Am zurückliegenden Sonntagnachmittag bebte die Lausitz. „Schuld“ daran hatte die Mannschaft von Drittligist Energie Cottbus, die ein Spiel ablieferte, das in die Geschichtsbücher eingehen wird.
Cottbus drehte gegen Essen einen 1:3-Rückstand
Im Duell zweier Teams, die erbittert um den Aufstieg in die 2. Bundesliga kämpfen, rang Energie die zuvor in sieben Spielen in Serie siegreiche Mannschaft von Rot-Weiß Essen – dem Tabellen-Zweiten – nach einem 1:3-Rückstand mit 5:3 nieder! Irre!
Schon vor dem Anpfiff war klar: Im Duell der beiden schärfsten Verfolger des enteilten Tabellenführers Osnabrück musste ein Sieg für Cottbus her, damit der Aufstieg weiter greifbar bleibt. Solch einen Sieg holte sich Energie mit unbändigem Willen. Niemand, der im Hexenkessel des Energie-Stadions dabei war, wird das vergessen.

Die älteren Energie-Anhänger fühlten sich gar an große Zeiten erinnert, als die Mannschaft des langjährigen Cheftrainers Eduard Geyer vor über 20 Jahren in der Ersten Bundesliga den Großen der Branche ab und an das Fürchten lehrte.
Wollitz ist wie Geyer ein impulsiven Trainer
Die Sehnsucht nach einstiger Bedeutung im deutschen Profifußball ist groß in Cottbus und der gesamten Lausitz. Wie früher unter Geyer besitzt Energie in Claus-Dieter Wollitz, genannt „Pele“, einen äußerst impulsiven Trainer. Der hatte noch vor dem Spitzenspiel gegen Essen in der Pressekonferenz seinem Frust über die Behandlung seines Teams freien Lauf gelassen.

Drastisch prangerte er die Vorkommnisse beim letzten Auswärtsspiel bei Tabellenführer VfL Osnabrück an, das mit einer 0:1-Niederlage für Cottbus endete. „Dort wurden Grenzen klar überschritten, wie Energie behandelt worden ist. Respektloser kann man keinem Klub seine Abneigung zeigen. Wir waren Beleidigungen ausgesetzt.“
Noch einmal wetterte der Coach über die Schiedsrichterleistung in Osnabrück. „Die Saison sollte am Ende nicht durch die Schiedsrichter entschieden werden.“ Positiv: Im äußerst turbulenten Duell gegen Essen, das grandiose Werbung für den Fußball war, gab es keine Kritik am Referee.

Vier Spieltage vor Saisonschluss ist Energie nun dem Aufstieg in die 2. Liga ähnlich nahe wie in der Vorsaison. Im Mai 2025 war Cottbus als Aufsteiger (!) erst am letzten Spieltag gescheitert. Das Team lag nach 37 Spielen auf Platz 3, punktgleich mit dem 1. FC Saarbrücken und hatte die Relegation vor Augen. Doch Cottbus unterlag im Saisonfinale zu Hause mit 1:4 gegen den FC Ingolstadt, während Saarbrücken mit 2:1 gegen Borussia Dortmund II siegte, aber danach in der Relegation an Eintracht Braunschweig scheiterte.
Energie spielte insgesamt sechs Jahre in der Bundesliga
Zehn Jahre lang hatte der einstige Bundesligist, der immerhin sechs Spielzeiten im Oberhaus verbracht hatte (2000-2003 und 2006-2009) zuletzt meist in der Viertklassigkeit gelebt, exakt sieben Spielzeiten seit 2016. Diese frustrierenden Jahre sind vorbei. „Man freut sich nun, dass die 2. Liga vielleicht wieder erreichbar ist“, sagte mir Christian Beeck (54).
Der einst eisenharte Abwehrmann führte Energie als Kapitän in der Ersten Bundesliga, trug die Spielführerbinde zum ersten Mal bei einem historischen Sieg, einem 1:0 gegen den großen FC Bayern München am 14. Oktober 2000. Beeck damals: „Davon werde ich noch meinen Enkeln erzählen!“

Als Reporter habe auch ich, der Autor dieser Kolumne, zahlreiche große Spiele von Energie live erlebt, vor allem die beinharten Duelle gegen Hertha BSC. Für die Berliner entwickelte sich Cottbus damals sogar zu einem Angstgegner. Von zwölf Erstligaspielen beider Teams gegeneinander ging Energie siebenmal als Sieger vom Platz, bei einem Remis und vier Erfolgen der Hertha. Eine 0:1-Niederlage der Hertha am 5. Februar 2002 kostete Kulttrainer Jürgen Röber sogar den Job!
Energies Erfolgsgeheimnisse: Geschlossenheit und kompromissloses Spiel
Den goldenen Treffer für Cottbus erzielte der Bosnier Marko Topic. „Ich habe die Vorlage gegeben“, erinnerte sich Christian Beeck sofort. Er sagte: „Unser Erfolgsgeheimnis als krasser Außenseiter war unsere Geschlossenheit, unser kompromissloses Spiel. Und die gnadenlose Disziplin, die unser Trainer Eduard Geyer gefordert hatte.“ Einst reisten viele etablierte Erstligisten mit mulmigen Gefühlen in die Lausitz zu Energie, dass als „Gallisches Dorf“ galt. Das „Stadion der Freundschaft“ hätte besser „Kampfbahn“ heißen müssen.






