Wenn der Druck steigt, liefert Steffen Baumgart. Immer wieder. Der Trainer des 1. FC Union Berlin steht in seiner 15-monatigen Amtszeit mehrfach mit dem Rücken zur Wand – und schlägt zurück. Fast wirkt es, als hätte der Fußballgott ein Auge auf Köpenick. Und auf Baumgart.
Baumgart und die Muster seiner Comeback-Spiele
Es ist ein Muster. Und es zieht sich wie ein roter Faden durch Baumgarts Zeit beim 1. FC Union Berlin.
Als Nachfolger von Bo Svensson übernahm der Rostocker in einer Phase, in der Union ums sportliche Überleben kämpfte. Vier Pleiten aus den ersten fünf Spielen, hitzige Diskussionen über die Umstellung von Dreier- auf Viererkette. Nach dem 0:1 gegen Kiel schien die Luft rund um die Wuhle extrem dünn.
Warum Union gerade in Drucksituationen aufdreht
Dann ging es nach Frankfurt.

Beim damaligen Tabellendritten gewann Union völlig unerwartet 2:1. Und ja, auch mit einem Hauch Glück. Die Eintracht vergab viele Chancen, Union-Torwart Frederik Rönnow hielt einen Elfmeter tief in der Nachspielzeit. Baumgart wusste das einzuordnen: „Wir haben vorher schon nicht alles falsch gemacht und heute auch nicht alles richtig gemacht – wir freuen uns aber über den wichtigen Dreier.“
Frankfurt als erstes Beispiel für Baumgarts Wende-Kraft
Ähnlich dramatisch wurde es im Herbst des vergangenen Jahres. Union war ordentlich gestartet, doch am 14. Spieltag drohte die Lage zu kippen. Nur vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, akute Stürmerflaute, Unsicherheit in den Abläufen. Der Druck wuchs. Und in Köpenick wurde gerechnet.
Dann kam RB Leipzig.
Der Leipzig-Sieg als wichtigster Wendepunkt
Ein fulminantes 3:1 gegen den Favoriten, eine Woche später ein 1:0 in Köln. Zwei Siege, die Union plötzlich wieder Luft verschafften. Weihnachten wurde besinnlich statt brenzlig.
Und jetzt? Wieder dasselbe Bild.
Leverkusen-Spiel: Glück, Kampf – und Baumgarts Handschrift
Sieben Spiele ohne Sieg, die Defensive wackelt, der Tabellenkeller rückt näher. Die Stimmung droht zu kippen. Dann schlägt Bayer Leverkusen an der Alten Försterei auf: Champions-League-Teilnehmer, Tempo, Qualität.

Doch Union ringt die Werkself mit 1:0 nieder. Mit verdammt viel Kampf und Leidenschaft – aber auch mithilfe des Fußballgotts.
Was Baumgart und Union in Krisen so gefährlich macht
„Ich glaube, dass wir ein Spiel gesehen haben, in dem wir auch das nötige Quäntchen Glück hatten“, räumt Baumgart ein. Vor allem das Geschenk von Ex-Unioner Robert Andrich spielte den Eisernen in die Karten. „Den einen kleinen Fehler, den uns der Gegner angeboten hat, haben wir diesmal ausgenutzt. Das ist uns in letzter Zeit nicht oft gelungen.“
Wieder ein Befreiungsschlag. Wieder im richtigen Moment.
Der Fußballgott schaut genau auf Union und Baumgart
Man kann es Zufall nennen. Oder Mentalität. Vielleicht ist es auch diese Mischung aus Beharrlichkeit und Trotz, die Baumgart auszeichnet. Wenn der Druck steigt, wird seine Mannschaft unangenehm. Sie verteidigt brutaler, läuft mehr, leidet länger.




