Fußball im Osten

Energie Cottbus kämpft sich zurück ins Rampenlicht

Energie Cottbus feierte am Wochenende ein famoses 5:3 gegen Rot‑Weiß Essen und träumt vom Aufstieg. Warum die Lausitz wieder an große Fußballzeiten glaubt.

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Die Energie-Profis bejubeln Sonntag das Comeback und den Sieg gegen Essen.
Die Energie-Profis bejubeln Sonntag das Comeback und den Sieg gegen Essen.Weiland/Fotostand/IMAGO

Am zurückliegenden Sonntagnachmittag bebte die Lausitz. „Schuld“ daran hatte die Mannschaft von Drittligist Energie Cottbus, die ein Spiel ablieferte, das in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Cottbus drehte gegen Essen einen 1:3-Rückstand

Im Duell zweier Teams, die erbittert um den Aufstieg in die 2. Bundesliga kämpfen, rang Energie die zuvor in sieben Spielen in Serie siegreiche Mannschaft von Rot-Weiß Essen – dem Tabellen-Zweiten – nach einem 1:3-Rückstand mit 5:3 nieder! Irre!

Schon vor dem Anpfiff war klar: Im Duell der beiden schärfsten Verfolger des enteilten Tabellenführers Osnabrück musste ein Sieg für Cottbus her, damit der Aufstieg weiter greifbar bleibt. Solch einen Sieg holte sich Energie mit unbändigem Willen. Niemand, der im Hexenkessel des Energie-Stadions dabei war, wird das vergessen.

Trainer Eduard Geyer war für den Energie-Aufschwung Mitte der 1990er-Jahre verantwortlich.
Trainer Eduard Geyer war für den Energie-Aufschwung Mitte der 1990er-Jahre verantwortlich.CONTRAST/IMAGO

Die älteren Energie-Anhänger fühlten sich gar an große Zeiten erinnert, als die Mannschaft des langjährigen Cheftrainers Eduard Geyer vor über 20 Jahren in der Ersten Bundesliga den Großen der Branche ab und an das Fürchten lehrte.

Wollitz ist wie Geyer ein impulsiven Trainer

Die Sehnsucht nach einstiger Bedeutung im deutschen Profifußball ist groß in Cottbus und der gesamten Lausitz. Wie früher unter Geyer besitzt Energie in Claus-Dieter Wollitz, genannt „Pele“, einen äußerst impulsiven Trainer. Der hatte noch vor dem Spitzenspiel gegen Essen in der Pressekonferenz seinem Frust über die Behandlung seines Teams freien Lauf gelassen.

Claus-Dieter Wollitz ist immer ein Mann der klaren Worte.
Claus-Dieter Wollitz ist immer ein Mann der klaren Worte.IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Drastisch prangerte er die Vorkommnisse beim letzten Auswärtsspiel bei Tabellenführer VfL Osnabrück an, das mit einer 0:1-Niederlage für Cottbus endete. „Dort wurden Grenzen klar überschritten, wie Energie behandelt worden ist. Respektloser kann man keinem Klub seine Abneigung zeigen. Wir waren Beleidigungen ausgesetzt.“

Noch einmal wetterte der Coach über die Schiedsrichterleistung in Osnabrück. „Die Saison sollte am Ende nicht durch die Schiedsrichter entschieden werden.“ Positiv: Im äußerst turbulenten Duell gegen Essen, das grandiose Werbung für den Fußball war, gab es keine Kritik am Referee.

