„Ganz billig“

Er wusste es – und stolpert doch: Andrichs Albtraum beim 1. FC Union Berlin

Zu lässig, zu spät, zu halbherzig: Ein Blackout von Robert Andrich sorgt für Unions Befreiungsschlag gegen Leverkusen.

Author - Sebastian Schmitt
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Robert Andrich (31) erlebte mit Bayer Leverkusen bei seiner Rückkehr zum 1. FC Union Berlin einen rabenschwarzen Tag.
Robert Andrich (31) erlebte mit Bayer Leverkusen bei seiner Rückkehr zum 1. FC Union Berlin einen rabenschwarzen Tag.Michael Taeger/imago

Er wollte dominieren, dirigieren, vorangehen – und stolperte ausgerechnet an alter Wirkungsstätte. Robert Andrich erwischte beim 0:1 von Bayer Leverkusen beim 1. FC Union Berlin einen rabenschwarzen Nachmittag. Ein Fehler, ein Gegentor, eine bittere Rückkehr nach Köpenick.

Andrich wirkt fahrig – und patzt entscheidend

Dass er sich seine Heimkehr ganz anders vorgestellt hat, sah man Robert Andrich (31) an. Zerknirscht, ein bisschen wütend und vor allem enttäuscht stand der Nationalspieler nach dem Abpfiff auf dem Rasen im Stadion An der Alten Försterei.

Robert Andrich ist vor dem 0:1 vor Rani Khedira am Ball, verliert aber den Zweikampf gegen den Vize-Kapitän des 1. FC Union Berlin.
Robert Andrich ist vor dem 0:1 vor Rani Khedira am Ball, verliert aber den Zweikampf gegen den Vize-Kapitän des 1. FC Union Berlin.Engler/nordphoto GmbH/imago

Wie schon zu eisernen Zeiten sprach der Nationalspieler, der Köpenick 2021 für neun Millionen Euro in Richtung Rheinland verlassen hatte und von den Union‑Fans vor dem Anstoß natürlich als „Fußballgott“ gefeiert wurde, danach Klartext: „Ich habe alles falsch gemacht und die Situation ganz billig hergeschenkt.“

Rani Khedira nutzt den Fehler von Robert Andrich eiskalt

Andrich geht mit sich selbst hart ins Gericht, weil sein Fehler zum Tor des Tages für Union und zur schmerzhaften Pleite von Bayer Leverkusen führte.

Gepennt hatte der Potsdamer in der 28. Minute, als Unions Aljoscha Kemlein Rani Khedira mit einem Pass in die Tiefe bediente. „Ich stehe erst gut, dann unterschätze ich die Situation. Das darf mir nicht passieren. Dadurch lenkst du das Spiel auch ein bisschen in die Richtung, in der sich Union wohler fühlt“, gibt Andrich zu.

Ex-Unioner Robert Andrich und Rani Khedira gerieten beim Spiel des 1. FC Union Berlin gegen Bayer Leverkusen gleich mehrfach aneinander.
Ex-Unioner Robert Andrich und Rani Khedira gerieten beim Spiel des 1. FC Union Berlin gegen Bayer Leverkusen gleich mehrfach aneinander.O. Behrendt/imago

Zu lässig, zu spät, zu halbherzig – genau das, was Andrich eigentlich nicht verkörpert. Dabei hatte er sich so viel vorgenommen – und genau gewusst, was auf ihn in Köpenick zukommt: „Ich freue mich immer wieder hierherzukommen. Spiele an der Alten Försterei sind allgemein nie schön. Es geht nur darum, das Spiel zu ziehen.“

Union feiert Befreiungsschlag nach Sieglos‑Serie

Doch genau das gelang der Werkself überhaupt nicht. Auch weil Andrich früh fahrig wirkte: Zweikämpfe verloren, Pässe ungenau, Abstimmung wacklig. Die Szene vor dem 0:1 war der Tiefpunkt. Danach rieb Andrich sich auf, lief an, versuchte zu korrigieren. Doch sein Blackout blieb das prägende Bild dieses Spiels.

Für Union war es die perfekte Antwort auf Wochen voller Frust. Nach sieben Spielen ohne Sieg gelang endlich der Befreiungsschlag in der Bundesliga. Und ausgerechnet ein Ex‑Unioner lieferte den entscheidenden Moment.