Hauptstadt im Blackout

Berlin kriegt die Lichter nicht mehr an

Berlin steht plötzlich im Dunkeln. Zehntausende Haushalte sind ohne Strom, während aus dem Senat viele Worte kommen, aber kaum spürbare Energie.

Author - Stefan Tappert
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04.01.2026, Berlin: Kai Wegner (CDU, M), Regierender Bürgermeister von Berlin, spricht während eines Stromausfalls im Südwesten Berlin.
04.01.2026, Berlin: Kai Wegner (CDU, M), Regierender Bürgermeister von Berlin, spricht während eines Stromausfalls im Südwesten Berlin.Sebastian Gollnow

Während im Südwesten der Hauptstadt zehntausende Haushalte ohne Strom sitzen, frieren Kühlschränke, Router und Nerven gleichermaßen ein. Willkommen im Jahr 2026, mitten in Deutschland, einer der größten Volkswirtschaften der Welt – und doch wirkt die Hauptstadt manchmal wie ein schlecht gewarteter Provinzbahnhof kurz vor Betriebsschluss.

Die Hilflosigkeit des Senats

Man hört die Stimmen aus dem Senat, man hört sie deutlich – aber man hört vor allem, was sie nicht sagen.
Franziska Giffey klingt in ihren Statements bemüht-zuversichtlich, irgendwo zwischen „Wir nehmen das ernst“ und „Bitte keine weiteren Nachfragen“.
Iris Spranger bleibt im Tonfall der inneren Sicherheit: Lage im Blick, Einsatzkräfte unterwegs, Ursachenprüfung läuft. Alles sehr korrekt, alles sehr abstrakt – nur leider ohne Licht.
Und dann der Regierende Bürgermeister selbst: Kai Wegner. Seine Antworten: dünn, vorsichtig, ausweichend. Man merkt förmlich, wie jedes Wort dreimal gewogen wird, damit es bloß keine Verantwortung trägt.

Ingeborg aus Lichterfelde wird während eines Stromausfalls im Südwesten Berlins aus einer Notunterkunft abgeholt.
Ingeborg aus Lichterfelde wird während eines Stromausfalls im Südwesten Berlins aus einer Notunterkunft abgeholt.Sebastian Gollnow

Das gleiche Muster wie in Köpenick

Das Muster ist bekannt. Schon im September in Köpenick: großflächiger Stromausfall, tagelange Einschränkungen, eine Infrastruktur am Limit – und danach? Eine Mischung aus Achselzucken, Prüfaufträgen und dem Versprechen, man werde Lehren ziehen. Offenbar waren diese Lehren stromsparend.

Dabei ist das eigentlich Absurde nicht der Ausfall selbst. Netze sind komplex, Störungen passieren. Das Absurde ist die hilflose Kommunikation einer Stadtregierung, die bei jeder Krise klingt, als sei sie selbst überrascht, dass eine moderne Metropole verlässliche Energieversorgung braucht. Berlin spricht gern von Resilienz, Transformation und Zukunft – scheitert aber regelmäßig an Kabeln aus der Gegenwart.

Früher waren wir Weltspitze

Und das alles in einem Land, das wirtschaftlich zur Weltspitze gehört. Deutschland, Exportnation. Deutschland, Industriegigant. Deutschland, Land der Ingenieure, Netze, Normen und Sicherungen. Während anderswo in der Welt ganz andere Probleme herrschen – politische Instabilität, echte Versorgungsnot, systemische Zusammenbrüche – diskutiert Berlin darüber, warum in einer europäischen Hauptstadt wieder einmal zehntausende Menschen im Dunkeln sitzen.

Die Stelle, an der eine Kabelbrücke gebrannt hat.
Die Stelle, an der eine Kabelbrücke gebrannt hat.Sebastian Gollnow

Wo geht das Licht wieder an

Die Lichter gehen aus – und der Senat sucht den Lichtschalter.
Am besten gemeinsam, mit Taskforce, Arbeitsgruppe und Pressekonferenz. Strom kommt dann vielleicht morgen. Verantwortung eher nicht.

Berlin kann viel: Kultur, Chaos, Kreativität.
Aber wenn es um die Basics geht – Strom, Infrastruktur, Verlässlichkeit – wirkt diese Stadtregierung wie jemand, der im Fahrstuhl stecken bleibt und erst einmal einen runden Tisch einberuft.

Und draußen, im dunklen Südwesten, warten die Menschen nicht auf Erklärungen.
Sie warten auf Licht.

Sind Sie auch betroffen? Bitte schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen mit dem Stromausfall an:leser-bk@berlinerverlag.com