Spieler, Betreuer und Trainer Wollitz (r.) jubeln über das zwischenzeitliche 4:3 im Heimspiel gegen Essen.
Spieler, Betreuer und Trainer Wollitz (r.) jubeln über das zwischenzeitliche 4:3 im Heimspiel gegen Essen.Frank Hammerschmidt

Vier Spieltage vor Saisonschluss ist Energie nun dem Aufstieg in die 2. Liga ähnlich nahe wie in der Vorsaison. Im Mai 2025 war Cottbus als Aufsteiger (!) erst am letzten Spieltag gescheitert. Das Team lag nach 37 Spielen auf Platz 3, punktgleich mit dem 1. FC Saarbrücken und hatte die Relegation vor Augen. Doch Cottbus unterlag im Saisonfinale zu Hause mit 1:4 gegen den FC Ingolstadt, während Saarbrücken mit 2:1 gegen Borussia Dortmund II siegte, aber danach in der Relegation an Eintracht Braunschweig scheiterte.

Energie spielte insgesamt sechs Jahre in der Bundesliga

Zehn Jahre lang hatte der einstige Bundesligist, der immerhin sechs Spielzeiten im Oberhaus verbracht hatte (2000-2003 und 2006-2009) zuletzt meist in der Viertklassigkeit gelebt, exakt sieben Spielzeiten seit 2016. Diese frustrierenden Jahre sind vorbei. „Man freut sich nun, dass die 2. Liga vielleicht wieder erreichbar ist“, sagte mir Christian Beeck (54).

Der einst eisenharte Abwehrmann führte Energie als Kapitän in der Ersten Bundesliga, trug die Spielführerbinde zum ersten Mal bei einem historischen Sieg, einem 1:0 gegen den großen FC Bayern München am 14. Oktober 2000. Beeck damals: „Davon werde ich noch meinen Enkeln erzählen!“

Tolcay Cigerci überragte Sonntag gegen Essen mit drei Toren.
Tolcay Cigerci überragte Sonntag gegen Essen mit drei Toren.IMAGO/Fotostand /Weiland

Als Reporter habe auch ich, der Autor dieser Kolumne, zahlreiche große Spiele von Energie live erlebt, vor allem die beinharten Duelle gegen Hertha BSC. Für die Berliner entwickelte sich Cottbus damals sogar zu einem Angstgegner. Von zwölf Erstligaspielen beider Teams gegeneinander ging Energie siebenmal als Sieger vom Platz, bei einem Remis und vier Erfolgen der Hertha. Eine 0:1-Niederlage der Hertha am 5. Februar 2002 kostete Kulttrainer Jürgen Röber sogar den Job!

Energies Erfolgsgeheimnisse: Geschlossenheit und kompromissloses Spiel

Den goldenen Treffer für Cottbus erzielte der Bosnier Marko Topic. „Ich habe die Vorlage gegeben“, erinnerte sich Christian Beeck sofort. Er sagte: „Unser Erfolgsgeheimnis als krasser Außenseiter war unsere Geschlossenheit, unser kompromissloses Spiel. Und die gnadenlose Disziplin, die unser Trainer Eduard Geyer gefordert hatte.“ Einst reisten viele etablierte Erstligisten mit mulmigen Gefühlen in die Lausitz zu Energie, dass als „Gallisches Dorf“ galt. Das „Stadion der Freundschaft“ hätte besser „Kampfbahn“ heißen müssen.

In den letzten Jahren hat sich der Klub positiv entwickelt. Im Sommer 2025 folgte ein heftiger personeller Umbruch, aber das Team funktioniert längst als Gemeinschaft. Und mit aktuell 6320 Mitgliedern ist der FC Energie der größte Verein in Brandenburg. Vom Land gibt es nun zwei Millionen Euro Fördergeld, das Stadion schnell zweitligatauglich machen zu können.

Die Mannschaft, die mit ihrer Willens- und Kampfkraft an die alten Strategen aus Erstligazeiten erinnert, muss nun noch vier Spiele alles geben, um den Traum vom Aufstieg Wirklichkeit werden zu lassen. Platz zwei, der im Moment hinter Essen nur ein Pünktchen entfernt ist, würde den direkten Aufstieg bedeuten. Dass beinahe epische 5:3 gegen RWE sollte einen enormen Schub geben. Und mit Tolcay Cigerci, dem dreifachen Torschützen gegen Essen, besitzt man den vielleicht besten Spieler der Liga.