Sonntagmittag im Südwesten von Berlin. Menschen stapfen über verschneite Gehwege, mit Taschen, Rucksäcken, Thermoskannen. Manche sind auf dem Weg zu Verwandten, andere zurück in Wohnungen, die seit Stunden nicht mehr warm werden. Der Strom fehlt. Und mit ihm fast alles, was den Alltag zusammenhält. Kein Licht, kein Internet, kein funktionierendes Telefon. Die Stimmung ist angespannt, müde, düster.
Hier trifft der Blackout die Menschen
Nach dem Stromausfall, der zehntausende Haushalte betrifft und nach Angaben der Behörden noch bis Donnerstag andauern könnte, war der Berliner KURIER im Südwesten der Stadt unterwegs. Dort, wo der Blackout den Alltag der Menschen komplett ausgebremst hat.
In Lichterfelde lebt Dirk K., 57, allein. In seiner Wohnung ist es kalt, die Heizung bleibt aus. „Ich habe mir Öl für meine Petroleumlampe besorgt“, sagt er. „Das ist im Moment das Einzige, was mich wärmt.“ Seine Tiefkühlware hat er auf den Balkon ausgelagert, improvisiert, um das Wenige zu retten. Auch das Essen wird zum Problem. Dirk ist unterwegs, um zu schauen, ob wenigstens noch ein Burger King geöffnet hat.
Was ihn beschäftigt, geht über den aktuellen Stromausfall hinaus. Nach dem Anschlag hier und einem ähnlichen Fall in Köpenick im September 2025 fordert er besseren Schutz für solche Anlagen.

Auch in sozialen Einrichtungen spitzt sich die Lage zu. Sabine S., 65, arbeitet in einem Seniorenheim in der Königsberger Straße in Lichterfelde. Auch dort gibt es keinen Strom. Der Koch habe einen Gasbrenner organisiert, um wenigstens Wasser heiß zu machen und damit Tee für die Bewohner zu kochen. „Mehr geht im Moment nicht“, sagt sie. Das alte Backsteingebäude kühlt langsam aus, ein Generator wird gesucht. Trotzdem bleiben alle Senioren vor Ort. „Sie halten es aus.“ Für Sabine selbst begann der Sonntag ungewöhnlich. Kein Kaffee am Morgen. „Es gab kalte Milch mit Nesquik.“ Sie kann bis Donnerstag bei ihrem Lebensgefährten in Rudow unterkommen. Andere haben diese Möglichkeit nicht.

Sabine D., 81, lebt am Westfalenring in Lichterfelde. Von dem Stromausfall erfuhr sie ausgerechnet über einen Anruf aus dem Ausland. Ihr Sohn rief aus Griechenland an, nachdem er die Nachrichten gesehen hatte. Jetzt sitzt sie im Bus, auf dem Weg zu einer Freundin. „Aufwärmen, Handy laden“, sagt sie. Mehr braucht es gerade nicht.

Während Polizei und Einsatzkräfte weiter präsent sind und Notunterkünfte sowie Wärmepunkte geöffnet bleiben, versuchen die Menschen, ihren Alltag neu zu organisieren. Viele sind unterwegs, suchen Anschluss, Wärme, funktionierende Steckdosen. Andere harren aus. Der Blackout zeigt am helllichten Sonntag, wie fragil das Leben in der Großstadt ohne Strom ist.




