man werde Lehren ziehen. Offenbar waren diese Lehren stromsparend.
Dabei ist das eigentlich Absurde nicht der Ausfall selbst. Netze sind komplex, Störungen passieren. Das Absurde ist die hilflose Kommunikation einer Stadtregierung, die bei jeder Krise klingt, als sei sie selbst überrascht, dass eine moderne Metropole verlässliche Energieversorgung braucht. Berlin spricht gern von Resilienz, Transformation und Zukunft – scheitert aber regelmäßig an Kabeln aus der Gegenwart.
Früher waren wir Weltspitze
Und das alles in einem Land, das wirtschaftlich zur Weltspitze gehört. Deutschland, Exportnation. Deutschland, Industriegigant. Deutschland, Land der Ingenieure, Netze, Normen und Sicherungen. Während anderswo in der Welt ganz andere Probleme herrschen – politische Instabilität, echte Versorgungsnot, systemische Zusammenbrüche – diskutiert Berlin darüber, warum in einer europäischen Hauptstadt wieder einmal zehntausende Menschen im Dunkeln sitzen.



